Der Kunsthandel im Spitzensegment floriert: Für grosse Namen wie Brancusi, Rothko, Picasso und Richter werden astronomische Preise bezahlt.Christian Schaernack, New York21.05.2026, 12.10 Uhr3 LeseminutenJackson Pollocks Tropfbild «Number 7A» von 1948 erzielte 181 Millionen Dollar.Christies / Pro Litteris107 Millionen Dollar für Constantin Brancusis «Danaide». Und sogar 181 Millionen für einen Jackson Pollock. Dazu Auktionsrekorde in New York, wo man nur hinschaut. Die Jagd nach den Ikonen der Kunstgeschichte – nach dem Unikat, dem Original – ist unvermindert Spitzensport. Was andere Kulturbranchen in existenzielle Nöte bringt, scheint dem Kunstmarkt trotz gravierenden Veränderungen auch hier nicht den Garaus machen zu können.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gemeint sind die neuen Gewohnheiten des Kulturkonsums im Zeitalter von Tiktok und KI. Während nur wenige Strassenzüge entfernt der New Yorker Metropolitan Opera zunehmend die traditionellen Kapitalgeber ausgehen, war am Montag die Nachfrage bei Christie’s im Rockefeller Center nicht nur von altem, sondern auch von viel neuem Geld bestimmt. Sogar Jeff Bezos, so wurde gemunkelt, solle mitgeboten haben.Jackson Pollocks «Drip Painting» und Constantin Brancusis weiblicher Bronzekopf gehörten zu einem Konvolut aus der Sammlung des 2017 verstorbenen Verlegers und Philanthropen Samuel Irving Newhouse. Er leitete die Magazinsparte «Condé Nast» und baute Titel wie «Vogue» und «Vanity Fair» zu weltbekannten Marken aus. Sein Vater legte 1922 den Grundstein zu einem Zeitungsimperium in den USA. Pollocks Gemälde wurde von insgesamt drei Bietern der Hof gemacht, von ihnen war auch der Schweizer Galerist Iwan Wirth im Saal. Der Zuschlag ging derweil nach sieben Minuten an einen anonymen Telefonbieter.Aus der Sammlung Newhouse stammt auch Joan Mirós «Portrait de Madame K» von 1924, das mit einem Preis von 53 Millionen Dollar einen weiteren Rekord erzielte. Und ebenso ein herrlich patinierter Abguss von Pablo Picassos «Tête de Fernande», der auf 48 Millionen Dollar kam.Constantin Brancusis Bronze-Büste «Danaïde» wechselte für 107 Millionen Dollar den Besitzer.Christies / Pro LitterisWarhol und RichterEin klassisches Werk von Mark Rothko in Grün mit rotem Streifen aus der Sammlung Agnes Gunds, der langjährigen Präsidentin des MoMA, verfehlte nur knapp die 100-Millionen-Grenze. Dennoch erzielte es mit den 98 Millionen einen Preisrekord für ein Gemälde des Künstlers. Ein silbergrauer «Double Elvis» von Andy Warhol kostete hingegen «nur» 27 Millionen Dollar, 10 Millionen weniger, als die Einlieferer erst 2018 gezahlt hatten.Ebenfalls bei Christie’s zum Verkauf standen Bilder Gerhard Richters aus dem Nachlass seiner langjährigen und im Januar verstorbenen Galeristin: Es war Marian Goodman, die dem Deutschen den Weg nach Amerika ebnete. Zu den eingängigsten Motiven zählen Richters Kerzenbilder, und so stand Goodmans Exemplar von 1982 denn auch im Fokus des Interesses. Das Gemälde kam allerdings nicht über seinen unteren Schätzwert von 35 Millionen Dollar hinaus.Picasso und MatisseAuch Sotheby’s hatte seinen Anteil am New Yorker Auktionsreigen. Neben der erfolgreich versteigerten Sammlung Mnuchin (166 Millionen Dollar) war da noch Jean-Michel Basquiats «Museum Security (Broadway Meltdown)», das 52 Millionen Dollar erzielte. Sowie eine Brigitte Bardot von Warhol, knallgrün, mit violetten Lidern und erdbeerroten Lippen. Das Werk der Diva stammt aus der Sammlung Gunther Sachs und verbuchte 24,8 Millionen Dollar.Weniger lasziv, aber dafür mit kunsthistorischem Gehalt gelangte ein «Harlekin» von Pablo Picasso zum Aufruf. Entstanden ist das Gemälde 1909, zeitgleich also mit der berühmten Fernande-Büste von Newhouse. Es dokumentiert die Anfänge des analytischen Kubismus. Auch wenn Picasso seine Ideen hier noch nicht so messerscharf darlegt wie in den Folgejahren, war die Seltenheit solcher Stücke einem Bieter 42 Millionen wert. Eine meisterhafte Gouache Vincent van Goghs erzielte rund 30 Millionen, während ein Henri Matisse von 1919 aus einer Schweizer Privatsammlung, der seit Mitte des letzten Jahrhunderts nicht mehr auf dem Markt war, 48 Millionen einbrachte.Passend zum Artikel