Cartier und Van Cleef: Die Gewinnmaschinen des Richemont-Konzerns laufen weiter auf HochtourenDie Schmuckmarken tragen den Genfer Luxuskonzern durch ein schwieriges Marktumfeld. Das Uhrengeschäft bleibt schwach.22.05.2026, 16.44 Uhr4 LeseminutenCartier ist der wichtigste Ertragsbringer im Portfolio von Richemont.UIG / GettyDa soll noch einer behaupten, der Luxus stecke in der Krise. Richemont liefert das Gegenargument.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Genfer Luxusgüterkonzern, zu dem Schmuckmarken wie Cartier und Van Cleef & Arpels sowie Uhrenmarken wie IWC und Jaeger-LeCoultre gehören, blickt auf ein starkes Geschäftsjahr zurück. Der Umsatz stieg um 5 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Der Reingewinn kletterte um 27 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Ohne den schwächeren Dollar wären die Zahlen noch besser ausgefallen.Der Jahresabschluss zeigt auch, worauf Richemonts Erfolg basiert: Schmuck. Cartier und Van Cleef & Arpels wachsen schneller als die Uhrenmarken und sind deutlich profitabler. Während die operative Marge der Uhrensparte bei 3,4 Prozent liegt, erreicht sie bei den Schmuckmarken 30,5 Prozent – fast das Zehnfache.Schmuck trägt den KonzernRichemont ist heute vor allem ein Schmuckkonzern, der daneben auch Uhren und weitere Luxusgüter verkauft. Rund drei Viertel des Umsatzes stammen von den Schmuckmarken. Cartier trägt dazu nicht nur mit Schmuck, sondern auch mit Uhren bei, die jedoch ebenfalls der Schmucksparte zugerechnet werden.Beim Gewinn zeigt sich die Dominanz noch deutlicher: Der gesamte operative Gewinn stammt aus dem Schmuckgeschäft. Tatsächlich übersteigt der Betriebsgewinn der Schmuckmarken den des gesamten Konzerns, da die Uhrensparte kaum etwas beiträgt und andere Bereiche wie Montblanc oder Modemarken Verluste schreiben. Zusätzlich belasteten Gruppenkosten von 517 Millionen Euro das Ergebnis auf Konzernstufe.Darin enthalten ist auch ein Abschreiber von 59 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Verkauf der Uhrenmarke Baume & Mercier.Gerüchte um Jaeger-LeCoultreIm Januar kündigte Richemont den Verkauf von Baume & Mercier an die italienische Damiani-Gruppe an. Der Abschluss steht kurz bevor. Der Konzernchef Johann Rupert erklärte, man habe realisiert, dass Richemont nicht der ideale Eigentümer der Marke sei. Baume & Mercier ist die günstigste Uhrenmarke des Konzerns.Die Ankündigung nährte Spekulationen, Richemont könnte sich von weiteren Uhrenmarken trennen. Besonders Jaeger-LeCoultre geriet ins Gerede. Es hiess, ein Management-Buyout unter Jérôme Lambert, dem früheren Richemont-Chef und gegenwärtigen Leiter von Jaeger-LeCoultre, sei möglich.Rupert wies die Gerüchte entschieden zurück. Ein Verkauf sei «absoluter Unsinn» und nie Thema gewesen. Die Marke sei für die gesamte Uhrensparte von Richemont zentral. Jaeger-LeCoultre gelte innerhalb der Gruppe als «watchmaker’s watchmaker» – als jener Hersteller, der besonders viel uhrmacherisches Wissen bündelt und andere Marken bei Bedarf technisch unterstützen kann.USA laufen weiter auf HochtourenDer wichtigste Wachstumstreiber für Richemont im abgelaufenen Geschäftsjahr waren erneut die USA. Richemont erzielt dort rund einen Viertel des Umsatzes. In Lokalwährungen legten die Verkäufe in Amerika um 17 Prozent zu. Von einer Abschwächung war bis zuletzt wenig zu sehen: Im vierten Quartal, das bei Richemont von Januar bis März läuft, betrug das Plus sogar 18 Prozent.Auf die Gründe für die hohe Nachfrage angesprochen, verwies der Richemont-Präsident Johann Rupert auf das robuste Konsumentenvertrauen. Er nannte aber auch die hohen Einkommen, die derzeit in Teilen der amerikanischen Wirtschaft erzielt würden. Ein bekannter CEO aus dem Silicon Valley habe ihm erzählt, eine Mitarbeiterin habe sich beklagt, weil sie «nur» 10 Millionen Dollar im Monat verdiene. Was im Bereich der künstlichen Intelligenz geschehe, bezeichnete Rupert als «surreal».Ganz sorgenfrei blickt er dennoch nicht auf diese Entwicklung. Er beobachte, dass junge Menschen zunehmend Angst hätten, wegen künstlicher Intelligenz keine Arbeit mehr zu finden. Besonders deutlich sei ihm dies geworden, als er vor kurzem eine Rede des früheren Google-Chefs Eric Schmidt vor Universitätsabgängern gesehen habe. Jedes Mal, wenn Schmidt den Begriff «Artificial Intelligence» verwendet habe, habe das Publikum gebuht.Van Cleef & Arpels, die zweitgrösste Schmuckmarke des Konzerns, holt auf. Ihr Umsatz beträgt bereits 5 Milliarden Euro und damit rund die Hälfte von jenem von Cartier.ImagoIm Nahen Osten stockt das GeschäftIm Nahen Osten läuft das Geschäft weniger rund. Die Region trägt 9 Prozent zum Umsatz bei. Bis Februar wuchs der Markt fast so stark wie in den USA, doch nach Kriegsausbruch fiel die Nachfrage in sich zusammen. «Es hat derzeit schlicht keine Touristen dort», sagte Rupert.Abu Dhabi halte sich besser als Dubai, da dort mehr lokale Kunden einkauften. Dubai sei stärker von Expats geprägt, und diese verhielten sich derzeit zurückhaltend. Rupert bezeichnete den Konflikt als Tragödie, betonte aber, dass er die Konzernbilanz von Richemont nicht gefährde.Nach wie vor eher flau sieht es in China aus. In Festlandchina, Hongkong und Macau stiegen die Umsätze in Lokalwährungen im Gesamtjahr um 3 Prozent. Seit dem vergangenen Sommer hätten sich die Verkäufe in der Region verbessert. Getragen wurde dieses Wachstum allerdings vor allem von Hongkong, wobei auch dort der Schmuck besser lief als die Uhren.Cartier am Flughafen Dubai: Im Nahen Osten leidet Richemont derzeit unter dem Ausbleiben vieler Touristen.EyesWideOpen/GettyStarke Bilanz, vorsichtiger AusblickRichemont schlägt sich deutlich besser als viele Konkurrenten. Das zeigt sich auch an der Entwicklung im laufenden Jahr. Während der Umsatz des Konzerns zwischen Januar und März in Lokalwährungen um 13 Prozent wuchs, legte der Branchenprimus LVMH nur um 1 Prozent zu. Noch schlechter erging es Kering (0 Prozent), wo Gucci mit einem Rückgang von 8 Prozent bremste. Einzig Hermès konnte mit Richemont mithalten und wuchs um 6 Prozent.Trotz den starken Zahlen bleibt Richemont im Ausblick vorsichtig. Der Konzern verweist auf anhaltende geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten. Ganz so defensiv, wie das klingt, gibt er sich allerdings nicht: Neben einer um 10 Prozent erhöhten regulären Dividende von 3 Franken 30 je Aktie schlägt Richemont eine Sonderdividende von 1 Franken vor. Das ist ein Signal, dass der Konzern seiner Cashflow-Entwicklung auch in den kommenden 18 bis 24 Monaten einiges zutraut.Passend zum Artikel
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