Grafik der Woche

Für die europäische Luxusindustrie zeichnet sich keine Erholung ab Der Börsenwert der Luxuskonzerne LVMH, Dior und Kering ist markant zurückgekommen. Die Flaute liegt nicht nur am Krieg im Nahen Osten und ist zum Teil selbst verschuldet. Ein Ende ist indes nicht in Sicht. Geopolitische Unsicherheit, ausbleibende Reisen und eine schwächere Konsumlaune bremsen den Absatz von Marken wie Louis Vuitton oder Dior. Besonders der Shopping-Tourismus aus den Golfstaaten und Asien schwächelt – ein Problem für Europas Luxusbranche, die stark von reisefreudigen Wohlhabenden abhängt. Doch der Krieg im Nahen Osten ist nur eine von mehreren Belastungen. Die Nachfrage nach teuren Handtaschen, Schmuck und Uhren hat sich bereits in den vergangenen zwei Jahren deutlich abgekühlt.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das spiegelt sich an der Börse: Die fünf grössten europäischen Luxusgüterhersteller sind kombiniert so wenig wert wie zuletzt vor vier Jahren. Noch rund 600 Mrd. € bringen LVMH, Hermès, Richemont, Dior und Kering zusammen auf die Waage.LVMH-Aktien haben rund 40% an Wert eingebüsstAuf dem Höhepunkt im April 2023 erreichte LVMH als erstes europäisches Unternehmen einen Börsenwert von 500 Mrd. $ (450 Mrd. €). Seither haben die Aktien des französischen Branchenprimus rund 40% eingebüsst. Ähnlich stark gefallen sind die Titel von Christian Dior, während jene von Kering gar 58% niedriger notieren. Richemont und Hermès erreichten ihr Höchst dagegen erst Mitte Februar 2025 und haben seither in Euro gerechnet 14 respektive 45% preisgegeben.In der Spitze kamen die fünf grössten Luxuskonzerne Europas auf einen Börsenwert von fast 1 Bio. € und machten damit nahezu 8% des Stoxx Europe 600 aus. Inzwischen ist ihr Anteil unter 4% geschrumpft. Während die USA mit ihren Tech-Giganten die globale Börsenlandschaft dominieren, verfügte Europa zumindest über Weltmarktführer im Luxussegment. Der Bedeutungsverlust von LVMH, Hermès, Kering und Dior steht deshalb sinnbildlich für die relative Schwäche des europäischen Aktienmarkts, ja der europäischen Wirtschaft insgesamt.Einen Teil der heutigen Nachfrageschwäche haben die Unternehmen selbst verursacht. In den Boomjahren nach der Covid-Pandemie nutzten viele Luxuskonzerne die starke Nachfrage, um ihre Preise kräftig anzuheben. Handtaschen von Louis Vuitton kosteten 2023 beispielsweise rund 20 bis 40% mehr als noch 2019.Besonders aggressiv ging Dior vor: Gemäss einer Analyse des «Wall Street Journal» (Paywall) verteuerte der französische Konzern, der von LVMH kontrolliert wird, seine Produkte zwischen 2020 und 2023 im Schnitt um rund 51%. Branchenweit lagen die Preissteigerungen bei rund 36%. Hermès und Richemont hoben die Preise vorsichtiger an und gelten deshalb heute als widerstandsfähiger.Die Aussichten sind weiterhin verhaltenAuch das wirtschaftliche Umfeld hat sich eingetrübt, und eine kräftige Erholung ist vorerst nicht in Sicht. Die US-Grossbank Morgan Stanley senkte Anfang Mai ihre Wachstumsprognose für den Luxussektor im laufenden Jahr von zuvor 4 bis 5% auf nur noch 2,5%. Gespräche mit europäischen Gross- und Einzelhändlern deuteten laut den Analysten zwar auf eine leichte Stimmungsaufhellung seit Ende 2025 hin. «Die Aussichten bleiben jedoch eher verhalten als ausgesprochen optimistisch.»Die Gründe dafür sind vielfältig und spiegeln das insgesamt schwache Konsumumfeld: Die fragile geopolitische Lage und insbesondere der Krieg im Nahen Osten, wo die Luxusindustrie laut Morgan Stanley rund fünf Prozent ihres Umsatzes erzielt, belasten die Verkäufe ebenso wie die gedrückte Konsumentenstimmung in den USA und strukturelle Veränderungen der Nachfrage in China. Der chinesische Detailhandel verfehlte zuletzt die Erwartungen: Im April stieg der Umsatz nur noch um 0,2% und damit so schwach wie seit Dezember 2022 nicht mehr.Die jüngsten Geschäftszahlen der Branche verdeutlichen überdies die «K-förmige» Entwicklung der US-Wirtschaft: Konsumenten mit hohem Einkommen profitieren über die Börse von steigenden Vermögen, während Haushalte mit geringerem Einkommen unter dem Druck der Inflation und einer sinkenden Kaufkraft leiden. Marken wie Cartier von Richemont, die sich an die wohlhabendsten Verbraucher richten, erzielen starkes Wachstum, während diejenigen, die unter anderem auch auf Käufer aus den mittleren Einkommensschichten ausgerichtet sind wie die Handtaschen von Louis Vuitton (LVMH), unter Druck bleiben.