Mitten in … RomKlar, Italien ist voll von Espresso-Bars, in denen der caffè wenig kostet. Aber natürlich gibt es auch jene Cafés, in denen man einen special blend serviert bekommt, die Bananenbrot anbieten und jedes Gericht auch mit Avocado. Eines Vormittags in einem solchen Laden am Rande des Zentrums, die Einrichtung ist spärlich (helle Holzoberflächen), aber die Leute sitzen eh lieber draußen in der Sonne. Die Koreanerinnen am Nachbartisch trinken Bio-Fruchtsaft, ein paar Locals unterhalten sich, einer hat den Laptop aufgeklappt. Eine ältere Dame, erkennbar ebenfalls einheimisch, kommt vorbei. Und schimpft. Was den Leuten einfalle, hier zu sitzen. Viel zu teuer alles. Der ganze Laden, eine einzige Unverschämtheit. Zur Sicherheit zetert sie auf Englisch. Da feuert der Cafébetreiber zurück, auf Italienisch: „Und Sie sind wahnsinnig unhöflich!“ Danach geht es offenbar allen besser. Elisa Britzelmeier Illustration: Marc HeroldMitten in … UnterföhringEine Industriebrache, dort, wo jede Stadt am hässlichsten ist, wo sie zerfasert in Gewerbegebiete. Hier zwischen den Münchner S-Bahn-Haltestellen Unterföhring und Johanneskirchen hat jemand an eine heruntergekommene Werks- oder Lagerhalle in krakeliger Schrift gemalt: „Moin, ihr Säcke.“ Der morgendliche Pendler kann nicht anders, als an sich und seine Mitbürger in ihrer fleischlichen Form zu denken. Ein Sack aus Haut, gefüllt mit Knochen und Gekröse. Vielleicht ging’s auch anderen so. Jedenfalls wurde das womöglich gar nicht so philosophisch gemeinte Gekritzel überstrichen, nicht nur einmal. Aber du kannst Ideen nicht töten. Jedenfalls nicht diese. Kurze Zeit später bricht sich der Gruß an die Fahrgäste jedes Mal wieder Bahn. Und es erscheint erst blass, dann immer deutlicher lesbar wieder, als wäre es mit Zauberfarbe geschrieben: „Moin, ihr Säcke.“ Helmut Martin-Jung Illustration: Marc HeroldMitten in … AthenEndlich hält ein Taxi am verkehrsumtosten Athener Omonia-Platz. Mein Begleiter war schon drauf und dran, die Geduld zu verlieren. Der Wagen ist nicht der neueste. Der Fahrer aber will einen guten Eindruck machen. Er zückt sein Handy und zeigt Fotos eines prominenten griechischen Unternehmers, Typ superreich. Dessen Chauffeur sei er viele Jahre gewesen, sagt er und scrollt durch seine Foto-Flut, ein Leben im Luxus. Unsere Bitten, nur auf die Straße zu schauen, ignoriert er. Jetzt sei der Businessmann im Gefängnis, war alles zu schön, besonders die Bilanzen, und er müsse im Rentenalter Taxi fahren, sagt der Mann am Steuer und seufzt. Mein griechischer Begleiter ist auch Unternehmer und sofort guter Laune. Er könne nicht mit Millionen dienen, sagt er dem redseligen Fahrer, „aber ich bin auch nicht im Gefängnis“. Christiane SchlötzerWeitere Folgen der Kolumne „Mitten in …“ finden Sie hier.
Kuriose Szene in Café in Rom: Avocado-Toast-Gegnerin beschimpft Café-Besitzer
Die SZ-Korrespondentin in Rom gerät zwischen die Fronten eines hippen Café-Betreibers und einer Avocado-Toast-Gegnerin. Kolumne „Mitten in“.








