GC bleibt nach dem Barrage-Drama gegen Aarau in der Super League – für den Rekordmeister ist es das einzige Positive in dieser SaisonDas Relegations-Rückspiel zwischen den Grasshoppers und Aarau ist an Dramatik kaum zu überbieten. Dank einem Penalty zum 2:1 in der Verlängerung schafft GC den Klassenerhalt. Trotzdem ist diese Spielzeit für den Zürcher Klub ein Armutszeugnis.22.05.2026, 05.15 Uhr5 LeseminutenAktualisiertErlöst den Rekordmeister mit seinem verwandelten Penalty in der Verlängerung: der GC-Verteidiger El Bachir Ngom (am Boden).Gian Ehrenzeller / KeystoneDie Bilder verdeutlichen, wie viel Druck da gerade abfällt. Als der Schiedsrichter Urs Schnyder das verrückte Barrage-Rückspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Aarau nach mehr als 120 Minuten abpfeift, umarmt der GC-Sportchef Alain Sutter oben auf der Tribüne seine Entourage. Er und sein Sohn halten einander innig umschlossen und bleiben lange einfach so stehen. Erst einmal tief durchatmen!Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Unten auf dem Platz herzen sich derweil der GC-Captain Amir Abrashi und der Trainer Peter Zeidler. Sie legen sich gemeinsam auf den Rasen und signalisieren damit: Wir sind fixfertig, aber wir haben es geschafft. Gerade noch. Schon wieder. Welch Erleichterung!Denn die Grasshoppers haben die Barrage am Donnerstagabend gegen Aarau 2:1 gewonnen und damit den dritten Abstieg der Klubgeschichte verhindert. Wie schon im vergangenen Jahr, auch damals bezwang der Rekordmeister den FC Aarau in der Relegation. Und wie 2024, als der diesjährige Meister FC Thun den Aufstieg dort noch verpasste. Heuer schaffte GC den Klassenerhalt, weil der Verteidiger El Bachir Ngom in der 110. Minute einen umstrittenen Foulelfmeter souverän zum 2:1 verwandelte. Und Aarau darauf keine Antwort mehr fand.Zwei rote Karten und ein umstrittener FoulpenaltyDabei hatte kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit noch wenig dafür gesprochen, dass die Grasshoppers das ausgeglichene Duell gegen den Challenge-League-Klub für sich entscheiden würden: In der 88. Minute liess sich der GC-Angreifer Lee Young-Jun beim Stand von 1:1 zu einer Tätlichkeit hinreissen; der Südkoreaner rammte seinem Gegenspieler Leon Frokaj das Knie in den Kopf. Schiedsrichter Schnyder blieb gar nichts anderes übrig, als Lee vom Platz zu stellen. Der GC-Captain Amir Abrashi sagte: «Zu diesem Zeitpunkt dachte ich: ‹In Unterzahl in die Verlängerung gehen, das ist unser Untergang. Jetzt kann uns nur noch Gott helfen.›»Es war dann viel profaner: Die Aarauer wussten Lees Geschenk schlicht nicht zu nutzen. Stattdessen herrschte nach der ersten Hälfte der Verlängerung wieder numerische Gleichheit. Weil Linus Obexer den eingewechselten Abrashi mit dem Fuss im Gesicht getroffen hatte und von Schnyder nach Konsultation der Videobilder ebenfalls des Feldes verwiesen worden war.Abrashi blutete nach Obexers Kick aus dem Mund, aber sein Team im Stich lassen, das kam für den langjährigen GC-Anführer nicht infrage. Wie der 36-Jährige um jeden Preis schnellstmöglich auf das Feld zurück will: Keine Szene hätte besser illustrieren können, dass dieses GC noch nicht am Ende ist. Nicht, solange Abrashi noch da ist. Ehe der Routinier auf den Platz zurück konnte, musste er sich aber die Platzwunde an der Oberlippe nähen lassen.Abrashi hat mit GC nun zum dritten Mal nacheinander die emotional überfordernde Relegation überstanden. Entsprechend überschwänglich war hinterher der Jubel im Letzigrund. Doch die Erleichterung über den in extremis geschafften Klassenerhalt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass GC die nächste völlig verkorkste Saison hinter sich hat.Wobei der Klub gleich auf mehreren Ebenen ein desaströses Bild abgab. Da sind zum einen die weitgehend unsichtbaren Eigentümer vom Los Angeles FC, denen ein klares Konzept mit diesem Klub offensichtlich fehlt. Da ist zum anderen die sportliche Führung um Alain Sutter, der alles entscheidet und doch kein Team zusammengestellt hat, das in der Super League um mehr als bloss den Ligaerhalt spielen könnte. Und dann ist da noch der treue, aber seit Jahren kleiner werdende Anhang, der seinen Unmut über den schleichenden Niedergang des einst so stolzen Rekordmeisters immer deutlicher kundtut – mit teils fragwürdigen Mitteln.So forcierten die GC-Fans im Frühjahr auf gehässige Weise den Abgang des Geschäftsführers Christoph Urech. Nach dem Aus im Cup-Halbfinal zerlegten GC-Chaoten das Stadion von Lausanne-Ouchy in dessen Einzelteile. Danach forderten die organisierten Fans die amerikanischen Eigentümer dazu auf, den Klub zu verkaufen. Und nun, nach dem Ligaerhalt, veröffentlichten sie ein Transparent mit der Aufschrift: «Zellt eusi Saisonkarte au nächst Saison? Die Saison hend ihr ja nöd mitgspielt.» Deutlicher könnte man das eigene Team und die Klubführung kaum kritisieren. Es passt zu GC in diesem maroden Zustand – selbst im Moment des Triumphs ist die Stimmung der Anhänger schlecht.Das Interesse am Klub schwindetAbgesehen von den GC-Fans in der Kurve scheinen sich für den Fussballklub immer weniger Leute zu interessieren. In dieser Saison kamen durchschnittlich knapp 7000 Zuschauer zu den Heimspielen in den Letzigrund. Dass es über 18 000 wie am Donnerstagabend sind – dafür braucht es dann schon das ganz grosse Schicksalsspiel um die Zukunft des Klubs. Ein Ereignis, in dem es um alles oder nichts geht.Immerhin sahen die Anwesenden ein deutlich engagierteres GC als noch im Hinspiel vom Montag, in dem die Aarauer spielerisch überlegen waren. Nun wirkte GC präsenter und entschlossener. Torgefahr entstand immer dann, wenn Jonathan Asp Jensen und Samuel Krasniqi auf den Flügeln ihre Dribblings lancierten. Wie nach einer halben Stunde, als Lovro Zvonarek einen sehenswerten Angriff zum 1:0 abschloss.Doch nach dem Führungstreffer verfiel GC in Passivität, und so kassierte Zeidlers Team noch vor der Pause den Ausgleich: Der Aarau-Stürmer Elias Filet traf mittels Seitfallzieher (44.), Lee hatte den Ball zuvor ungenügend geklärt – einer von vielen GC-Aussetzern in dieser Saison. Wie später Lees rote Karte, der 13. GC-Platzverweis in dieser Saison, Rekord. Wer so dilettantisch agiert und so häufig in Unterzahl spielen muss, darf sich nicht wundern, wenn er kaum Spiele gewinnt.Nur haben es die Aarauer eben verpasst, ihre Chance zu nutzen. Für sie ist der neuerliche Nicht-Aufstieg besonders bitter. Sie, die zwischen 1981 und 2010 als die «Unabsteigbaren» galten, sind mittlerweile die «Unaufsteigbaren»: Allein seit 2019 verpasste der seit elf Jahren zweitklassige Klub drei Mal in der Barrage die Rückkehr in die Super League. Wobei der FC Aarau seine grösste Chance heuer bereits vor den zwei Relegationsspielen verpasst hat. Vor der letzten Ligapartie war Aarau Leader, brauchte nur noch einen Sieg gegen Yverdon. Doch das Team von Brunello Iacopetta gab am vergangenen Freitag eine 2:0-Führung preis – und so stieg der FC Vaduz auf.Den Grasshoppers dürfte das egal sein. Hauptsache, sie spielen weiterhin in der Super League. Der Niedergang des Klubs ist trotzdem weit fortgeschritten. Soll dieser gestoppt werden, muss der Sportchef Alain Sutter nun dringend eine konkurrenzfähigere Equipe zusammenstellen. Immerhin dürfte er in Peter Zeidler bereits den geeigneten Trainer gefunden haben, der Deutsche konnte das Team mit seiner Energie und Leidenschaft vor der Barrage gerade noch rechtzeitig aufwecken.Will GC aber längerfristig in der höchsten Liga bleiben, braucht es mehr als einen Coach, der die Equipe von der Seitenlinie aus belebt und einen Captain, der die Mitspieler in den entscheidenden Spielen mitreisst. GC muss auf vielen Positionen schleunigst besser werden. Sonst folgt der Abstieg spätestens in der nächsten Saison.Passend zum Artikel
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