Der Iran soll mehrere Attentate in Deutschland in Auftrag gegeben haben. Am Donnerstag teilte der Generalbundesanwalt mit, dass Anklage gegen den Dänen Ali S. und den Afghanen Tawaab M. erhoben worden sei. Beiden wird unter anderem Agententätigkeit vorgeworfen.Konkret soll es um Attentate auf den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck gegangen sein. Zuerst berichtete der Spiegel darüber.Ali S. soll für den Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarden tätig sein. Anfang 2025 hat er demnach den Auftrag erhalten, Informationen über Schuster und Beck einzuholen. Zudem soll er zwei jüdische Lebensmittelhändler in Berlin ausgespäht und Komplizen für künftige Anschläge gesucht haben. Beide Verdächtige in Dänemark festgenommen Spätestens im Mai hat er nach Angaben des Generalbundesanwalts Kontakt zu Tawab M. aufgenommen, der wiederum einen Dritten beauftragen sollte, einen Mordanschlag auf Beck zu begehen. Beide Tatverdächtige wurden in Dänemark festgenommen und nach Deutschland überstellt.Mordanschläge auf deutschem Boden bringen viele vor allem mit russischen Geheimdienstaktivitäten in Verbindung. Doch auch der Iran ist in Deutschland aktiv. In Sicherheitskreisen wird seit längerem vor verstärkten Aktivitäten Teherans gewarnt, insbesondere seit Beginn des Krieges mit Israel und den USA.Leider überraschen solche Pläne nicht.Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Deutschen BundestagHauptziel der iranischen Geheimdienstaktivitäten waren laut Verfassungsschutz bisher iranische Oppositionelle im Ausland. Daneben standen aber auch schon vor dem Irankrieg israelische und jüdische Einrichtungen sowie deren Unterstützer.Ende 2023 wurde etwa ein Deutsch-Iraner verurteilt. Er hatte einen Brandsatz auf eine Schule neben einer Synagoge in Bochum geworfen. Laut Gericht ging die Anschlagsplanung auf den iranischen Staat zurück. Eigentlich sei das Ziel die Synagoge gewesen. Spontane Netzwerke „Leider überraschen solche Pläne nicht“, sagte Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Deutschen Bundestag, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Wir wissen, dass der Iran seit Längerem in Deutschland aktiv ist und anwirbt“, so Henrichmann. „Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine konkrete, fassbare Organisation, sondern um unterschiedliche Strömungen, die häufig keine festen Strukturen haben.“Regional könnten sich allerdings sehr schnell Netzwerke bilden, die Anschläge planen, wie man es auch im aktuellen Fall gesehen habe. „Da müssen wir vor die Welle kommen“, forderte Henrichmann.Volker Beck forderte, den iranischen Botschafter auszuweisen. „Deutschland darf nicht tatenlos zusehen, wie ausländische Staaten sich hierzulande an die Ermordung von Juden und Israelfreunden machen“, sagte Beck dem Spiegel.Im aktuellen Fall soll laut Generalbundesanwalt die Quds-Spezialeinheit des Geheimdienstes der iranischen Revolutionsgarden Drahtzieher gewesen sein. Allerdings warnt der Verfassungsschutz auch vor neuen Gruppierungen wie Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (HAYI), die ebenfalls im Verdacht stünden, Anschläge mit Sprengstoff und Waffen begehen zu wollen. Auch im Zusammenhang mit einem Anschlag auf ein israelisches Lokal in München wird derzeit eine pro-iranische Terrorgruppe verdächtigt.Im Zusammenhang mit den mutmaßlich geplanten Anschlägen auf Schuster und Beck muss nun der Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg entscheiden, ob er die Anklage gegen die beiden Männer zulässt und wann es gegebenenfalls zum Prozess kommt.
Anschlagspläne gegen Schuster und Beck: „Wir wissen, dass der Iran seit Längerem in Deutschland aktiv ist und anwirbt“
Deutschlands Sicherheitsbehörden warnen vor wachsender Geheimdienstaktivität aus Teheran. Wer steht im Visier und wie nah rückt die Bedrohung?











