Dass das iranische Regime Anschläge in Europa und namentlich in Deutschland plant und vorantreibt, das beschäftigt die Sicherheitsbehörden schon seit längerer Zeit. Aber die Vorwürfe, die nun hinter den Anklagen der Bundesanwaltschaft gegen einen Dänen afghanischer Herkunft sowie einen afghanischen Helfer stehen, wirken bedrohlich konkret. Die beiden Männer sollen Josef Schuster und Volker Beck im Visier gehabt haben; der eine ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der andere Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Die Anklage lautet unter anderem auf geheimdienstliche Agententätigkeit sowie versuchte Beteiligung an einem Mord.Offenbar sollte ein Auftragskiller angeworben werdenBisher ist Folgendes bekannt: Der 54-jährige Ali S. soll für den Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarde gearbeitet und enge Kontakte zu deren Quds-Brigaden unterhalten haben. Die Quds-Brigaden sind eine Spezialeinheit, die auf Operationen außerhalb des iranischen Staatsgebiets spezialisiert ist. Diese richten sich in Deutschland laut der Bundesanwaltschaft gegen iranische Oppositionelle, aber eben auch gegen jüdische und israelische „Ziele“ – also Einrichtungen und Menschen. Ende 2023 hatte das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf einen Deutsch-Iraner verurteilt, der einen Molotowcocktail auf eine Schule in Bochum geworfen hatte. Der Brandsatz hatte eigentlich der dortigen Synagoge gegolten. Die Anschlagsplanung ging auf eine „staatliche iranische Stelle“ zurück, hatte das OLG festgestellt.Die Pläne des Ali S. standen den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zwar noch nicht vor ihrer Umsetzung – der Straftatbestand eines „Versuchs der Beteiligung“ am Mord bewegt sich weit im Vorfeld der Tat. Er soll, nachdem er zu Jahresbeginn 2025 den Auftrag erhalten habe, Informationen über Schuster und Beck eingeholt haben. Im Frühjahr habe er „diverse Orte“ ausgespäht. Konkreter wird die Bundesanwaltschaft nicht, aber der Spiegel hatte vergangenes Jahr berichtet, dazu hätten auch die Gebäude der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und des Zentralrats gehört.Ali S. soll zudem bereits den nächsten Schritt eingeleitet haben: Er habe den ebenfalls angeklagten Tawab M. beauftragt, eine Waffe zu beschaffen und einen Auftragskiller mit der Ermordung von Volker Beck zu beauftragen. Weiter sind die Pläne nicht gediehen, vor allem wussten offenbar auch die Planer nicht, wer den Mordauftrag letztlich ausführen sollte. Im Juni 2025 wurde in Dänemark Ali S., im November sein Helfer festgenommen. Beide wurden nach Deutschland überstellt. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft.Auch jüdische Lebensmittelhändler in Berlin wurden ausspioniertMord waren offenbar nicht das einzige Vorhaben, das Ali S. vorantrieb. Der Terrorauftrag aus Teheran umfasste nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft auch Brandanschläge auf jüdische Einrichtungen. Zu diesem Zweck sollte er zwei jüdische Lebensmittelhändler in Berlin ausspähen. Wie weit hier die Vorbereitungen gediehen waren, ist nicht bekannt.Die Anklagen fügen sich in ein Muster. Ermittler fürchten seit Jahren Anschläge im Auftrag Teherans auf jüdische und israelische Ziele in Deutschland. Volker Beck forderte, der Vorgang dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben: „Jüdisches Leben und der Einsatz für den jüdischen und demokratischen Staat werden vom Regime der Islamischen Republik Iran auf deutschem Boden mit Ermordung bedroht und angegriffen – immer wieder.“ Unter anderem fordert die Deutsch-Israelische Gesellschaft, dass Berlin den iranischen Botschafter ausweisen soll. Zudem sollten weitere iranische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt und aufgefordert werden, Deutschland zu verlassen.Der erste Hinweis auf den mutmaßlichen Spion kam von einem befreundeten Nachrichtendienst aus dem Ausland, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach der Festnahme im vergangenen Jahr mitgeteilt hatte. Eine mit dem Thema vertraute Quelle bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass daran der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad beteiligt war.