Wer verstehen will, wie grundlegend verschieden in Europa und Amerika über Migration gedacht und diskutiert wird, muss in den Süden Arizonas reisen. Nach Tucson. Denn während in Deutschland strengere Grenzkontrollen oft unmittelbar als Gegenentwurf zu einer offenen Einwanderungsgesellschaft verstanden werden, sehen die meisten Menschen entlang der Grenze zu Mexiko darin keinen Widerspruch. Restriktive Grenzkontrollen sind nicht nur eine Option. Hier sind sie die Voraussetzung für ein gut funktionierendes Einwanderungsland.

C.J. Karamargin steht exemplarisch für Hunderttausende Amerikaner, deren politische Haltung in Deutschland Irritation auslösen würde. Die Familie des früheren Journalisten und heutigen Beraters des republikanischen Kongressabgeordneten Juan Ciscomani stammt ursprünglich aus Griechenland. Sein Großvater, so berichtet es Karamargin dieser Zeitung, hatte irgendwann genug vom mittelwarmen Europa und fand in einer der heißesten Regionen Amerikas eine neue Heimat.

Dass Karamargin aus einer Einwandererfamilie stammt und sich trotzdem als politischer Berater für eine restriktive Grenzpolitik einsetzt, sorgt in Amerika nicht einmal für ein Schulterzucken. Es steht gar nicht zur Debatte.