Wenige Meter unter der Grasnarbe der amerikanisch-mexikanischen Grenzstadt Nogales verläuft die Grenze nicht als eiserne Mauer, sondern als gelbe Linie an einer Betondecke. Der staubige Betonschacht sieht wie ein überdimensionaler Tunnel aus. Die Luft ist abgestanden und stickig. Auf dem Boden liegen alte Plastikflaschen, Müll und Geröll. Nur in der Regenzeit, während des sogenannten Arizona-Monsun, verwandelt sich das innere des Tunnels in einen reißenden Fluss.

An der Decke prangt ein handbreiter leuchtend gelber Strich. Die auffällige Farbwahl lässt vermuten: Diese Linie ist nicht irgendeine Linie. Tatsächlich markiert sie die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Wer unter der Erde die Hand über diese Linie streckt, befindet sich in einem anderen Land.

Die Kriminalität floriert unter der Erde

Oben trennt ein bis zu neun Meter hoher Grenzzaun den amerikanischen Teil der zweigeteilten Stadt Nogales im Bundesstaat Arizona vom mexikanischen Teil, der im Bundesstaat Sonora liegt. Hunderte Kameras überwachen die Grenzanlagen und Beamte patrouillieren Tag und Nacht entlang der Stahlmauer.

Doch unter den Straßen der geteilten Grenzstadt existiert längst eine zweite Welt. Eine verborgene Welt aus Tunneln und Schächten, die seit Jahrzehnten von Schmugglern genutzt wird, um Drogen und Menschen über die Grenze zu bringen. Nogales gilt unter Ermittlern deshalb längst als „Hauptstadt der Tunnel“. Seit 1990 wurden allein in diesem Grenzsektor mehr als 125 illegale Tunnel entdeckt.