Reiner Braun, ein Veteran der Friedensbewegung, erinnerte kürzlich im Gespräch mit der Berliner Zeitung an eine fast vergessene Nato-Doktrin aus den Tagen des Kalten Kriegs – die Harmel-Doktrin. 1967 verabschiedet, bestand sie im Kern aus der Gleichzeitigkeit von Aufrüstung und dem Gespräch über den Eisernen Vorhang hinweg.
Im Rückblick erstaunt, was damals möglich war. Schließlich war die Sowjetunion fünf Jahre nach der Kubakrise eine reale Bedrohung für die sogenannte Freie Welt, entschieden realer als das heutige Russland. Der Zusammenbruch des sozialistischen Lagers 20 Jahre später war nicht in Ansätzen absehbar; sogar ein Sieg des Kommunismus galt noch als Option.
Auch das Feindbild Russland war in der Breite der westlichen Gesellschaften lebendig – während man gegenwärtig den Eindruck gewinnt, es diene vor allem dazu, die innerlich tief gespaltenen Europäer unter ein einigendes Band zu zwingen.
Jedenfalls ist bemerkenswert, dass den europäischen Politikern von heute, wenn es um Russland geht, außer Dialogverweigerung und dem Bekenntnis zum ukrainischen Sieg nichts einfällt. Liegt es am Personal? Vielleicht hat es damit zu tun, dass es dieses „Europa“, auf das stets und ständig Bezug genommen wird, in Wirklichkeit gar nicht gibt.








