Die Auszeichnung Grüner Stern des Restaurantführers Guide Michelin sollte den «normalen» Stern ergänzen und Nachhaltigkeit fördern. Doch nun wurde die Sache handstreichartig abgeschafft. Eine konsequente Marketing-Entscheidung, denn die Grünen Sterne sind dem Restaurantführer über den Kopf gewachsen.Es war eine eindrucksvolle Versammlung guter Gastroadressen: In Zürich wurden Ende des vergangenen Jahres «Kle», «Rechberg 1837» oder «Elmira» mit dem Grünen Stern des weltweit wichtigsten Restaurantführers ausgezeichnet, in Rorschacherberg das «Schloss Wartegg» und in Fürstenau gleich alle drei Lokale des Caminada-Imperiums: «Schloss Schauenstein», «Oz» sowie «Casa Caminada». «40 Grüne Sterne in der Schweiz», titelte der Guide Michelin im Oktober des vergangenen Jahres, in Deutschland gab es gar die doppelte Zahl, auch anderswo sorgte der Grüne Stern für Aufmerksamkeit.Doch die Sache mit der Nachhaltigkeit ist nun Vergangenheit. Wie die «rote Bibel» am 18. Mai mitteilte, wird es die Zusatzauszeichnung in Zukunft nicht mehr geben. Sie soll bereits ab dem 1. Juni durch die Präsentation sogenannter «Mindful Voices» ersetzt werden; eine Möglichkeit, um verdiente Persönlichkeiten der Gastroszene zu würdigen. Wer das etwas beliebig findet, liegt richtig. Doch das Problem liegt tiefer.Der Grüne Stern wird Opfer seines ErfolgesLetztlich kam die Entscheidung des Guide Michelin nicht überraschend. Schon im Herbst des vergangenen Jahres hatten Medien über eine Abschaffung des Grünen Sterns spekuliert, was die Michelin-Führung umgehend dementierte. Dass sie nun zur Tat schreitet, zeigt nicht etwa die Bedeutungslosigkeit der Auszeichnung, sondern deren Erfolg.Obwohl der Grüne Stern nämlich nie als Bewertung der Küchenleistung gedacht war, wurde er nach meiner Beobachtung von vielen Verbrauchern genau so wahrgenommen: als nachhaltige Variante des echten Sterns. So mancher Gastronom, mit dem ich sprach, freute sich über einen Grünen Stern fast ebenso wie über den Roten. Vor allem die Kombination aus den beiden Sternen oder jene aus «Bib Gourmand» und Nachhaltigkeitsstern soll bei Wirten wie Verbrauchern gut angekommen sein.Zu gut, scheint mir. Die Konkurrenz zur Hauptauszeichnung will der Michelin wohl nicht länger dulden. Das Sterne-Geschäft steht beim Michelin im MittelpunktLetztlich geht es beim Michelin nämlich um die Auszeichnungen für Restaurants (Rote Sterne), Hotels (Keys) und – neu im Sortiment – Weingüter. Nachhaltigkeit steht da nicht im Vordergrund und konterkariert letztlich die weltweiten Geschäfte des Führers. Ein Grüner Stern für regionale Küche ist das eine, eine aufwendig inszenierte Verleihungsparty in Dubai das andere. Kann es nachhaltig sein, zur Michelin-Gala Journalisten aus aller Welt einzufliegen? Kaum.Dass die Kriterien für den Grünen Stern von Anfang an unklar waren und von Gastronomen wie dem Berliner Billy Wagner («Nobelhart & Schmutzig») wegen Greenwashing kritisiert wurden, könnte zur Entscheidung des Michelin-Führers beigetragen haben. Anders als die Küchenleistung lässt sich Nachhaltigkeit nämlich nicht ernsthaft beurteilen, ohne hinter die Kulissen zu schauen. Zumindest in der Fachwelt haftete dem Grünen Stern deshalb von Anfang an eine Menge Beliebigkeit an. Diese mittels klarer Audit-Kriterien zu beseitigen und den Grünen Stern weiter aufzuwerten, scheint dem Michelin nun zu mühsam und zu wenig lukrativ gewesen zu sein. Dann lieber ein Kahlschlag. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Der Guide Michelin trägt den Grünen Stern zu Grabe und ersetzt ihn durch Beliebigkeit
Der Guide Michelin hat den Grünen Stern abgeschafft. Eine konsequente Marketing-Entscheidung, denn die Grünen Sterne sind dem Führer über den Kopf gewachsen.










