Das große ESC-Familienfest ist auch 2026 vom Nahostkonflikt getrübt. In Wien feiern Israelfans neben Propalästina-Demos. Und am Ende gewinnt Bulgarien.
E s fühlt sich an wie eine Werbepause. Fans vor dem Ratshausvorplatz holen an diesem windigen Sonntagabend ihre Handys raus, gehen zum Bierstand, unterhalten sich. Dabei ist das Halbfinale des Eurovision Song Contests in Wien, das hier auf einer Leinwand gestreamt wird, noch in vollem Gange.
„Stop the Genocide“, ruft ein großer bärtiger Mann mit gelb-blauem Herz auf der Wange, durch das Gemurmel. Seine Begleitung versucht ihn zu beruhigen, spricht auf ihn ein. Während die beiden diskutieren, singt auf der Leinwand der israelischen Künstler Noam Bettan dreisprachig über die Liebe zu einer Frau, französisch, englisch, hebräisch. Aus der Halle hört man Applaus, aber auch Buh-Rufe.
Der österreichische Rundfunk ORF, der den European Song Contest (ESC) in diesem Jahr ausrichtet, entschied sich dafür, das komplette Live-Audio aus der Halle zu senden – und damit, anders als im vorigen Jahr, auch Störungen aus dem Publikum.
Bettams Aufritt ist nach drei Minuten vorbei, doch Martus Martei, der Bärtige, ist immer noch aufgebracht, rückt seine grüne Kappe zurecht und nimmt einen Schluck Bier. Er ist für eine Woche aus Schweden angereist. „Ich war mir lange unsicher, ob ich überhaupt fahren soll. Der ESC ist die beste Zeit für mich im Jahr. Und trotzdem ist mein Herz in zwei geteilt“, sagt er.












