Hoffnungsträgerin: Die deutsche Teilnehmerin Sarah Engels (Mitte) bei ihrem ersten Auftritt in Wien vor wenigen Tagen während der Halbfinals

Musikalische Zumutungen, bizarre Auftritte, öde Moderationen – schon die Halbfinals vor wenigen Tagen haben gezeigt: Auch der „Eurovision Song Contest“ in Wien hat alles, wofür Millionen Menschen diesen traditionsreichen Gesangswettbewerb lieben.Zur bereits 70. Auflage des Events kommt noch eine Portion Protest und Politik hinzu: In diesem Jahr fehlen mit Spanien, Irland, Island, Slowenien und den Niederlanden fünf Länder, weil sie gegen die Teilnahme Israels sind. Die fünf lehnen nicht nur das Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen nach dem Hamas-Angriff 2023 ab. Es geht zudem auch um eine angebliche Manipulation durch Israel bei der Stimmenvergabe vor einem Jahr in der Schweiz.

Der Streit tut dem Spektakel aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Aus künstlerischer Sicht macht sich ohnehin höchstens das Fehlen Irlands bemerkbar, schließlich hat das Land schon sieben Mal den ESC gewonnen.

Wirtschaftlich dagegen hat vor allem die Absage Spaniens Gewicht. Das Land gehörte bislang zusammen mit Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien zu den „Big 5“ des ESC. Diese Länder genießen eine Sonderstellung: Sie zahlen die höchste Teilnahmegebühr (geschätzt zwischen 350.000 und 640.000 Euro), dafür werden ihre Musikerinnen und Musiker aber auch bevorzugt behandelt – sie müssen sich nicht durch die Mühen der musikalisch oft abgründigen Halbfinals quälen.