PfadnavigationHomePanorama„Hart aber fair”„Ist das Musik oder Klamauk?“ – Aiwanger und Strack-Zimmermann liefern sich hitzige ESC-DebatteVon Tonci PetricStand: 12.05.2026Lesedauer: 4 MinutenDer Eurovision Song Contest in Wien wird von Boykotten mehrerer Länder wegen Israels Teilnahme überschattet. Fünf Staaten verzichten aus Protest auf Kandidaten und Übertragung.Wie politisch darf der ESC sein? Bei „Hart aber fair“ prallten die Ansichten von Hubert Aiwanger und Marie-Agnes Strack-Zimmermann heftig aufeinander. Im Zentrum der Diskussion standen Toleranz, Vielfalt und der Boykott Israels.Der Eurovision Song Contest zählt zu den größten Musik- und Fernsehereignissen der Welt – eine riesige Bühne für Vielfalt und Toleranz. In diesem Jahr wird er zum 70. Mal ausgetragen, diesmal in Wien. Selten jedoch wurde der ESC so stark politisch diskutiert wie aktuell. Mehrere Länder boykottieren den Wettbewerb wegen der Teilnahme Israels. Unter dem Titel „Mehr als Musik – wie politisch ist der ESC?“ begrüßte Louis Klamroth in „Hart aber fair“ die Schauspielerin und Sängerin Katja Ebstein, Bayerns stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger, den „SZ“-Journalisten Ronen Steinke, die Journalistin und Autorin Maria Popov, die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sowie die ARD-Podcaster Caro Worbs und Miguel Robitzky.Marie-Agnes Strack-Zimmermann erinnerte sich an den ESC 2011 in Düsseldorf, als sie dort Erste Bürgermeisterin war: „Es war ein glücklicher Moment. Es war auch eine glückliche Zeit. 2011 war ein Jahr, das deutlich politisch unbelasteter war als das, was wir heute erleben. (…) Für uns im Rheinland war das toll.“Auch Katja Ebstein sprach über ihre Erfahrungen. Die Sängerin erreichte für Deutschland gleich dreimal einen Platz unter den ersten Drei beim Grand Prix. Auf die Frage, was ihr der ESC heute bedeute, antwortete sie: „Ein Erhalt der Demokratie. Solange alle singen und zusammenkommen, haben wir noch nicht so schlechte Karten.“„Ist das noch Musik oder nur noch Klamauk?“Hubert Aiwanger bekannte offen, kein großer ESC-Fan zu sein. Aus seiner Sicht sei das Musikalische zunehmend in den Hintergrund geraten, während der „Klamauk“ immer stärker dominiere. Viele „Normalbürger“ könnten damit nichts mehr anfangen, sagte er und forderte eine Rückbesinnung auf „die Wurzeln“.Dem widersprach Journalist Ronen Steinke deutlich: „Was normal und nicht normal ist, das ist eine Kategorie, die in Ihrem Kopf existiert. Menschen werden unterschiedlich geboren. Der eine so, der andere so.“Lesen Sie auchDie Diskussion wurde zunehmend hitziger. Aiwanger fragte provokant: „Was soll dieser Wettbewerb darstellen? Wenn er nur Komödie sein soll, dann könnten dort auch Dick und Doof auftreten.“ Steinke konterte: „Die bayerische Blasmusik ist auch nicht immer nur ernst.“Als ein Videoausschnitt von Conchita Wurst aus dem Jahr 2014 gezeigt wurde, wollte Moderator Louis Klamroth von Aiwanger wissen, was ihn an ihr störe. Aiwanger entgegnete: „Worauf wollen wir hinaus? Ist das ein Musikwettbewerb oder ein Haltungswettbewerb?“Marie-Agnes Strack-Zimmermann verteidigte daraufhin kulturelle Offenheit und verwies auf die Karnevalstradition im Rheinland. „Diese Diskussion, die wir gerade mit Ihnen führen, ist natürlich absurd“, sagte sie. Der ESC sei ein weltweit populäres Ereignis. „Wenn 160 Millionen Menschen zuschauen, dann, weil es sie fasziniert und weil Singen unglaublich völkerverbindend ist.“ Aiwanger hielt dagegen: „Reden Sie mit vielen Leuten draußen darüber, was sie zu solchen Auftritten von Conchita Wurst sagen. Viele sagen eben nicht: ‚Super‘, sondern: ‚Oh je, ich schalte lieber aus.‘“Strack-Zimmermann betonte hingegen, gerade die unterschiedlichen Reaktionen seien Ausdruck von Toleranz. Zudem sei der ESC längst ein internationales Phänomen: „Nicht umsonst wollten die Australier unbedingt mitmachen, weil sie das fasziniert.“Auch bei der Frage, ob der ESC Europa näher zusammenbringe, gerieten beide erneut aneinander. Aiwanger warnte davor, die Bedeutung des Wettbewerbs zu überschätzen: „Wir würden das überbewerten, wenn man dem ESC zubilligen würde, die Demokratie Europas retten zu müssen.“ Strack-Zimmermann reagierte scharf: „Herr Aiwanger, Sie sind doch weiß Gott nicht der Maßstab für Vernunft und dafür, was richtig oder falsch ist.“Die Diskussion drohte zwischenzeitlich zu eskalieren. Aiwanger warf seiner Kontrahentin Intoleranz vor: „Sie akzeptieren meine Meinung nicht. Ich akzeptiere Ihre.“ Darauf entgegnete Strack-Zimmermann erneut: „Herr Aiwanger, jetzt mal ganz tief durchatmen!“Moderator Louis Klamroth musste schließlich eingreifen, um die Situation zu beruhigen.Streit um Israel-TeilnahmeIm weiteren Verlauf der Sendung ging es um den Boykott mehrerer Länder aus Protest gegen die Teilnahme Israels am ESC. Strack-Zimmermann betonte, der Wettbewerb sei nie völlig unpolitisch gewesen, da die Künstler stets auch ihre Länder repräsentierten. Besonders kritisch äußerte sie sich über das Ausbuhen israelischer Teilnehmer. Politische Spannungen und gesellschaftliche Radikalisierung würden inzwischen sogar Kultur- und Sportveranstaltungen belasten: „Die Situation ist mittlerweile so aufgeladen, dass bei Musik- oder Sportevents Sicherheitsmaßnahmen herrschen, die eigentlich zutiefst traurig sind.“Lesen Sie auchAuch Aiwanger sprach sich klar gegen einen Boykott israelischer Künstler aus. Kunst solle möglichst frei von politischer Einflussnahme bleiben, sagte er, warf den anderen Gästen jedoch Widersprüchlichkeit vor.Zum Ende der Sendung wurde schließlich noch über den deutschen ESC-Beitrag von Sarah Engels gesprochen. Hier zeigte sich die Runde überraschend einig. Marie-Agnes Strack-Zimmermann lobte den Song als „Musik, zu der man super tanzen kann“, auch wenn die internationale Konkurrenz „gewaltig“ sei.Sogar Hubert Aiwanger fand versöhnliche Worte: Der Beitrag sei „kein Klamauk“, sagte er, „damit kann ich ganz gut leben.“