Die Frage, wie die Vereinigten Staaten mit dem Konflikt um Taiwan umgehen, war schon immer eine Kernfrage der asiatischen Sicherheit. Amerikas Glaubwürdigkeit als pazifische Macht hängt zu wesentlichen Teilen davon ab, wie es sich zum Anspruch Chinas auf die Insel verhält, und zwar nicht erst an dem Tag, an dem ein Konflikt ausbricht.Seit Jahrzehnten beruht die amerikanische Außenpolitik hier auf dem Grundsatz der „strategischen Ambiguität“. Die Regierungen in Washington ließen es in der Regel offen, ob sie Taiwan verteidigen würden. Das sollte abschreckend auf beide Seiten wirken. China sollte vom Angriff abgehalten werden und Taiwan vom Schritt in die Unabhängigkeit.Biden wollte Taiwan verteidigenVöllig gebrochen hat Trump mit diesem Ansatz nicht, als er sich jetzt nach seiner (weitgehend ergebnislosen) Chinareise über Taiwan äußerte. Aber er hat zwei Dinge gesagt, die man so noch von keinem US-Präsidenten gehört hat: zum einen, dass ein vom Kongress bereits genehmigtes Waffenpaket für Taiwan über 14 Milliarden Dollar Verhandlungsmasse in den Beziehungen mit Peking sei, und zum anderen, dass Taiwan doch sehr klein und sehr weit weg von den Vereinigten Staaten sei.Chinas Präsident Xi Jinping, der Trump in Peking gerade noch vor Spannungen wegen der Taiwanfrage gewarnt hatte, bekommt damit womöglich direkten Einfluss auf die weitere Aufrüstung Taiwans. Und er sieht, dass Trump Zweifel am Schutz der Insel hat. Biden hatte noch klipp und klar gesagt, dass er Taiwan gegen China verteidigen werde.Das kennt man aus Europa. Trump denkt nicht in den Kategorien von Machtbalance und Abschreckung, wenn es um die Beziehungen zu Russland und China geht, sondern er folgt seinen transaktionalen und isolationistischen Instinkten. Im Fall Taiwans bremst er damit auch die Strategen in seiner Regierung aus, zu denen Außenminister Rubio gehört. Die wollen China eigentlich eindämmen. Mehr noch als in Europa setzen viele Regierungen in Asien weiter auf Amerika. Unter Trump bleibt das eine gewagte Wette.
Taiwan: Auch in Asien ist kein Verlass auf Trump
Mit Xi Jinping hält es Trump nicht anders als mit Putin: Die Sicherheit von amerikanischen Partnern ist Verhandlungsmasse.











