Der Ehrenpräsident des Eishockey-Weltverbands ist begnadigt worden: Doch noch eine offizielle Akkreditierung für René Fasel an der Eishockey-WMDer Freiburger René Fasel stand dem Eishockey-Weltverband von 1994 bis 2021 als Präsident vor. Dann wurde er zur Persona non grata. Nun ist er von der IIHF rechtzeitig zur Heim-WM begnadigt worden.15.05.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenSpitzname «Hockey-Napoleon»: der Funktionär René Fasel, hier 2020 am Rande des Spengler-Cups in Davos fotografiert.Simon Tanner / NZZKnapp zehn Tage bevor am Freitag in Freiburg und Zürich im Rahmen der Eishockey-WM die ersten Pucks eingeworfen werden, wandte René Fasel sich an seine ehemaligen Kollegen. Welcome to Switzerland! Und ob man ihn nicht vielleicht wieder in der Hockey-Familie aufnehmen könne, schliesslich sei er doch von der Ethikkommission der International Ice Hockey Federation (IIHF) freigesprochen worden. Ausserdem liege das alles so lange zurück; es sei jetzt Zeit für die Versöhnung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Fasel, 76, war lange die mächtigste Figur im Weltverband, er stand der IIHF 27 Jahre lang vor. Aber bei seinem Abgang 2021 musste er die grosse Bühne durch die kleine Türe verlassen: Wegen seiner Nähe zu Russland wurde eine Untersuchung eröffnet. Den Ausschluss Russlands von der Eishockey-WM 2022 hatte er als «traurigen Moment» bezeichnet. Fasel, der einstige Freiburger Zahnarzt, ist seit einigen Jahren russischer Staatsbürger. Er ist mit Wladimir Putin befreundet und Mitglied der KHL-Disziplinarkommission.René Fasel schenkt Wladimir Putin 2011 ein Trikot mit der Aufschrift «Putin 16», als der IIHF die Weltmeisterschaft 2016 an Russland vergibt.AP RIA Novosti POOLFasels Freude über den Meistertitel GottéronsDie Kungelei mit Russland hat Fasel einiges gekostet: Ansehen im Westen und Freundschaften. Bei der IIHF ist er zwar Ehrenpräsident, war an den Weltmeisterschaften aber trotz dem Freispruch der Ethikkommission nicht mehr erwünscht. 2025 sagte Fasel: «Das schmerzt mich, es ist traurig. Von einem auf den anderen Tag existierst du für gewisse Leute plötzlich nicht mehr. Die IIHF hat meine Ausladung ja jeweils damit begründet, dass es um meine persönliche Sicherheit gehe. Eine, sagen wir, eigenwillige Erklärung.»Die nun nicht mehr greift. In der Schweiz muss sich gewiss niemand um Fasels Wohlergehen in den Stadien kümmern – er besucht sie ja in der Meisterschaft ohnehin ständig. Bei seiner grossen Liebe Gottéron hat Fasel sich mit sechs Plätzen in einer Loge eingemietet. Er träume davon, zwei Dinge noch erleben zu dürfen, sagte er vor Jahresfrist: den ersten Meistertitel Gottérons und die WM-Gold-Premiere der Schweiz. Ersteres ist bereits Tatsache geworden. «C’était extraordinaire, wahnsinnig schön», sagt Fasel, der oft im gleichen Satz zwischen Deutsch und Französisch variiert.Sonst will er lieber nichts mehr sagen. «Ich bin jetzt 76. Und damit in einem Alter, in dem man nicht mehr in den Medien erscheinen muss. Ich habe meine Profilierungsneurose überwunden.» Zu seiner Begnadigung nur so viel: «Ich habe für mich und meine Familie sowieso WM-Tickets gekauft und wäre sowieso dabei gewesen. Aber mit der offiziellen Akkreditierung kann ich mich einfacher bewegen und alte Weggefährten treffen. Gerade habe ich mich mit Leuten aus dem Organisationsteam der WM 1990 verabredet.»1990 war die Schweiz WM-Gastgeber – und spielte selbst nicht1990 fand die A-WM in Bern und Freiburg statt – ohne Beteiligung der Schweiz, nachdem diese den Aufstieg mit Niederlagen gegen Frankreich und Italien vergeigt hatte. Es wurden auch ohne den Gastgeber Eishockey-Festspiele der Superlative. Verblüffenderweise ohne K.-o.-Spiele, sondern mit einer «Meisterrunde». Die Sowjetunion gewann in dieser all ihre drei Partien und wurde mit einem Torverhältnis von 15:1 Weltmeister. Ein halbes Jahr später begann bei Gottéron die Ära des kongenialen Sturmduos Bykow/Chomutow, die russischen Weltklassestürmer hatten sich nach der WM für die Offerte aus Freiburg und gegen NHL-Angebote entschieden. Als Ablösesumme an den Armeeklub ZSKA Moskau wurde ein neuer Mannschaftsbus für die Russen fällig, den Gottéron finanzierte.Auch Fasel hatte am Transfer mitgewirkt, er liess seine damals schon exzellenten Beziehungen nach Russland spielen. Es sind solche Geschichten, die Fasel und seine Copains in den nächsten zwei Wochen in den Hinterzimmern der Stadien aufwärmen können.Dass die IIHF ihre Anti-Fasel-Linie nun aufgegeben hat, liegt nicht zuletzt daran, dass Fasels Nachfolger, der Franzose Luc Tardif, nicht zur Wiederwahl antritt und sich entsprechend in aufgeräumt-versöhnlicher Stimmung befindet. Der nächste IIHF-Präsident wird im Herbst gewählt.Passend zum Artikel