Aufruhr hinter den Kulissen: Der Prozess um die Nomination von Peter Zahner für das Council des Eishockey-Weltverbands wirft Fragen aufBis Sonntag um Mitternacht muss Swiss Ice Hockey seinen Kandidaten für das Council des Weltverbands IIHF nominieren. An einer eilig einberufenen Verwaltungsratssitzung besteht ein VR-Mitglied darauf, dass Verstösse gegen die Governance-Vorschriften protokolliert werden.28.05.2026, 14.34 Uhr5 LeseminutenDer CEO der ZSC Lions und Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey: Peter Zahner, hier an einer Medienkonferenz der ZSC Lions im Jahr 2022.Ennio Leanza / KeystoneDie Antworten auf den Fragenkatalog an Swiss Ice Hockey kommen nicht von der Medienstelle, sondern vom CEO Martin Baumann direkt. Was zeigen dürfte, wie heikel die Angelegenheit ist. Es geht um die Schweizer Vertretung im IIHF-Council, dem Exekutivgremium des Eishockey-Weltverbands.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Schweiz wird von Raeto Raffainer vertreten, dem ehemaligen Direktor der Nationalmannschaften. Raffainer, 44, tummelt sich seit vielen Jahren in den Zirkeln des internationalen Eishockeys. Die derzeitige WM in der Schweiz ist sein 59. IIHF-Event seit 2015; er verfügt über ein breites Beziehungsnetz – auch zu Vertretern von Nationen, die sportlich keine Rolle spielen. Politisch aber sehr wohl. Aiwas Omorkanow, der Vertreter von Kirgistan, bringt sich derzeit in Position, um im Herbst die Nachfolge des zurücktretenden IIHF-Präsidenten Luc Tardif anzutreten.Mittelfristig hätte sogar das Präsidium eine Rolle für Raffainer sein können, im Metier bekräftigen zahlreiche Exponenten seine Perspektiven. Doch daraus dürfte nach einem verlorenen Machtkampf nichts werden: Am Sonntag um Mitternacht endet die Nominationsfrist für die Council-Wahl vom Herbst. Der Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey hat schon im März 2025 entschieden, Peter Zahner, den CEO der ZSC Lions, ins Rennen zu schicken, 14 Monate vor dem Stichdatum. Es gibt im Schweizer Eishockey kaum eine machtbewusstere Figur als Zahner, 65.«Es gab keine Einflussnahme», schreibt Swiss Ice HockeyEine wachsende Anzahl von Funktionären empfindet Zahners versuchte Einflussnahmen auf zahlreichen Ebenen zunehmend als stossend. Schon mit dem letzten Schweizer Verbandspräsidenten Stefan Schärer hatte Zahner sich überworfen; Schärer wurde im Dezember 2024 zum Rücktritt gedrängt. Über Zahner beschwerte er sich einst mit einem persönlichen Brief bei der ZSC-Besitzerfamilie Frey. Mit dem neuen Präsidenten Urs Kessler ist das Verhältnis abermals frostig, wieder geht es um Einflussnahmen und Kompetenzgerangel.Zahner hat über die Jahre viele Karrieren angeschoben, auch die von Raffainer, der einst nicht zuletzt auf sein Betreiben über Nacht vom NLB-Stürmer bei den GCK Lions zum Nationalmannschaftsdirektor aufstieg. Das Tischtuch zwischen den beiden ist zerschnitten, seit Zahner ihn im Herbst 2024 dazu aufforderte, ihm das IIHF-Mandat zu übergeben.Nicht immer funktionieren die Powerplays von Zahner: Kürzlich soll er versucht haben, Thierry Paterlini als Nachfolger von Patrick Fischer als Nationaltrainer einzusetzen und Paolo Duca zum Direktor National Teams zu machen. Den gegenwärtigen Amtsinhaber Lars Weibel, so erzählen es Insider, hätte er offenbar gerne unmittelbar nach den Olympischen Spielen beurlaubt gesehen. Alle Vorhaben scheiterten – der Widerstand der übrigen Klubs ist in den vergangenen Monaten grösser geworden.Zahner sitzt selbst im Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey. Jenem Gremium, welches ihn nun als Council-Kandidaten aufgestellt hat. Automatisch stellt sich die Frage, wie es da um die Governance bestellt ist. «Bei der Selektion wurden die Governance-Regeln jederzeit eingehalten. Der Prozess wurde vom Verwaltungsrat klar definiert, entsprechend musste Peter Zahner beim betreffenden Traktandum jeweils in den Ausstand treten. Im Zusammenhang mit den Hearings und der anschliessenden Abstimmung hat er keinen Einfluss genommen», schreibt der CEO Baumann.Andere Protagonisten erzählen eine abweichende Version. Sie beginnt damit, dass Raffainer vor der Sitzung eine falsche Traktandenliste erhalten und entsprechend gar nicht gewusst habe, dass der Entscheid an besagtem Zusammentreffen getroffen werden solle. Zahner soll die VR-Mitglieder am Tag der Abstimmung alle telefonisch kontaktiert haben. Belegen lässt sich das nicht.Der «klar definierte Prozess» ist aber inzwischen offenbar auch im Verwaltungsrat nicht mehr allen ganz geheuer. Zu Wochenbeginn tagte der VR kurzfristig virtuell, um die Antworten an die NZZ gutzuheissen. Ein Mitglied des siebenköpfigen Gremiums soll sich widersetzt und darauf bestanden haben, die seiner Ansicht nach sehr wohl vorgefallenen Verletzungen der Governance-Regeln zu protokollieren. Es sind erstaunliche Vorgänge für einen seriösen Schweizer Sportverband.Zwei Quellen berichten zudem unabhängig voneinander, es habe eine Absprache zwischen Zahner und dem aus dem Amateursport stammenden Verwaltungsrat Marc-Anthony Anner gegeben: die Council-Nomination für Zahner und im Gegenzug der Vorsitz über die Heim-WM für Anner. Baumann dementiert: «Diese Unterstellung weisen wir entschieden zurück.»Interessant ist, dass die Abstimmung ohne Not und quasi über Nacht auf jenen Zeitraum gelegt wurde, in dem Anner, ein Schuldirektor aus dem Unterwallis, dem Verband ad interim vorstand. Wurde das bewusst getan, um dem Amtsantritt des neuen, integren Präsidenten Urs Kessler vorzugreifen? Baumann schreibt dazu: «Es war wichtig, dass der Kandidat von Swiss Ice Hockey frühzeitig feststand.»Ob mit oder ohne «Päckli», fragt es sich, wieso ein Verband einem 44-Jährigen mit Zukunftsaussichten jemanden im Pensionsalter vor die Nase setzt. Zumal die Schweizer Sportverbände von Swiss Olympic eigentlich dazu angehalten werden, jüngere Funktionäre zu fördern. Gerade solche mit Karrierechancen – es geht der Dachorganisation darum, dass die Schweiz in der internationalen Sportpolitik wieder an Einfluss gewinnt. Baumann schreibt: «Um ins Council der IIHF gewählt zu werden, ist eine Verwaltungsrats- bzw. Vorstandsfunktion im nationalen Eishockey-Verband von entscheidender Bedeutung. Raffainer hat seit einigen Jahren keine Funktion mehr bei Swiss Ice Hockey. Der Verband hat entschieden, dass der Kandidat ein Verwaltungsratsmitglied der SIHF sein soll.»Heute dürfte das Stimmverhältnis anders aussehenWobei die Frage ist, wie lange das so bleibt: Zahner sitzt als Vertreter der National League im Verwaltungsrat. Er wird im Januar 66, man würde annehmen, dass er sich als ZSC-CEO eher früher als später in den Ruhestand verabschiedet. Spätestens dann wird die NL einen anderen Vertreter wählen, wobei ein Klubpräsident sagt, dass das «durchaus auch früher» geschehen könnte.Raffainer schreibt auf Anfrage: «Bei einer Council-Nomination geht es aus meiner Sicht nicht nur um eine Person, sondern immer auch um eine mittel- und langfristige Strategie für einen Verband. Swiss Ice Hockey hat sich für eine andere Vorgehensweise entschieden als von mir vorgeschlagen. Das enttäuscht mich persönlich, vor allem wegen der Art und Weise. Aber ich respektiere die Entscheidung.»Was das Council angeht, liegen die Dinge so: Sollte der Präsident Kessler einen Rückkommensantrag stellen und neu abstimmen lassen, dürfte das Verhältnis 3:3 ausfallen, der Stichentscheid läge dann bei Kessler. Die Frage ist, ob Kessler die Chuzpe dafür besitzt. Falls nicht, wird Swiss Ice Hockey im Herbst Zahner ins Rennen schicken. Mit ungewissen Wahlchancen, obwohl inzwischen der einstige IIHF-Präsident René Fasel für Zahner weibelt. Es ist unklar, ob das genügt: Im Klubeishockey aktiven Vertretern stehen die Repräsentanten der Landesverbände oft ablehnend gegenüber.Passend zum Artikel