Was folgt auf Gianni Infantino? Auch der Schweizer Fussballverband würde es gerne genauer wissenIm Konflikt zwischen dem Fifa-Boss und der Opposition um den Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin herrscht eine Pattsituation. Klar ist unterdessen, dass es um mehr geht als die Personalie Infantinos.15.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenSpielt die Zeit für ihn? Der Fifa-Präsident Gianni Infantino.Eeran Steinsiek / ImagoGianni Infantino muss weg – der Aufschrei aus weiten Teilen der Fussballfamilie war laut und dröhnend. Zwei Wochen sind vergangen, seit der Präsident des Weltfussballverbands (Fifa) seine klandestin ausgeheckten Pläne zurückgezogen hat. Er wollte die Verwertungsrechte der Fifa-Turniere in eine Gesellschaft mit privaten Teilhabern überführen. Unterdessen herrscht eine Art Stillstand: Infantinos breite Gegnerschaft beharrt auf einer Fifa ohne den Walliser an der Spitze.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Walliser an der Spitze beharrt vorderhand mit allen Mitteln auf seinem Spitzenamt. Was nun?Schweizer üben ZurückhaltungWäre die Fifa ein Unternehmen mit funktionierenden Governance-Regeln, wäre Infantino längst geschasst. Zu dreist war der Versuch, an allen Gremien und Instanzen vorbei einen Hinterzimmer-Deal als Druck- und Lockmittel auf Landesverbände für seine Wiederwahl im März zu benutzen. Aber die Fifa ist kein Unternehmen, sondern ein Verbund von 211 Landesverbänden, die unabhängig von Grösse und Gewicht nach wie vor mit einer Stimme mitreden bei der Präsidentenfrage. Einer dieser 211 Verbände ist der Schweizerische. Wie positioniert sich der Schweizer Fussballverband (SFV)?In der gegenwärtigen Pattsituation will der SFV die Vorgänge nicht neu kommentieren. Er verweist auf das Statement des Zentralpräsidenten Peter Knäbel vom 1. August, dass der SFV den raschen Entscheid der Fifa begrüsse, die Investorenpläne zurückzuziehen. Wie für viele nationale und kontinentale Verbände seien «sowohl der Inhalt des Vorschlags als auch die Art und Weise, wie er zustande gekommen ist, nicht akzeptabel», sagte Knäbel damals.Die Zurückhaltung Knäbels leuchtet ein vor dem Hintergrund, dass es um mehr geht als um das Ziel, Infantino vom Thron zu stossen. Mit Norwegen, Wales, Serbien oder Dänemark haben zwar ähnlich grosse Verbände wie die Schweiz explizit die Forderung nach Infantinos Absetzung gestellt. Doch schon die Frage, wie das passieren soll, ist damit nicht beantwortet. Ebenso wenig, wer Infantinos Nachfolger wird. Vor allem aber geht es um die Frage, was sich an den Strukturen in der Fifa ändern soll, damit künftig Zustände wie in der Infantino-Alleinherrschaft nicht mehr möglich sind.Aleksander Ceferin, der Präsident der europäischen Konföderation (Uefa), weiss als Anführer der Opposition um die diffizile Ausgangslage. Er braucht nicht nur einen mehrheitsfähigen Gegenkandidaten, sondern strukturelle Änderungsvorschläge und das Gespür für den richtigen Moment, um siegreich aus einem Showdown hervorzugehen. Das schlimmste Szenario für Infantinos Gegner lässt sich nicht ausschliessen: Infantino hält sich im Amt bis zur ordentlichen Delegiertenversammlung im März, gewinnt die Wahl und ist noch mächtiger als jetzt.Während die Boykottdrohung von Fifa-Turnieren, die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung der Vorgänge um den Investoren-Deal oder die Aufarbeitung des Balogun-Skandals im Raum stehen, kursieren für die nächsten Schritte im Hintergrund verschieden Planspiele. Sie sind allerdings noch weit davon entfernt, reif für die Diskussion in den Gremien der Uefa zu sein.Ceferin hat sich weit aus dem Fenster gelehntCeferin hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und muss sich davor hüten, einsam zu entscheiden, ohne die involvierten Parteien zu beteiligen. Er proklamiert «einstimmige Geschlossenheit» aller Uefa-Landesverbände inklusive der asiatischen sowie der nord- und mittelamerikanischen Konföderation.Sollte sich Infantino nicht mithilfe eines finanziell gut ausgepolsterten Notschirms verabschieden – beispielsweise in Richtung Saudiarabien –, müsste eine vorzeitige Delegiertenversammlung angestrengt werden. Dazu braucht es entweder eine Mehrheit im Fifa-Rat oder eine Mehrheit der Landesverbände.Als Gegenkandidat werden Namen wie Victor Montagliani, Präsident der Concacaf, oder der AFC-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa aus Bahrain genannt. Beide haben allerdings den einen oder anderen dunklen Fleck in der Funktionärsvita. Eine oft genannte Variante für das Präsidium ist der Turnus zwischen den jeweiligen Chefs der Kontinentalverbände.In welche Richtung es gehen soll, ist unklar. Klar ist derzeit nur: in eine Richtung ohne Infantino.Passend zum Artikel