Der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, ist mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet worden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hob in seiner Festrede im Krönungssaal des Aachener Rathauses Draghis entschlossenes Handeln während der Eurokrise hervor. Später habe er in seinem Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit Europas »mit seiner schonungslosen Analyse« den Weg zu Reformen gewiesen.
Die Europäische Union steckt nach Ansicht von Mario Draghi in einer Lähmung, die nur mit vertiefter Zusammenarbeit einzelner Mitglieder zu überwinden ist. »Vereinbarungen werden in Ausschüssen bearbeitet, die sie verwässern und verzögern, bis das Ergebnis kaum noch Ähnlichkeit mit dem hat, was beabsichtigt war«, sagte der diesjährige Karlspreisträger bei der Übergabezeremonie in Aachen. »Das Ergebnis sind Maßnahmen, die so weit hinter dem Ausmaß der Herausforderungen zurückbleiben, dass sie schlimmer sind als Untätigkeit«, sagte der 78-Jährige.
Draghi: Europas Haltung lädt USA zur Eskalation ein
Er kritisierte zudem einen Kompromisskurs der Europäischen Union gegenüber den USA. Dies offenbare einen Ausdruck von Schwäche in der Sicherheitspolitik, sagte Draghi. »Der Partner, auf den wir uns nach wie vor verlassen, ist konfrontativer und unberechenbarer geworden.« Eine Haltung, die auf Deeskalation abzielt, lade stattdessen zu weiterer Eskalation ein, sagte der Finanzexperte über die US-amerikanische Handelspolitik unter Präsident Donald Trump. »Vorerst braucht Europa die Fähigkeit, entschlossener zu reagieren, um die Partnerschaft wieder auf eine gleichberechtigtere Basis zu stellen. Was uns aber wirklich zurückhält, ist die Sicherheit.«













