Nach drei Todesfällen infolge von Infektionen mit dem Hantavirus sind drei weitere Personen von dem niederländischen Kreuzfahrtschiff MV Hondius in Sicherheit gebracht worden. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO waren die drei Patienten am Mittwochmittag auf dem Weg in die Niederlande. Wie die Reederei Oceanwide Expeditions am Dienstagabend mitteilte, waren sie zunächst mit zwei Spezialflugzeugen nach Kap Verde gebracht worden.Bei den Patienten handele es sich um zwei schwer erkrankte Besatzungsmitglieder, die dringend medizinische Versorgung benötigten, einen Briten und einen Niederländer. Außerdem sei eine dritte Person ausgeflogen worden, die mit dem am Samstag verstorbenen Deutschen in Verbindung stand. Die 65 Jahre alte Deutsche soll nach einem leichten Fieber inzwischen keine Krankheitssymptome mehr aufweisen. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung soll diese Reisende mit einem Hochinfektionstransport später vom Flughafen Amsterdam nach Düsseldorf gebracht werden.Das Kreuzfahrtschiff mit knapp 150 Menschen an Bord sollte am Mittwoch von der Küste vor der Inselhauptstadt Praia seine Weiterfahrt antreten, so die Reederei. „Wir planen zu den Kanarischen Inseln zu fahren, entweder nach Gran Canaria oder Teneriffa, was eine Fahrtzeit von drei Tagen bedeutet.“ Zudem bestätigte die Reederei Presseberichte, wonach zwei Fachärzte aus den Niederlanden auf das Kreuzfahrtschiff entsandt worden seien. Sie blieben an Bord und unterstützten eine weitere medizinische Fachkraft.Zunächst zögerte die spanische RegierungDie spanische Zentralregierung hatte sich nach anfänglichem Zögern am Dienstagabend bereit erklärt, das Schiff auf den Kanaren anlegen zu lassen. Darüber kam es jedoch zu einem heftigen Streit mit der kanarischen Regionalregierung, die sich übergangen fühlte und die Notwendigkeit einer Landung auf den Kanaren nach einer Evakuierung der schwer Erkrankten bezweifelte. Auf den spanischen Atlantikinseln, die wirtschaftlich vom Tourismus abhängig sind, ist man besorgt, dass die Ankunft des Schiffs Urlauber abschrecken könnte. Die oppositionelle konservative PP kritisierte die „Verwirrung“, die die linke Minderheitsregierung angerichtet habe. An Bord sind auch 14 spanische Staatsangehörige.Das Kreuzfahrtschiff Hondius liegt im Hafen von Praia auf den Kapverden vor Anker.dpaDer spanische Territorialminister Ángel Víctor Torres sagte am Mittwoch laut Presseberichten, dass die spanische Zentralregierung einer „verbindlichen“ Aufforderung der Weltgesundheitsorganisation WHO nachkomme. Zuvor sei die Regierung in Madrid dafür gewesen, das Schiff von Kap Verde direkt in die Niederlande fahren zu lassen. Der kanarische Regionalpräsident Fernando Clavijo hatte zunächst angekündigt, alles zu tun, um die Landung des Schiffs zu verhindern. Es spreche nichts dagegen, die Reisenden von Kap Verde direkt in die Niederlande auszufliegen. Am Mittwoch klagte Clavijo gegenüber dem Sender TVE über die „mangelnde Loyalität und Transparenz gegenüber der Regierung der Kanarischen Inseln“, die nicht offiziell informiert worden sei. Das sollte nach Angaben von Regierungsquellen nach einem Krisentreffen in Madrid geschehen, zu dem Ministerpräsident Pedro Sánchez am Mittag vier Minister gebeten hatte.Auf den Kanaren sollten die Passagiere und Besatzung unter strengen Sicherheitsvorkehrungen untersucht und bei Bedarf behandelt werden, bevor sie dann in ihre Heimatländer zurückkehren. Auf Teneriffa gibt es zwei spezialisierte Krankenhäuser. Zunächst hatte es geheißen, der schwer erkrankte Schiffsarzt solle in das Universitätskrankenhaus La Candelaria in Santa Cruz de Tenerife gebracht werden. Nachdem sich sein Gesundheitszustand etwas gebessert hatte, wurde auch er in die Niederlande geflogen. Die Klinik La Candelaria ist eines der beiden Referenzhäuser auf den Inseln und verfügt seit 2022 über eine Abteilung, die infektiöse Krankheiten wie Covid, Ebola und Pocken behandeln kann. Passagiere könnten bei Bedarf auch in der Universitätsklinik HUC in La Laguna versorgt werden, bevor sie in ihre Heimatländer zurückkehren.Nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García sind die Passagiere, die auf dem Schiff blieben, symptomfrei. Sie kündigte an, dass die „MV Hondius“ voraussichtlich am Samstagmittag im Hafen von Granadilla de Abona eintreffen werde, der etwa zehn Minuten vom südlichen Flughafen Teneriffas entfernt liegt und weniger frequentiert ist. Dort werde jeglicher Kontakt mit der lokalen Bevölkerung vermieden. Die 14 Spanier an Bord sollen auf den Kanaren untersucht, mit einem Militärflugzeug nach Madrid geflogen und im Armee-Krankenhaus Gómez Ulla in Madrid in Quarantäne kommen. Die Inkubationszeit für das Virus beträgt 45 Tage. Fachleute müssen erst noch festlegen, wann dieser Zeitraum beginnt. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, Spanien sei aus „ethischen und rechtlichen Gründen“ verpflichtet, angesichts eines Gesundheitsnotstands Hilfe zu leisten. Die Gesundheitsministerin betonte, sie sei von Anfang an immer in Kontakt mit den kanarischen Behörden gewesen, an künftigen Sitzungen werde der Regionalpräsident teilnehmen.WHO: Allgemeines Risiko für die öffentliche Gesundheit ist geringLaut WHO ist das allgemeine Risiko für die öffentliche Gesundheit weiterhin gering, auch wenn die WHO inzwischen das Andes-Hantavirus bestätigt hat. Er kann in seltenen Fällen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Allerdings ist nicht sicher, ob sich die Infizierten auf dem Schiff so angesteckt haben. Normalerweise werden Hantaviren durch Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen übertragen. Die Reederei bemühte sich nach eigenen Angaben darum, „den Gästen Klarheit und Sicherheit zu vermitteln und ihre Ausschiffung sowie die medizinischen Untersuchungen zu beschleunigen“. An Bord seien strenge Gesundheitsvorkehrungen getroffen worden, einschließlich Isolationsmaßnahmen, Hygieneprotokollen und einer ständigen medizinischen Überwachung der Passagiere und des Bordpersonals.Die WHO aktivierte zudem die internationale Kontaktverfolgung und arbeitet mit mehreren Ländern zusammen, um alle Personen ausfindig zu machen und zu überwachen, die während der Kreuzfahrt möglicherweise dem Hantavirus ausgesetzt waren.In der Schweiz wurde unterdessen ein Passagier ausfindig gemacht, der positiv getestet wurde; es ist der achte Fall. Der Mann, der das Schiff mit seiner Ehefrau und offenbar etwa 20 weiteren Personen Ende April verlassen hatte, wird im Universitätsspital Zürich behandelt, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Die Frau zeigte demnach bisher keine Symptome. Ein schwer erkrankter Brite wird noch auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt. In Johannesburg war eine Passagierin aus den Niederlanden gestorben. Bei ihr und dem Briten wurde nach südafrikanischen Angaben das Andes-Virus festgestellt. Der Partner der Niederländerin war am 11. April an Bord des Schiffs verstorben. Am vergangenen Samstag erlag dann ein deutscher Passagier dort seinen Symptomen.
Drei Hantavirus-Patienten auf dem Weg in die Niederlande
Von Kap Verde werden drei erkrankte Passagiere der MV Hondius in die Niederlande geflogen. Das Kreuzfahrtschiff macht sich nun auf den langen Weg in Richtung Kanarische Inseln.













