PfadnavigationHomeICONISTEssen & TrinkenArtikeltyp:Meinung„The Jane“ in AntwerpenWeniger Explosion, mehr Kontrolle – wie ein großer Koch zu neuer Form findetVeröffentlicht am 24.03.2026Lesedauer: 3 MinutenDreisternekoch Christian Bau Quelle: Marcus SimaitisDer belgische Starkoch und DJ Nick Bril hat sich verändert – und mit dem neuen „The Jane“ einen Ort geschaffen, der weniger Inszenierung, dafür mehr Balance und Persönlichkeit zeigt. Und die Musik spielt weiterhin eine wichtige Rolle.In der Spitzengastronomie gibt es diese Menschen, von denen man glauben könnte, sie bräuchten keinen Schlaf. Sie kochen, reisen, stoßen Projekte an, kooperieren, vernetzen sich, stehen im Restaurant, stehen im Rampenlicht – als hätte der Tag für sie ein paar Stunden mehr als für andere. Nick Bril war für mich immer einer dieser Menschen. Ich kenne ihn seit vielen Jahren. Schon früh war spürbar, dass da nicht einfach nur ein talentierter Koch am Werk ist, sondern eine Naturgewalt. Einer mit enormem Durchsetzungswillen, mit Energie, mit Tempo, mit jener seltenen Mischung aus Kreativität, Härte und Präsenz. In unserer Branche nennt man solche Leute halb bewundernd, halb kopfschüttelnd: Maschinen. Manchmal kommen Maschinen ins Stocken. Geraten aus dem Takt. Überhitzen.Als ich Nick vor ein paar Wochen wieder in Antwerpen traf, fiel mir sofort etwas auf: Er wirkte anders. Nicht schwächer, nicht weniger präsent – aber ruhiger. Gesammelter. Geordneter. Weniger Explosion, mehr Kontrolle. Da stand nicht mehr der Mann vor mir, der überall gleichzeitig sein wollte, sondern einer, der offenbar entschieden hat, seine Kraft neu zu konzentrieren: auf seine Familie, auf sein Restaurant.Lesen Sie auchDas neue „The Jane“, Ende letzten Jahres eröffnet, liegt im Hafenviertel von Antwerpen, in einem Umfeld aus Industriearchitektur, Design und Kreativwirtschaft. Schon der Auftakt ist klug inszeniert: Erst betritt man einen bewusst dunkel gehaltenen Raum für Aperitif und erste Snacks, ehe sich der eigentliche Gastraum öffnet. Auch dort wird unmittelbar deutlich, worum es geht: Die Küche steht im Zentrum. Offen einsehbar von allen Seiten, mit einem großen Grill als Mittelpunkt, daran Köche, die fokussiert und souverän arbeiten. Produktorientiert und präzise Man sitzt dicht am Geschehen und spürt sofort, dass hier ein Restaurant entstanden ist, das Nähe zulässt. Das kein Tempel der Hochgastronomie sein will. Weniger Kathedrale, weniger Mythos. Dafür mehr wirtschaftlicher Verstand. Ein Ort, an dem Kulinarik, Atmosphäre und Gäste eine echte Einheit bilden. Musik spielt eine Rolle, Licht spielt eine Rolle, Architektur ebenso. Das Publikum ist entsprechend gemischt: neben klassischen Gourmets auch Menschen aus der Musik- und Designszene, Unternehmer aus Antwerpen, internationales Publikum – kosmopolitisch, kreativ, offen.Und die Küche? Sie trägt klar die Handschrift ihres Chefs. Bril arbeitet stark produktorientiert, mit präziser Technik und einer bewusst reduzierten Präsentation: Koshihikari-Reis, Gänseleber und Amaebi (japanische Süßgarnele) mit einer schönen Balance aus Wärme, Umami und Frische. Dann eine Kombination von pochierter Irish-Mór-Auster, Toro-Tatar und Kaviar – mit jener eleganten Kraft, die man von Brill kennt. Auch eine gegrillte Langustine mit Chicorée und Feigenblattöl oder eine Jakobsmuschel aus Dieppe mit Schwarzwurzel, Madeira und Algenbutter: großartig!Lesen Sie auchNatürlich befindet sich ein Restaurant in dieser frühen Phase noch in Entwicklung. Gerade das macht einen Besuch im Moment so besonders interessant. Man erlebt hier kein fertiges Monument, sondern ein Haus, das dabei ist, seine endgültige Form zu finden. Man verlässt es nicht nur mit der Erinnerung an einzelne herausragende Teller, sondern an einen Gastgeber, der mit der Erfahrung von Triumphen und Katastrophen ruhig und konzentriert an sich und seiner Vision arbeitet. Antwerpen hat mit „The Jane“ jedenfalls wieder einen gastronomischen Ort, über den man noch sprechen wird. Und Nick Bril hat eine Chance genutzt, sich neu zu erfinden.Christian Bau kocht im „Victor’s Fine Dining“ in Perl-Nennig, das seit 20 Jahren mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist
Nick Bril: Die Verwandlung des kulinarischen Visionärs in Antwerpen - WELT
Vom rastlosen Antreiber zum konzentrierten Gastgeber: Der belgische Starkoch und DJ Nick Bril hat sich verändert – und mit dem neuen „The Jane“ einen Ort geschaffen, der weniger Inszenierung, dafür mehr Balance und Persönlichkeit zeigt. Und die Musik spielt weiterhin eine wichtige Rolle.






