In der Arena früher Supercars wurde der im März 1966 lancierte Lamborghini Miura gefürchtet, wie der gleichnamige Kampfstier: Als erster Bolide klopfte der bei Bertone in einzigartige Form gebrachte V12 an die 300-km/h-Schallmauer. Und Ferruccio Lamborghini ermöglichte der Miura seinen größten Triumph über Enzo Ferrari. SP-X/Köln. „Der gefällt mir, mit dem gehen wir in die Geschichte ein“, soll Ferruccio Lamborghini gesagt haben, als er die ersten Entwürfe zum beispiellos schnellen und gleichzeitig atemberaubend geformten Miura P400 sah. Und tatsächlich: Als dieser ultraflache Straßensportwagen mit weltweit erstem quer eingebauten Zwölfzylinder-Mittelmotor im März 1966 auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde, sahen die 275er Frontmotor-Ferrari schlagartig alt aus. Im Lamborghini Miura – benannt nach einer Furcht einflößenden spanischen Kampfstierdynastie der Züchterfamilie Miura – fanden die bis dahin siegverwöhnten Zwölfzylinder im Zeichen des Cavallino Rampante, des aufsteigenden Pferdes aus Maranello, einen Gegner, dem sie allenfalls noch in den Verkaufszahlen davonfahren konnten.

Als erster Seriensportler versuchte der bis zu 323 kW/440 PS starke Miura die 300-km/h-Schallmauer zu pulverisieren, damit eröffnete der Vierliter-V12 aus Sant'Agata Bolognese die Ära der Supersportwagen. Zum Poster-Car in den Jugendzimmern der späten 1960er und frühen 1970er avancierte der Miura aber auch durch perfekt ausbalancierte Proportionen und spektakuläre Klappscheinwerfer mit markanten schwarzen Augenbrauen – der erste große Geniestreich des jungen Marcello Gandini als neuer Chefdesigner bei Bertone. Nicht zu vergessen die vertikal hochklappbaren Front- und Heckhauben, ein Hingucker bei jedem Boxenstopp. Neuartig war auch die schwarze Lamellenabdeckung über dem furiosen V12 – ein Miura-Merkmal, das vom Zubehörhandel aufgegriffen wurde und bald auch brave Familiencoupés optisch schneller machte.