Außerdem geht es in dieser Folge um die Frage: Kann man sich totlachen?Hier können Sie die Folge direkt hören:Abonnieren Sie den Podcast unter anderem bei Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music oder direkt per RSS-Feed.Hier bekommen Sie schon einen kurzen Einblick in den Inhalt der Folge:Sprache beeinflusst, wie wir Farben unterscheiden, Zeit wahrnehmen oder Emotionen einordnen. Genau damit beschäftigt sich die Psycholinguistik: das Forschungsfeld, das untersucht, wie Sprache im Gehirn verarbeitet wird und wie sie unser Denken prägt. In dieser Folge von „Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ geht es um die Frage, inwiefern Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst. Zu Gast ist die Neurolinguistin Julia Mailänder. Sprache lenkt Wahrnehmung – aber bestimmt sie nichtDie Idee, dass Sprache und Denken eng miteinander verbunden sind, geht auf die sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese zurück. Sie besagt, dass die Sprache, die wir sprechen, unsere Wahrnehmung der Welt formt. Lange wurde diese These sehr streng verstanden: als würde Sprache unser Denken vollständig bestimmen. Menschen mit unterschiedlichen Sprachen würden demnach in völlig verschiedenen Wirklichkeiten leben.Heute sieht die Forschung das differenzierter. Sprache legt nicht fest, was wir denken können, aber sie beeinflusst, wie wir Dinge wahrnehmen, ordnen und bewerten. Genau das zeigt sich in vielen psycholinguistischen Studien.Ein anschauliches Beispiel dafür kommt aus der Farbforschung. Im Litauischen gibt es zwei verschiedene Wörter für Blau: eines für Hellblau und eines für Dunkelblau. Im Norwegischen existiert dagegen nur ein einziger Begriff. Studien zeigen: Menschen, die zwei Begriffe für Blau haben, erkennen feine Unterschiede zwischen Blautönen schneller und genauer. Besonders deutlich wird der Effekt bei zweisprachigen Personen: Je nachdem, welche Sprache gerade aktiv ist, verändert sich auch ihre Wahrnehmung.Mehrere Sprachen, mehrere PerspektivenWer mehr als eine Sprache spricht, nutzt im Gehirn unterschiedliche Netzwerke. Die Muttersprache ist emotional stärker verankert, Fremdsprachen werden oft rationaler verarbeitet. Deshalb erleben viele Mehrsprachige sich selbst in verschiedenen Sprachen leicht verändert: offener, direkter oder auch distanzierter. Studien zeigen, dass Menschen je nach Sprache unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale an sich wahrnehmen – nicht, weil sie jemand anderes werden, sondern weil andere Denk- und Gefühlsmuster aktiviert werden.Das Gehirn muss dabei ständig zwischen Sprachen wählen und die jeweils anderen unterdrücken. Oder es kommt zum sogenannten Codeswitching – dem spontanen Wechsel zwischen Sprachen mitten im Satz.Zeit, Emotionen und gesellschaftliche WirklichkeitSprache beeinflusst nicht nur Wahrnehmung, sondern auch abstrakte Konzepte wie Zeit. In Sprachen mit links-nach-rechts-Schrift wird Zeit meist horizontal gedacht, in anderen Kulturen vertikal oder in entgegengesetzter Richtung. Selbst solche grundlegenden Vorstellungen hängen also vom Sprachsystem ab.Auch Emotionen lassen sich durch Sprache regulieren: Wer Gefühle benennt, kann sie oft besser kontrollieren. Dieses sogenannte „Affect Labeling“ wird in therapeutischen Kontexten genutzt, um Angst oder Stress zu reduzieren. Sprache hilft dabei, Erlebtes einzuordnen und mental zu verarbeiten.Kontrovers diskutiert wird der Einfluss von Sprache auf gesellschaftliche Rollenbilder, etwa beim Gendern. Psycholinguistische Forschung zeigt: Sprache kann unsere Vorstellungen erweitern, aber sie allein verändert keine Realität. Erst wenn sich gesellschaftliche Strukturen ändern, verändern sich auch die Bilder in unseren Köpfen dauerhaft.Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von KI aus dem Transkript unseres Wissenschaftspodcasts erstellt.„Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Darin klären wir, was es mit weitverbreiteten Mythen auf sich hat. Und welche Sie davon wirklich glauben können. Lindert ein Konterbier den Kater? Und härtet kaltes Duschen ab? Was stimmt wirklich – und was nicht? Wir gehen außerdem psychologischen Phänomenen auf den Grund: Der Angst, etwas zu verpassen zum Beispiel. Oder der Frage: Warum wir im Schlaf reden? Um all diese Fragen zu beantworten, sprechen wir mit Expertinnen und Experten, die uns helfen, die Welt noch besser zu verstehen. Faktenbasiert und auf dem aktuellen Stand der Forschung – und das alles in nur zehn Minuten. „Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen“ erscheint immer dienstags, mittwochs und donnerstags ab 5 Uhr. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Psycholinguistik: Prägt Sprache unser Denken? - WELT
Warum klingt man in einer Fremdsprache anders? Und warum nehmen Menschen Farben unterschiedlich nuanciert wahr? Eine Neurolinguistin erklärt, wie Sprache unser Denken beeinflusst – und was die Psycholinguistik darüber weiß.






