PfadnavigationHomeICONISTEssen & TrinkenKeks-RezeptLast Christmas I gave you my – SpritzgebäckVon Annette ProsingerVeröffentlicht am 24.12.2025Lesedauer: 4 MinutenDas Spritzgebäck, das jetzt sogar Annette Prosingers Mutter schmecktQuelle: Manuel KrugKein Weihnachtsfest ohne das Spritzgebäck der Mutter. Doch als unsere Autorin das Rezept nachbackt, ist das Urteil vernichtend. Drei Generationen machen sich auf die Suche nach dem verlorenen Trick. Jetzt sind die Plätzchen perfekt.Um diese buttrig-knusprigen Plätzchen zu backen, braucht es einen Fleischwolf. Habe es früher in jedem Haushalt gegeben, sagt meine Mutter. Eine praktische Sache: Man schiebt den Aufsatz für die Plätzchen rein, stopft ordentlich Teig in die Maschine, der Rest ist Kurbeln. Meine Mutter arbeitet mit drei Blechen im Wechsel, was sie aus dem Ofen holt, kommt zu meinem Vater, der tunkt die Plätzchenspitzen ins Kuvertürebad. „Chocolatier“ nennt meine Mutter ihn und amüsiert sich über den andächtigen Ernst, mit dem ihr Mann – sonst kein Küchenheld – Plätzchenstange für Plätzchenstange veredelt.Mehr als tausend dürften es jedes Jahr sein, und die meisten bringt er tags darauf zur Post. Meine Eltern versorgen die ganze Familie mit Spritzgebäck, solange ich denken kann. Nie habe ich es selbst gebacken, wozu auch, wenn doch die Plätzchendosen immer pünktlich zur Adventszeit eintreffen und ihr Inhalt locker bis Neujahr reicht?Lesen Sie auchSo hat das Rezept für Spritzgebäck bei uns eine Generation übersprungen, erst unsere Tochter hat sich daran gewagt. Sehr zum Gefallen meiner Mutter, die Julia mit einem soliden Fleischwolf ausstattete. Über Telefon und Handyfotos verfolgte sie, ob in der Junior-Backstube alles nach ihrem Plan lief. Und war beruhigt, dass auch „das Kind in Berlin“ auf einen sehr gewissenhaften Chocolatier zählen kann.Julias Spritzgebäck sei perfekt, erklärte meine Mutter damals, als sie die ersten Kostproben aus Berlin erhielt. So etwas sagt sie nicht aus Höflichkeit. Als sie dieser Tage eine Dose mit meinen Exemplaren bekam, war ihr Urteil genauso entschieden: „Die schmecken mir überhaupt nicht.“ Wieso nicht? Immerhin hatte ich das alte Ringbuch konsultiert, das meine Mutter mir vor mehr als 40 Jahren, bei meinem Auszug von zu Hause, mitgegeben hatte. Alle meine Lieblingsgerichte stehen da drin, die Rezepte handgeschrieben, mit blauer Füllfedertinte, Mamas schwungvolle Schrift mit Spuren von Sütterlin. Zwei Pakete „gute Butter“ brauchte es fürs Spritzgebäck und unfassbare 450 Gramm Zucker. „Mama, es war doch alles genau nach diesem Rezept?“„Eben“, sagte meine Mutter, „und als ich nur einen Bissen von deinen Plätzchen gekostet habe, stand alles wieder vor mir: Wie ich eine junge Frau war, die drei kleinen Kinder um mich herum, und nie zufrieden mit diesen Plätzchen war.“„Wir haben sie doch geliebt.“„Ihr. Aber ich fand immer, die müssten eigentlich besser schmecken, jedes Weihnachten hat mich das geärgert, dieses etwas zu Unknusprige.“ Meine Mutter redete sich in Fahrt, dieser eine Happen meiner missratenen Plätzchen habe sie sogar in ihre Kindheit versetzt: Plötzlich sei ihr wieder Frau Weiser eingefallen, die Haushaltshilfe ihrer Mutter. Die habe das Rezept in die Familie gebracht, und seither werden diese Plätzchen gebacken, „am Anfang noch an dem alten Ofen, den man mit Briketts feuern musste, ich habe sogar den Qualm wieder gerochen“.Lesen Sie auchWas Proust die Madeleine, ist meiner Mutter das Spritzgebäck. Nur dass bei ihr der Geschmack früherer Zeiten nicht Erinnerungen auslöst, die zu einem siebenbändigen Romanwerk führen, sondern die Qualen des Unperfekten wiederbelebt. Ein inneres Plätzchendrama, von dem wir Kinder nie etwas mitbekommen haben. „Aber Mama, wenn du das Spritzgebäck nicht gelungen findest, warum bäckst du es dann seit 60 Jahren?“Weil das handgeschriebene Ringbuchrezept längst Makulatur ist. Und weil meine Mutter die Suche nach dem verlorenen Geschmack nie aufgab. Der bahnbrechende Tipp kam in den 90er-Jahren, von der Haushälterin des Pfarrers: kein Eiweiß. „Das war’s, seitdem liebe ich unser Spritzgebäck. Jetzt sind es die vollkommenen Plätzchen.“Lesen Sie auchIch habe dann Julia dazugeholt, die natürlich das neue, wahre Rezept hat, und mit ihr noch mal eine Lage gebacken. Nur für diesen Artikel. Und zur Wiederherstellung meines Selbstbewusstseins. In Ordnung, befand Julia, als wir Plätzchen vom Blech weg probierten, „die kannst du dem Fotografen geben“. Meiner Mutter habe ich diesmal lieber nichts geschickt. Sie backt am 2. Advent, ich werde dabei sein und assistieren.Zutaten500 Gramm Butter450 Gramm Zucker 1 Päckchen Vanillezucker 1 Prise Salz 5 Eigelb600 Gramm Mehl200 Gramm Speisestärke SchokoladenkuvertüreZubereitungZucker mit Butter schaumig rühren, nach und nach die Eigelbe dazu geben. Mehl, Salz und Speisestärke vermischen und von Hand unterrühren. Der Teig wird sehr fest. 24 Stunden kühl stellen.Plätzchen mit dem Fleischwolf formen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und bei 180 Grad zehn bis 15 Minuten backen. Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und die abgekühlten Plätzchen mit einer Spitze in die heiße Schokolade tunken.
Rezept Spritzgebäck: Das Familiengeheimnis hinter den perfekten Plätzchen - WELT
Kein Weihnachtsfest ohne das Spritzgebäck der Mutter. Doch als unsere Autorin das Rezept nachbackt, ist das Urteil vernichtend. Drei Generationen machen sich auf die Suche nach dem verlorenen Trick. Jetzt sind die Plätzchen perfekt.








