PfadnavigationHomeSonderthemenReiseland DubaiGourmet-Ziel DubaiDie ganze Welt auf der SpeisekarteVeröffentlicht am 11.12.2025Lesedauer: 6 MinutenDas Ossiano ist sowohl Lagune als auch Gourmet-Restaurant – vor dem Tisch tummeln sich in einem Riesen-Aquarium tausende Fische, die Küche erhielt im Frühjahr einen Michelin-Stern.Quelle: Picture AllianceDubais Aufstieg zum populären Sonnen- und Shoppingziel hat eine bunte und vielfältige Spitzen-Gastronomie nach sich gezogen. Und schon leuchten über der Wüste die ersten Michelin-SterneDer Hummus in der kleinen Steingutschale ist eine hauchfeine Crème. In leichten Wellenlinien zum Hügel modelliert, gleicht sie tatsächlich einer Sanddüne. In einer Mulde darin ruht still ein kleiner See aus grünlich-gülden schimmerndem Olivenöl. Dazu filigrane Deko-Blattwedeln und eine Blüte am Ufer – schon hat man eine leckere Oase vor sich. Und das ist bloß ein kleiner Vorspeisenteller im „Sufret Maryam“. Das Restaurant, lediglich eine Top-Adresse von vielen, bietet ein hervorragendes Beispiel für fine dining in Dubai. Es gibt hier so ziemlich jede erdenkliche kulinarische Spielart, dazu deren Fusionen und noch ein paar erfundene. Unternehmerische Freiheit wird im Land großgeschrieben. Das trifft sich gut für kreative Köche. Spitzen-Restaurants wachsen förmlich aus dem Wüstenboden Viele bieten weit mehr als nur einen sättigenden Gastro-Aufenthalt. Für Salam, die im „Sufret Maryam“ jeder nur „Chef Salam“ nennt, werkeln fleißige Hände aus 18 Nationen an den kulinarischen Kleinkunstwerken. Es ist die Sorte Essen, bei dem man schon vor dem gedeckten Tisch einen Diener macht. Die Hummus-Oase schmeckt fein-cremig mit subtilem Raucharoma. Salam verfeinert die arabische Küche mit viel Fingerspitzengefühl. Das bezeugen ihre Ravioli aus hauchdünn ausgezogenem Teig, mit Pinien und Koriander gefüllt. Oder die Creme brûlée: Mit Schafsmilch, Thymian-Eis und Sesam changiert sie elegant zwischen süß und herzhaft. Oder das dreifach durchgelassene Tatar aus schierem Lammfleisch, abgeschmeckt mit Kreuzkümmel sowie noch ein paar geheimen Gewürzen. „Früher hat man das mit der Hand gehackt“, sagt Salam. Es sei ein traditionelles Festessen – „aber nicht nach Todesfällen, nur zu schönen Anlässen.“ Reise durch Salams LebenSo nimmt sie ihre Gäste mit auf die Reise durch ihr Leben. Inklusive physischer Erinnerungsstücke: Da steht zum Beispiel eine viel genutzte Singer-Nähmaschine, auf Hochglanz gebracht. „Mit der verdiente meine Mutter Geld“, so wie der Vater mit der manuellen Schreibmaschine. Ein Stück drapierter Vorhangstoff stammt aus England, eine Stickerei aus Jerusalem. „Wir sind ständig umgezogen. Ich habe immer wieder meine Wurzeln verloren.“ Jedes Stück eine Erinnerung an eine andere Welt und ein anderes Leben. Die Emigranten haben harte Zeiten erlitten. Heute ist das „Sufret Maryam“ ihr Zuhause, und das Grundrezept ihrer Küche lautet: menschliche Wärme. Gastfreundschaft ist ein Grundbaustein der arabischen Kultur. Gastronomie dagegen ist eher neu. „Bis in die 1950er-Jahre lebten die meisten Menschen von Fischerei und Kamelzucht“, erklärt Arva Ahmed.Geboren in Dubai, weiß die Gastro-Expertin, dass Besuche traditionell privat stattfanden und die Landwirtschaft im eigenen Garten. Die flachen Häuschen mit Wassertanks außerhalb der Stadt erinnern heute noch daran. Die Petro-Industrie und die ersten Hotels änderten fast alles. „Zuerst waren es private Küchen, wo gute Köchinnen ihre Gerichte verkauften.“ Diese Küche findet man noch in Restaurants, wo nur Arabisch gesprochen wird. Als die Wirtschaft Dubais in den 1980er-Jahren abhob, kamen Köche aus aller Welt.Die Gastronomie ging ebenfalls auf Höhenflug. Selbst im einfachsten Imbiss wird heute das Essen direkt ins Auto gebracht. „Alles ist Drive-in.“ Und es bildete sich der kulinarische Cluster der Welt – der treibt Blüten, die es nur in Dubai gibt. Englische Küche im 122. StockZum Beispiel „Afternoon Tea“ im 122. Stock im Art-Déco-Ambiente des „At.Mosphere“ im Burj Khalifa. Selbst Heston Blumenthal, quasi-wissenschaftlicher Pionier des multisensorischen Kochens und weltbekannter Starkoch, lässt sich in Dubai noch was ganz Besonderes einfallen: Der Meister serviert dort nämlich englische Küche.Rund 13.000 Gastro-Betriebe sind in Dubai gelistet. Etwa so viel wie in Paris, aber nur auf einem Drittel der Fläche. Und in Dubai haben sich viele Restaurants im Rekordtempo vorn in der Weltliga etabliert und bieten zusätzlich noch etwas mehr als Gaumenkitzel. So taucht man im „Ossiano“ in eine Unterwasserwelt aus sanften Lichtspielen mit plätscherndem Wasser, gläsernen Luftblasen und Deko-Korallen. Jede Meeresfrüchte-Kreation erzählt eine Geschichte von Entdeckern und Seefahrern. Haie und Mantas kreuzen vor dem Fenster zwischen tausenden anderen Meerestieren umher. Das ist mehr Lagune als Restaurant. Dazu noch eine mit Michelin-Stern. Der französische Gastro-Führer ist auch in Dubai die Referenz, weil seine Profis sehr streng bewerten. Indische Küche dekonstruiert Umso erstaunlicher ist das „Trèsind Studio“, das im Frühjahr drei Sterne erhielt. Nirgends auf der Welt gibt es ein indisches Restaurant in dieser Kategorie. Und ebenso fein wie klein: Ganze 20 Gäste werden parallel bespielt. Zu jedem Gang nordet der Service am Tisch auf einer großen Reliefkarte Indiens das Gericht ein. Der Hausherr Himanshu Saini hat ein spannendes Konzept ersonnen: Er legt seinen Gerichten bewusst einfache Zubereitungen wie den Allerwelts-Snack Pani puri zugrunde – und dekonstruiert ihn zu einem Schaum mit nussigen Jicama-Wurzeln und japanischen Shiso-Blättern. Indische Zutaten treffen auf eingelegte Paprika, Joghurt-Eis, Haleem, ein Schmorgericht hier aus Entenfleisch, Mandarinenblüten, Foie gras, Königskümmel. Da ist auch für geübte und verwöhnte Esser buchstäblich jeder Bissen eine Überraschung.Der Kellner erklärt minutenlang und mit einigem Pathos die komplizierten Prozesse von Fermentation und Injektion, die die Konsistenzen „cremig, aber nicht milchig“ machen. Sainis Lebensgeschichte könnte ein Bollywood-Film sein. Sie beginnt in Sui Walan, einem wuseligen Viertel in Alt-Delhi. Dort wuchs er mit rund 50 Verwandten im Haus seiner Großeltern auf, erzählt er. „Ich sah jeden Tag, wie die Familie bekocht wurde.“ New York war wohl zu langweiligNach der Ausbildung kombinierte er indische Küche mit westlichen Techniken und erwarb schnell einen Ruf als kreativer Erneuerer. In New York eröffnete Saini sein erstes Restaurant. Doch da wurde es ihm dann offenbar zu langweilig. Dubai mit seinem Kulturmix aus 200 Nationalitäten lechzte dagegen nach kulinarischen Überraschungen. Die versetzen auch den sonst mit Superlativen eher sparsamen Michelin in Aufregung, wenn er von dem „Meisterwerk an Originalität und Präzision“ schwärmt. Sogar Seine Exzellenz Issam Kazim, Geschäftsführer von Dubais Gesellschaft für Tourismus Marketing, begeistert die „historische Leistung“ des „Trèsind Studio“, das „eine Reise wert ist“. Für ihn ein „weiterer entscheidender Moment in Dubais Entwicklung zu einem gastronomischen Reiseziel von Weltklasse“. Schöner hätte es Himanshus PR-Spezialistin auch nicht ausdrücken können. Für das große Finale im „Trèsind“ erlischt dann sogar das Licht. Auf leuchtenden Glaskugeln schwebt eine kleine Wabe aus weißer Schokolade, Kakaobutter und Gebirgs-Honig zum Tisch. Dazu läuft Frank Sinatras „Fly Me to the Moon (In Other Words)“. Vorhang zu. Ende der Vorstellung.Diese Reise wurde unterstützt von Dubai Tourism. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie untergo2.as/unabhaengigkeit.Matthias Stelzig