PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungVerfassungsrichterwahlWie die Union die Linke vorführteVeröffentlicht am 26.09.2025Lesedauer: 2 MinutenJacques Schuster, Chefredakteur WELT AM SONNTAGQuelle: Marlene Gawrisch/WELTOhne mit den roten Plaudertaschen von der Linkspartei zu sprechen, schlugen die Regierungsfraktionen drei passable Kandidaten fürs Verfassungsgericht vor und bekundeten wortlos: Wer sie wählt, ist staatstragend, wer sie ablehnt eben nicht.Es ist schon fast putzig zu sehen, mit welchem Verlangen die Linkspartei darauf hofft, dass die Union endlich offiziell mit ihr spricht. Ihr Glück wäre vollkommen, käme Bundeskanzler Friedrich Merz höchstselbst bei ihr vorbei, um mit seiner bloßen Gegenwart aller Welt und besonders ihr selbst zu bekunden, dass sie aber auch wirklich – ganz in echt, ungelogen! – eine durch und durch staatstragende Opposition ist und für ihn so dazugehört wie die Tasse Kaffee zum Frühstück.Irgendwie erinnert die Linke in ihren Attacken auf den Kanzler bei gleichzeitiger Sehnsucht nach dessen Nähe an die Pubertät, also an jenes Übergangsstadium zwischen Kinderzimmer und Erwachsenenwelt, in dem niemand zu sagen vermag, wann das Pubertier die Grenze in welcher Richtung überschreitet.Lesen Sie auchZu diesem Eindruck trägt besonders Heidi Reichinnek bei. Die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag schwimmt gern auf der Welle selbstgerechten Adrenalins. Dampfend vor Redseligkeit, missionarischem Eifer und dem Schweiß der Mühe, die ihr all das bereitet, schnattert sie in einem fort, leider ohne wahrzunehmen, dass ihr die Strategie fehlt.Elias Canetti nannte solche Menschen „Wortfrühe“. Der „Wortfrühe sagt nichts, über das er nachgedacht hat, er sagt es vorher“. Aus diesem Grund fiel es der Union leicht, die Linke bei der Wahl der Verfassungsrichter vorzuführen. Ohne mit den roten Plaudertaschen zu sprechen, schlugen die Regierungsfraktionen drei passable Kandidaten vor und bekundeten wortlos: Wer sie wählt, ist als solches staatstragend, wer sie ablehnt eben nicht. Der Linken blieb kaum eine Wahl. Was man sah, war der Aufstand der Nichtschwimmer gegen das Wasser.
Verfassungsrichterwahl: Wie die Union die Linke vorführte - WELT
Ohne mit den roten Plaudertaschen von der Linkspartei zu sprechen, schlugen die Regierungsfraktionen drei passable Kandidaten fürs Verfassungsgericht vor und bekundeten wortlos: Wer sie wählt, ist staatstragend, wer sie ablehnt eben nicht.












