PfadnavigationHomeICONISTEssen & TrinkenArtikeltyp:MeinungMeierei im StadtparkZart und kraftvoll – hier habe ich das beste Gulasch meines Lebens gegessenVon Christian BauVeröffentlicht am 26.08.2025Lesedauer: 3 Minuten„Meierei im Stadtpark“ in Wien – die kleine Schwester vom „Steirereck“Quelle: imago/Volker Preuvüer; Marcus SimaitisDas „Steirereck“ in Wien gilt als erste Adresse für österreichische Spitzenküche. Doch auch die kleine Schwester der Feinschmeckerlokals ist mehr als nur eine Nebenbühne. Sternekoch Christian Bau war beeindruckt vom Niveau, auf dem die Traditionsgerichte des Landes hier zubereitet werden.Heinz Reitbauer zählt ohne Zweifel zu den wichtigsten Persönlichkeiten der europäischen Gastronomie. Kein Koch hat die österreichische Küche der letzten 20 Jahre so geprägt wie er – mit einem unverwechselbaren Stil, mit Demut vor dem Produkt, tiefen Respekt vor der Natur und einem Sinn für Kreislaufwirtschaft und Tierwohl. Er steht für eine Küche, die aus regionalen Wurzeln gewachsen ist und zugleich modern, zeitgemäß und intellektuell gedacht wird. Nicht umsonst wurde sein Restaurant „Steirereck“ im Wiener Stadtpark Anfang des Jahres mit dem dritten Michelin-Stern ausgezeichnet und hat seit vielen Jahren einen festen Platz im Ranking der „World’s 50 Best Restaurants“. Ein Stockwerk unter dem Feinschmeckerrestaurant liegt die „Meierei im Stadtpark“ – eine kleine Schwester mit günstigeren Preisen und zwanglosem Ambiente, die sich längst als eigenständiges Ganztagskonzept etabliert hat. Tagsüber ist die Meierei durchgehend geöffnet, mit Frühstück ab acht Uhr und einer feinen Mittags- und Nachmittagskarte. Abends hat man die Wahl zwischen einem Menü mit vier bis sechs Gängen und einem À-la-Carte-Angebot mit Klassikern der österreichischen Küche, die sich auch mit dem Menü kombinieren lassen – das alles in einem lichtdurchfluteten Raum mit Terrasse, Blick auf den Stadtpark inklusive.Lesen Sie auchVor einigen Tagen waren meine Frau und ich hier zu Gast – und zutiefst beeindruckt. Wir entschieden uns für ein Menü, das mit einer geflämmten Ochsenherztomate begann, angerichtet auf einem Buchweizensalat mit etwas Schafsfrischkäse – kühl, leicht, aromatisch. Es folgte ein Stück knusprig gebratener Waller mit Apfelpaprika, Röstzwiebeln und einem Kokossud – sauber gegart, fein balanciert. Dann kam das erste Ausrufezeichen: das Kalbsbeuscherl. Ein klassisches Gericht der österreichischen Innereienküche – meist gesottene frische Lunge und Herz vom Milchkalb. Die Sauce war tief aromatisch, leicht säuerlich, perfekt abgestimmt. Die Innereien: weich, präzise geschnitten, mit Majoran abgerundet. Der Schnittlauchknödel dazu: luftig und warm, von einer himmlischen Textur – Liebhaberküche auf höchstem Niveau. Ich war kurz davor, einen zweiten Teller zu bestellen.Mindestens 60 Sorten RohmilchkäseDie Hauptspeisen wählten wir aus dem À-la-Carte-Bereich: ein perfektes Wiener Schnitzel vom Milchkalb, mit knuspriger, fein soufflierter Panade. Dazu lauwarmer Salat aus heurigen Kartoffeln, Feldsalat und steirischem Kürbiskernöl. Ein Klassiker, der so einfach scheint und doch selten in dieser Qualität auf den Tisch kommt. Eingemeißelt in meine Erinnerung bleibt aber das „Steirereck-Gulasch“ – wahrscheinlich das beste Gulasch meines Lebens: die Fleischwürfel groß und zart, mit leichtem Gallertkern. Die Sauce kraftvoll mit Paprika- und Zwiebeltönen, nicht fein passiert, sondern bewusst strukturiert und dicklich ausgearbeitet. Dazu geschmorte Paprika und ein knuspriges, gefülltes Brotröllchen. Dieses Gericht bringt Reitbauers ganze Philosophie auf einen Löffel: bodenständig, regional, kompromisslos gut.Lesen Sie auchEin luftig-warmer Kaiserschmarrn mit Wachauer Marillenkompott rundete unseren Abend harmonisch ab – gemeinsam mit einer Auswahl von der Käsetheke, die mit mindestens 60 (!) Sorten Rohmilchkäse bestückt ist. Die „Meierei im Stadtpark“ ist keine Nebenbühne. Sie ist ein Ort, an dem die Wünsche und das Wohlbefinden der Gäste im Mittelpunkt stehen – und ein Hort der Handwerkskunst und des unvergesslichen Geschmacks. Christian Bau kocht im „Victor’s Fine Dining“ in Perl-Nennig, das seit 20 Jahren mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist
Gastronomie: Meierei im Stadtpark - Hier habe ich das beste Gulasch meines Lebens gegessen - WELT
Das „Steirereck“ in Wien gilt als erste Adresse für österreichische Spitzenküche. Doch auch die kleine Schwester der Feinschmeckerlokals ist mehr als nur eine Nebenbühne. Sternekoch Christian Bau war beeindruckt vom Niveau, auf dem die Traditionsgerichte des Landes hier zubereitet werden.








