PfadnavigationHomeICONISTModeTOMMY HILFIGER„Ich beschloss, den langweiligen ‚Preppy Look‘ cool zu machen“Von Clark ParkinVeröffentlicht am 31.07.2025Lesedauer: 8 MinutenFür Leute, die keine Privatschule besucht haben: Tommy Hilfiger kombinierte den Stilder Ostküste mit der Lässigkeit kalifornischer Surfer. Anzeige, ungefähr 2010Quelle: picture alliance / The Advertising ArchivesTommy Hilfiger ist – neben Ralph Lauren – der wohl amerikanischste Modedesigner überhaupt. Er hat den Look der Oberschichtsjugend zum weltweiten Phänomen umgewidmet. Seine Marke wird nun vierzig, er selbst aber will weiter der etwas respektlosere US-Designer bleiben.Hitze in München, aber in der Suite im Hotel „Rosewood“ ist es gut zehn Grad kühler. Trotzdem sorgt sich Tommy Hilfiger, 74, ob dem Gast im Jackett zu warm sei. Der Mann ist bester Laune, trägt sein Hemd mit umgekrempelten Manschetten und über der Hose, weil er seinen Gürtel vergessen hat. Wir wollen mit Hilfiger über den „Preppy Look“ sprechen, der für die entspannte Mode der jungen Ostküstenelite der USA steht. Das Wort leitet sich von „Preparatory Schools“ oder kurz „Prep Schools“ ab, exklusiven Vorbereitungsschulen für die Universität. Diesen Stil hat sich der Designer zu eigen gemacht und neu interpretiert, mit einigem Erfolg. Dieses Jahr feiert seine Marke ihren 40. Geburtstag. WELT: Vor 40 Jahren haben Sie sich darangemacht, den sogenannten Preppy Style, der damals auch in der satirischen Stilbibel „Official Preppy Handbook“ von 1980 beschrieben wurde, neu zu interpretieren. Warum? Tommy Hilfiger: Ich fand, dass die Autoren sich zu stark auf den Snobismus der Preppies konzentrierten. Ich wollte da weniger respektvoll vorgehen. Als ich anfing, Mode zu entwerfen, schaute ich mir meine Preppy-Kleidung an und fand sie langweilig. Ich fand, dass sie nicht gut passte, und konnte mir nicht vorstellen, dass coole Leute sie tragen würden. Also beschloss ich, Preppy cool zu machen, ich wollte sie auf den Kopf stellen. WELT: Womit zum Beispiel?Hilfiger: Ich habe die Schnitte lässiger gemacht und die Stoffe gewaschen, um die Chemikalien loszuwerden. Ich habe versteckte Details eingebaut und ein Logo entwickelt, das heute wahrscheinlich eines unserer besten Assets ist. Ich verbrachte viel Zeit in Kalifornien, etwa 1983, 1984. Alle trugen diese Strandhosen mit Kordelzug und weite, übergroße Leinenhemden. Ich dachte, was ist mit Leuten, die noch nie in einem Country Club waren, nie eine Privatschule besucht haben und nicht in New England aufgewachsen sind? Das habe ich alles berücksichtigt, als ich meine Preppy-Mode entworfen habe. WELT: Und wie unterschied sich Ihr eigener Hintergrund von der Welt, die Sie dort schufen?Hilfiger: Wir gehörten nie einem Country-Club an. Meine Eltern konnten es sich nicht leisten, mich auf eine Privatschule oder in ein Sommercamp zu schicken. Ich habe nicht einmal studiert. Aber der Einfluss der Ivy-League-Colleges war überall zu spüren – Boston, Harvard, Princeton, Cornell. Der Nordosten der USA hat wirklich einen eigenen Stil. Zu dieser Zeit trugen die Leute Preppy-Kleidung, wie sie sie in der Privatschule trugen. Das waren privilegierte junge Leute, die irgendwie unhöflich und unfreundlich waren. Mit denen wollte ich nichts zu tun haben. WELT: Um den Reiz des Preppy-Stils zu verstehen, ist der Kontext wichtig – die Campus-Kultur, die Segelclubs, die Rituale des Geldadels. Sie haben also gesehen, dass daraus ein neues Preppy entstehen könnte?Hilfiger: Ich hatte das noch nie in der Praxis gesehen, aber ich stellte es mir vor. Da ich wusste, dass die Wurzeln dieser Mode in England lagen, begann ich, mich sehr für die Kleidung englischer Internate zu interessieren. Ich lernte viel über die Geschichte und das Erbe dieses Stils. Wissen Sie, warum dieses Hemd Knöpfe am Kragen hat?WELT: Nein. Aber jetzt möchte ich es unbedingt wissen.Hilfiger: Weil die Polospieler in England Hemden trugen und der Wind beim Reiten unter den Kragen wehte und ihnen ins Gesicht schlug. Also hat irgendein Genie Knöpfe am Kragen angebracht, damit er nicht flatterte. Ich habe auch gelernt, dass die Khaki-Hosen eigentlich aus dem Militär stammen. Es waren Hosen der britischen Armee, Khaki ist ein indisches Wort für die Farbe. Und die Preppies in New England übernahmen diesen britischen Stil, machten ihn amerikanischer. Brooks Brothers wurde gegründet, und dann kopierte Ralph Lauren sie und schuf seinen eigenen Preppy-Stil. Ich schaute mir beide an und sagte: Okay, wie machen wir das jetzt in respektlos und irgendwie disruptiv?WELT: Welche anderen Klassiker dieses Looks sind Ihrer Meinung nach geblieben, und wie haben Sie diese für neue Generationen angepasst?Hilfiger: Pullover mit V-Ausschnitt, Rundhals-Pullover, Strickjacken, Blazer, Jacken, Golfjacken. Ich habe immer geglaubt, dass man etwas Besseres erhält, wenn man verschiedene Teile von etwas in einen Mixer gibt und vermischt. Also nahm ich eine Militärhose der US-Armee mit Cargotaschen, kombinierte sie mit einem Rugby-Shirt und Wanderstiefeln, etwa vom Typ Timberland. Anfang der 90er-Jahre fingen dann die Hip-Hop-Kids an, meine Kleidung zu tragen. Sie drehten ihre Baseballmützen nach hinten. Sie trugen sie sehr weit und meine Unterwäsche so, dass der Bund zu sehen war. Sie nahmen den Stil und machten ihn sich zu eigen.WELT: Was war der Schlüssel, um es in die Hip-Hop-Kultur zu schaffen?Hilfiger: Ich habe eigentlich nichts in Übergrößen entworfen, bis die Hip-Hop-Kids angefangen haben, riesige Größen von mir zu verlangen. Sie haben mich also dazu inspiriert, große Kleidungsstücke zu entwerfen. Und ich verwendete große Logos und leuchtende Farben, denn ich wollte, dass meine Sachen wie Sportuniformen aussehen. Aber vom Team von Tommy Hilfiger, nicht wie die New York Giants. WELT: Das war ein interessanter Moment in der Mode. Eine unterprivilegierte Gesellschaftsschicht übernahm den Look der Oberschicht. War das hilfreich für Tommy Hilfiger?Hilfiger: Ich fand es cool, vor allem fand ich die Musik cool. Aber die adretten Kunden, die sonst meine Kleidung trugen, wandten sich von der Marke ab, als sie sich so an der Straße orientierte. Vielleicht gingen sie zu Abercrombie & Fitch oder zu Ralph Lauren. Aber sie kamen wieder zurück, nachdem wir einen Zyklus durchlaufen und die Kleidung wieder schlanker gemacht hatten.WELT: Was sind die Prinzipien, die jemand beherzigen sollte, der heute den Preppy-Lifestyle leben möchte, ohne ihn geerbt zu haben.Hilfiger: Ich finde, dieser Lebensstil gehört der Vergangenheit an. Es gibt zwar noch Country-Clubs, und die Leute sind vielleicht auf dem Tennisplatz oder dem Golfplatz, aber sie gehen auch wandern, tauchen oder an den Strand. Es gibt einen aktiven Outdoor-Lebensstil, der für viele Menschen sehr attraktiv ist, und sie legen nicht so viel Wert darauf, nach einer Partie Golf um 16.30 Uhr im Club einen Gin Tonic zu trinken.WELT: Wie würde das perfekte Preppy-Wochenende aussehen?Hilfiger: Das verbringt man in Nantucket bei einem Clam Bake am Strand (Anm. d. Redaktion: über Seetang gedämpfte Meeresfrüchte), man angelt nach Blaufischen, legt sie auf den Grill und geht Kitesurfen. Vielleicht fährt man mit dem Jeep auf dem Sand herum. Und man trägt einen Kaschmirpullover über einem hellblauen Oxford-Hemd, das man schon den ganzen Tag über getragen hat.WELT: Sie sind auch schon lange in der Formel 1 aktiv. Was hat Sie an dieser Welt gereizt?Hilfiger: Wir sponsern die Formel 1 seit etwa 30 Jahren. Wir haben mit dem Team Lotus begonnen, dann haben wir Ferrari gesponsert und anschließend Lewis Hamilton und Mercedes, und jetzt werden wir Cadillac unterstützen, ein amerikanisches Team. Außerdem sind wir der offizielle Bekleidungssponsor des Films „F1“ und haben dazu eine Capsule-Collection entworfen. Damson Idris, der Co-Star von Brad Pitt, trägt unsere Kleidung.WELT: Die Formel 1 ist kein typisch amerikanischer Sport. Warum Ihr Engagement? Hilfiger: Nein, sie ist europäisch geprägt, aber sie hat auch Südamerika und Asien erreicht und ist jetzt auch in den USA viel beliebter geworden. Also haben wir angefangen, einige der Uniformen zu verkaufen. Und wir haben festgestellt, dass die Leute sie wirklich cool fanden. Junge Leute mochten sie sehr. Netflix hat vor ein paar Jahren „Drive to Survive“ herausgebracht. Die Serie war unglaublich erfolgreich, daher denke ich, dass dieser Film jetzt das Bewusstsein für die Formel 1 auf eine neue Ebene heben wird. Die Formel 1 ist auf der ganzen Welt vertreten. Es gibt drei wichtige Rennen in den USA. Wir sprechen hier von 50.000 bis 70.000 Menschen, die sich versammeln, um ein Rennen zu sehen. Es handelt sich um hochtechnische Rennmaschinen, die diese jungen, rockstarähnlichen Fahrer vielleicht jedes zweite Wochenende fahren. Sie verdienen viel Geld und sind cool. Ich habe schon als Teenager angefangen, Formel-1-Rennen zu schauen. Ich bin zur Rennstrecke Watkins Glen in Elmira, New York, gefahren, weil das eine Grand-Prix-Strecke war, und habe einfach über den Zaun geschaut.WELT: Haben Sie jemals darüber nachgedacht, die Formel E zu sponsern?Hilfiger: Wir hatten mit dem Mercedes-Sponsoring eine Zeit lang ein Formel-E-Auto. Aber beim Rennsport geht es um den Lärm. Nun, eigentlich geht es um die Energie. Ja. Und der Lärm trägt zur Energie bei.Zur Person: Thomas Jacob „Tommy“ Hilfiger wurde am 24. März 1951 in Elmira, New York geboren. Er wuchs als zweitältestes von neun Kindern in der kleinen Stadt in der Nähe der Cornell University auf. Sein Vater war Uhrmacher, seine Mutter Krankenschwester. Nachdem er zuerst eine Boutique in seiner Heimatstadt eröffnet hatte, arbeitete er später als Designer in New York und Kalifornien. 1985 gründete er die Tommy Hilfiger Corporation und brachte erstmals eine Kollektion unter seinem Namen heraus. Hilfigers Logo ist von seinem Monogramm im Flaggenalphabet inspiriert. Er gilt als Wegbereiter des All-American Style. 2005 verkaufte er sein Unternehmen für 1,6 Milliarden Dollar, ist aber bis heute Ehrenvorsitzender des Verwaltungsrats und Chef-Designer der Marke. Hilfiger ist in zweiter Ehe mit dem ehemaligen Model Dee Ocleppo verheiratet und hat einen Sohn. Aus einer früheren Ehe hat er bereits vier Kinder.