PfadnavigationHomeIconFashionMännergarderobeVom Anzug bis zum Hemd – mit diesen Klassikern sind Sie sicherVeröffentlicht am 04.12.2025Lesedauer: 6 MinutenEin weißes Hemd ist nicht nur ein Kleidungsstück, es ist ein Zeichen souveräner Maskulinität: Sean Connery gönnt sich als James Bond 007 ein PäuschenQuelle: Getty Images/Anwar HusseinSneakers, Baggy Pants und Hoodies mit großen Logos – das scheinen viele deutsche Männer für den ultimativen Stil zu halten. Detlev Diehm ist Maßschneider und Designer. Er hat ein paar andere Vorschläge. Erster von zwei Teilen.In Zeiten, in denen Dresscodes zusammenbrechen, bekommt Orientierung beim Thema Garderobe neuen Wert. Als ich in den 80er-Jahren meine Ausbildung zum Herrenschneider begann, war das noch anders: Obwohl die Männermode damals schon teilweise recht burlesk geworden war, hielten sich die tradierten Regeln noch — im Zweifel, um sich dagegen aufzulehnen.Heute hat die Revolution mal wieder ihre Kinder gefressen, das Produkt der Verdauung heißt „anything goes“. Die Situation ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits haben die Möglichkeiten stark zugenommen, sich durch Kleidung auszudrücken. Andererseits greifen viele Männer zu Sachen, die sie entweder lächerlich wirken lassen, oder sie bezahlen Fantasiepreise für Stücke mit berühmten Logos, die – sehr freundlich gesagt – nichts für sie tun. Außerdem geht die Absicht häufig ins Leere: Ein Hoodie sagt oft mehr „Ich bin ein Schlumpf“, als dass er Street-Credibility verleiht. Eine angerissene Skinny-Jeans macht noch keinen Sid Vicious, dafür lässt sie oft gestandene Männer etwas hilflos bemüht wirken. Ein probates Mittel ist hier eine gut kalibrierte Basis an erprobten Kleidungsstücken, von der aus man nach Belieben zu Experimenten aufbrechen kann. Gut interpretierte Klassiker sind ein hervorragender Rahmen für die Proportionen eines Mannes. Um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen: Auch der beste Schneider kann nicht zaubern (na ja, vielleicht ein bisschen). Aber richtig geschnitten kaschiert oder betont echte Maßarbeit Seiten, die man gern im Vordergrund hat oder eben nicht. Persönlich bleibt die Auswahl natürlich – aber um Individualität geht es beim Schneider ohnehin in erster Linie. Hier einige Vorschläge für ein Fundament:Ein zweiteiliger dunkelblauer AnzugEs gibt Kollegen, die behaupten, ein guter Dunkelblauer sei überhaupt das einzige Kleidungsstück, das man braucht. Die Farbe schafft Vertrauen, ob im Meeting, in der Bar, bei der Vernissage oder auf dem Ball. Entscheidend sind hier das Material und die Verarbeitung: Ich empfehle als ersten Maßanzug einen Two-Ply mit mittlerem Gewicht, also um die 350 Gramm pro Meter. Das Gewebe ist robust und lässt Sie nie im Stich. Handzuschnitt nach einem individuellen Muster und Stiche von Hand garantieren ein elastisches Ergebnis, das sich an den Körper schmiegt und sich jedem Anlass anpasst. Mit einem geschneiderten Unikat überleben Sie auch Veranstaltungen unbeschadet, deren Einladung einen Smoking („Black Tie“) verlangt. Ich finde, man sieht im Doppelreiher noch angezogener aus als im Einreiher – Geschmacksache. Und zur Not geht das Sakko auch zur Jeans, wenn der Stoff nicht allzu fein ist. Ein besseres Investment gibt es deshalb nicht. Eine leichte Wollhose, Farbe nach Wahl Viele schwärmen von Leinen für heiße Tage, ich teile diesen Enthusiasmus meist nicht. Leinen knittert sehr stark, und der Luftaustausch ist nicht so gut, wie Freunde des Materials es gern behaupten. Ich bevorzuge deshalb wieder Wolle, diesmal in einer leichten Qualität mit Fresco-Bindung; die lässt die Haut atmen und erholt sich zügig von Knitterfalten. Bei Hosen hilft mindestens eine Bundfalte, sie verleiht zusätzliche Bequemlichkeit beim Sitzen und kaschiert den Inhalt der Hosentasche. Sommerhosen dürfen im Bein etwas weiter sein. Je nach Farbe kann man so ein Stück hervorragend mit einem Jackett oder Blazer tragen, aber auch ein einfaches T-Shirt bringt eine gut geschnittene Hose schön zur Geltung.Eine graue Flanellhose Dieses Teil hat das Potenzial, den Träger schon im Alter von 20 Jahren wie seinen eigenen Opa aussehen zu lassen (was ja gerade wieder zum Trend namens „Grandfather Style“ geworden ist). Trotzdem ist sie durch nichts zu ersetzen, ich rate daher, etliche Farbschattierungen und Schnitte auszuprobieren. Sie ist die perfekte Ergänzung zum Kaschmir- oder Tweedjackett (siehe unten) – und im Hinblick auf Wärme und Bequemlichkeit ist sie nicht zu übertreffen. Allerdings braucht sie etwas mehr Zuwendung, und man sollte sie möglichst nicht an mehreren Tagen hintereinander tragen, um ausgebeulten Knien vorzubeugen. In den 1920er-Jahren, als Flanell noch als Stoff für den Sommer galt, konnte man die Beine der riesig weit geschnittenen Hose einfach hochkrempeln und einige Schritte ins Meer tun (was damals oft auch der Vorstellung von Baden entsprach). Heute tragen wir Flanell im Winter und können im besten Fall sagen: „My pants are my castle.“Ein dunkelblaues Kaschmir- oder Tweed-Jackett Guter Kaschmir – nicht zu verwechseln mit schlechtem – hat seinen Preis, ist aber sehr angenehm warm und stabiler als man denken könnte. Mein Favorit ist Ware mit Strich, also einer feinen, gebürsteten Haardecke, und einem Gewicht von 350 Gramm bis 400 Gramm. Sobald sich herumspricht, dass Sie so ein Teil besitzen, werden Sie merken, dass man Sie viel häufiger anfasst als zuvor. Dass Tweed sonderlich kuschelig wäre, lässt sich dagegen beim besten Willen nicht behaupten. Aber wenn es an Robustheit, Langlebigkeit und Luftdurchlässigkeit zu einem konkurrenzlosen Preis-Leistungs-Verhältnis geht, kommt gegen dieses Material nichts an. Allerdings stellt der Stoff hohe Anforderungen an die Passform, denn wenn er nicht exakt zugeschnitten und verarbeitet ist, fühlt es sich an, als wäre man in einem Koffer eingesperrt.Ein Pullover mit V-Ausschnitt oder Rundhals in Merinowolle, Farbe nach Wahl.Erinnern Sie sich an diese Fotos von Paul Newman in seinem V-Neck-Pullover? Sie verströmen unerschöpfliches Charisma, obwohl er nur Pullover, T-Shirt und Hose trägt. Natürlich hängt die Latte hier sehr hoch, doch man sieht, was gekonntes Kombinieren von ordentlichen Basics vollbringen kann. Ein weißes Oberhemd Das grundsätzliche Kleidungsstück überhaupt. Weiß steht gleichzeitig für Festliches und für unbestechliche Neutralität. Weil es ein so konservatives Stück ist, sollte man hier entweder zu klassischem Kragen und Schnitt greifen – oder gleich ein wehendes Leinenhemd wählen. Hemden aller Art lasse ich mir übrigens gern bei der Reiser-Manufaktur in München anfertigen. Dort wird zu jeder Bestellung ein Stückchen Stoff aufbewahrt, sodass ich mir auch nach Jahren noch einen neuen Kragen aufsetzen lassen kann. Ein Paar schwarze Halbschuhe, am besten ohne Kappe oder LochmusterDer elegante Universalschuh ist schwarz und hat nur eine Naht an der Ferse. Dieses Modell funktioniert bestens mit dem dunkelblauen Anzug, denn wie dieser macht der Schuh nonchalant vom Geschäftstermin bis in einen formellen Abend hinein eine gute Figur. Die zweitbeste Wahl wäre ein schlichter Oxford, also mit ungelochter Kappe; zur Erinnerung, wir sprechen hier über die Grundbausteine, also nichts gegen ein bisschen Spaß mit Lochmustern, wenn man die Basics abgehakt hat. Aber es gilt: Lieber weniger besitzen als schlechte Qualität. Geiz bei Schuhen ist völlig unangebracht.Aufgezeichnet von Philip Cassier.Lesen sie hier Teil zwei der Tipps zur Männergarderobe