PfadnavigationHomePanorama„Maischberger“„Infantilisierung der Weltpolitik“ – Streit um Trumps Auftritt beim Nato-GipfelVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 27.06.2025Lesedauer: 4 MinutenUS-Präsident Donald Trump geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der jüngste Konflikt zwischen dem Iran und Israel vorüber ist. Das sagte er auf einer Pressekonferenz am Rande des Nato-Gipfels.Bei „Maischberger“ sprechen der frühere Verteidigungsminister zu Guttenberg und Grünen-Politiker Nouripour über die Zukunft des Nahen Ostens. Ein „Spiegel“-Journalist teilt sein „Störgefühl“ über Trumps Rhetorik – WELT-Chefreporterin Anna Schneider hält dagegen.Donald Trump bleibt in Feierlaune. Nachdem das US-Militär die iranischen Atomanlagen angegriffen hatte, sprach der US-Präsident beim Nato-Gipfel von der „totalen Auslöschung“ durch eine „perfekte Operation“. Ein Geheimdienstbericht kam allerdings zu einem anderen Ergebnis: Die Urananreicherungsanlage Fordo sei weitgehend intakt und der Kernbrennstoff zuvor entfernt worden – nach Kritik von Trump ruderte die Behörde wieder zurück. Am Mittwoch blickte Sandra Maischberger mit dem Bundestagsvizepräsidenten Omid Nouripour (Grüne) und dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf den Nahen Osten. Zudem begrüßte sie die Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und die Journalisten Anna Schneider (WELT), Markus Feldenkirchen („Spiegel“) und Albrecht von Lucke.Karl-Theodor zu Guttenberg relativierte die Bedeutung des Geheimdienstberichts. Zum einen produzierten die Dienste Legionen an Papieren, zum anderen spielten sie womöglich ein „politisches Spiel“. Dennoch müsse auch in künftige Strategien einbezogen werden, dass es womöglich misslungen sei, die Anlagen zu zerstören. Es müsse ebenfalls bedacht werden, dass nicht jeder mit Know-how per Attentat zur Strecke gebracht worden sei. Zudem könnten Teile des Atomprogramms nach Nordkorea ausgelagert worden sein. „All das spielt in diese sehr, sehr komplizierte, strategische, neue Situation mit hinein.“Trumps Zuversicht, den Nahen Osten nun dauerhaft befriedet zu haben, erteilte Karl-Theodor zu Guttenberg eine Absage. „Das kann gar kein erledigter Konflikt sein“, betonte der ehemalige Verteidigungsminister. „Es ist eine über Jahrzehnte gewachsene Feindschaft dort unten.“ Bestenfalls gebe es im Moment eine Aussetzung der Konfliktlage. Es sei „bei Weitem zu früh“, Donald Trump als „Friedenskönig“ zu feiern, nur um ihm in seiner narzisstischen Kränkung entgegenzukommen, dass sein Amtsvorgänger Barack Obama den Friedensnobelpreis erhalten hatte – und er nicht.„Man vertraut dem Waffenstillstand noch nicht“, berichtete Omid Nouripour von Erzählungen aus dem Iran. „Wenn Trump heute wieder erklärt: ‚Ich kann auch morgen wieder reinballern‘ – das ist jetzt meine Wortwahl –, werden die Iraner die Anreicherung nicht einstellen.“ 20 Millionen Menschen leben im Großraum von Teheran. Viele hätten versucht, die Stadt zu verlassen. Es mangele zum Teil an Sprit, zum Teil an Brot. Und ältere Menschen, die in den 1980er-Jahren den Iran-Irak-Krieg erlebt hätten, seien retraumatisiert worden. Der Grünen-Politiker stimmte mit Friedrich Merz überein, dass ein Ende des Regimes positiv wäre.Lesen Sie auchDie Welt wäre ohne das iranische Regime sicherer, attestierte zu Guttenberg. Und doch bleibe die Zukunft des Staates selbst im Todesfall des religiösen Führers unklar. „Das ist immer noch eine sehr trübe Glaskugel, in die wir schauen.“ Dass Trump es bislang vermeidet, auf einen Regime-Change zu pochen, machte der CSU-Politiker an der gespaltenen MAGA-Bewegung fest. Insbesondere im Streitgespräch zwischen dem früheren Fox-News-Moderator Tucker Carlson und dem texanischen Senator Ted Cruz – „zwei besondere Herzchen“ – sei die Spaltung deutlich geworden. So könnte ein zweiter Angriff Trump um die Ohren fliegen.Lesen Sie auchMit Skepsis blickten Nouripour und zu Guttenberg auf den Nato-Gipfel. „Die Ergebnisse sind historisch. Die Frage ist nur, wie lange halten sie?“, fragte der Grünen-Politiker. Schon ein Blick in die Geschichtsbücher könnte genügen, um Trump auf die Idee zu bringen, wie zur Zeit von Richard Nixon Verteidigungsausgaben in Höhe von sechs Prozent zu fordern. „Da er mit relativer Sicherheit nicht in Geschichtsbücher schauen wird, habe ich eine gewisse Hoffnung, dass die sechs Prozent nicht sofort um die Ecke kommen“, erwiderte sein CSU-Kollege wohl mit Bezug auf dessen Leseaversion. Dennoch sei unklar, „was morgen früh sein wird“.Trump auf dem Nato-Gipfel? „Infantilisierung der Weltpolitik“Auch Markus Feldenkirchen gab sich wenig Illusionen hin. Ob die vereinbarte Beistandspflicht der Nato-Staaten halten werde? „Bis morgen früh bestimmt“, antwortete der „Spiegel“-Journalist lakonisch, doch schon ein „Störgefühl“ könne Donald Trump wieder in eine andere Richtung lenken. In den vergangenen Monaten hatte dieser bereits „aktiv“ und „wissend“ besagten Artikel 5 mehrfach infrage gestellt, kritisierte der Journalist. Das hänge mit der Grundhaltung seiner MAGA-Bewegung zusammen, die annehme, „mit den Konflikten da draußen“ nichts zu tun zu haben. Er habe „große Fragezeichen“, ob Trump etwa im Baltikum zu Hilfe käme.Sein eigenes „Störgefühl“ offenbarte Feldenkirchen hinsichtlich des Nato-Gipfels, bei dem Trump auf 20 bis 30 „erwachsene Menschen“ getroffen sei und so das „intellektuelle Niveau“ auf die Stufe eines Achtjährigen heruntergedimmt habe. „Alle müssen mitmachen und auch so tun, als sei das normal“, beanstandete der Podcast-Host. „Das ist schon eine Infantilisierung der Weltpolitik.“ Anna Schneider nahm hingegen den US-Präsidenten vor dem „Zwang“ deutscher Journalisten in Schutz, ihn „intellektuell runterreden zu wollen“. Dieser agiere vielmehr aus strategischen Gründen. „Ich glaube, er ist viel, aber dumm ist er nicht.“Unterstützende Worte fand die WELT-Journalistin auch für Friedrich Merz’ Aussage, Israel erledige „für uns alle“ die „Drecksarbeit“. Statt sich in Phrasen zu verlieren, habe er sich „erfrischend klar“ geäußert. Albrecht von Lucke positionierte sich dagegen deutlich gegen die Formulierung, die er als „skandalös“ betrachtete. Es zeige die „trumpistische Seite“ des Bundeskanzlers. Dominik Lippe berichtet für WELT regelmäßig über die abendlichen Polit-Talkshows. Der studierte Biologe ist Absolvent der Axel Springer Academy.
„Maischberger“: „Infantilisierung der Weltpolitik“ – Streit um Trumps Auftritt beim Nato-Gipfel - WELT
Bei „Maischberger“ sprechen der frühere Verteidigungsminister zu Guttenberg und Grünen-Politiker Nouripour über die Zukunft des Nahen Ostens. Ein „Spiegel“-Journalist teilt sein „Störgefühl“ über Trumps Rhetorik – WELT-Chefreporterin Anna Schneider hält dagegen.







