PfadnavigationHomePolitikAuslandNato-Gipfel„Liebe im Raum“ – Hinter verschlossenen Türen überrascht Trump die VerbündetenStand: 20:44 UhrLesedauer: 5 MinutenUS-Präsident Trump hat die Waffenruhe mit dem Iran offen infrage gestellt und Zweifel an einer Fortsetzung der Verhandlungen geäußert. „Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum», sagte Trump am Rande des Nato-Gipfels.Noch zu Beginn des Nato-Gipfels schlug Trump harsche Töne gegenüber den Verbündeten an. Die Furcht vor einem Eklat war riesig. Als die Sitzung begann, war er wie ausgewechselt. Bei einigen heiklen Punkten können die Europäer aufatmen.Am Ende sah sich Nato-Generalsekretär Mark Rutte in seinem Optimismus bestätigt. „Wir haben alle gespürt, dass die Allianz enger ist als je zuvor“, sagte er zum Abschluss des Gipfels in Ankara. Am Morgen hatten sich die Staats- und Regierungschefs zur großen Sitzung hinter verschlossenen Türen getroffen. Die Anspannung war groß, denn US-Präsident Donald Trump hatte die Verbündeten im Vorfeld in Angst und Schrecken versetzt.Gleich nach Ankunft in der türkischen Hauptstadt am Dienstag lederte er los. Grönland müsse den USA gehören, sein Hilfegesuch an die Europäer im Iran-Krieg sei ein Test gewesen, den diese nicht bestanden hätten und überhaupt sei er nur angereist, weil er Gastgeber Erdogan nicht blamieren wolle, sagte Trump. Am Mittwochmorgen teilte er dann gegen Spanien aus, das das von ihm ins Leben gerufene Fünf-Prozent-Ziel nicht erreicht, nannte das Land „hoffnungslos schlecht“ und drohte, die Handelsbeziehungen zu beenden. Damit schien ein Ton gesetzt, der nichts Gutes verhieß.Lesen Sie auchAm Mittwochnachmittag war der US-Präsident dann wie ausgewechselt. „Es gab eine Menge Liebe im Raum“, sagte er nach dem Treffen mit den Verbündeten und beschrieb die Sitzung als „sehr besonders“. Von dem Gipfel ging das Signal „großer Einigkeit“ aus, sagte er. Die Verbündeten „respektieren uns wieder als Land“, so Trump. Dies sei vor zwei Jahren noch nicht der Fall gewesen. Es werde nicht mehr über die USA gelacht.Mehrere Minuten soll Nato-Chef Rutte gleich zu Beginn der Sitzung zugebracht haben, Trump „Honig um den Bart zu schmieren“, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Danach sei seine Laune gleich besser gewesen. „Sie sagten mir, dass sie mich lieben“, erzählte der US-Präsident im Anschluss über die anderen Verbündeten. „Das sind erwachsene Leute, die sowas sagen, ist das nicht schön?“ Die Folge: Trump habe seine am Vortag und am Morgen öffentlich geäußerten Vorwürfe im direkten Gespräch nicht mehr wiederholt, berichten Teilnehmer hinterher. „Ich möchte bei euch bleiben“, zitiert ein Teilnehmer Trump. Lesen Sie auchSo soll das Thema Grönland nicht wieder aufgekommen sein, hieß es danach. Zum Schock der Europäer hat Trump das als abgeräumt geglaubte Problem nach seiner Ankunft in Ankara wieder aufgeworfen. Das halbautonome Territorium Dänemarks solle Teil der USA werden, statt weiter der Kontrolle Kopenhagens zu unterliegen. Einen Tag später bekräftigte er seine Haltung: „Tatsächlich wurde Dänemark in weniger als einem Tag von den Nazis überrannt – Hitler besiegte sie an einem Tag und übernahm die Macht –, und sie baten uns, uns um Grönland zu kümmern. Wir haben Grönland tatsächlich übernommen, und dann dummerweise wieder zurückgegeben. Wir hätten es ihnen nicht zurückgeben sollen.“Lesen Sie auchDie dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte daraufhin, Grönland stehe nicht zum Verkauf – und zog eine rote Linie für Trump. „Wir sind bereit, jeden Zentimeter der Nato zu verteidigen, einschließlich unseres eigenen Hoheitsgebiets“, sagte sie. „Selbstverständlich werden wir das Königreich Dänemark verteidigen.“Ob der Konflikt wieder aufbricht, ist weiterhin unsicher. Dänemark, Grönland und die USA nahmen Ende Januar Konsultationen auf. Trump habe eine diplomatische Lösung inzwischen vom Tisch gewischt, berichtet der britische „Telegraph“ unter Berufung auf US-Offizielle.Trump erklärt Waffenstillstand mit Iran für beendetAuch das Thema Iran birgt nach Trumps jüngsten Äußerungen weiter Sprengpotenzial. Man werde das Land heute Nacht „sehr hart treffen“, sagte Trump und drohte damit, die Insel Kharg einzunehmen. Den geschlossenen Waffenstillstand mit Teheran erklärte er am Morgen für „beendet“. Klar ist damit allerdings auch, dass die Straße von Hormus damit wieder geschlossen bleibt. Für die Europäer ist das heikel. Am Dienstag bezeichnete Trump die ausgebliebene Hilfe bei der Öffnung der Meerenge noch als Enttäuschung. Seine Bitte habe als Test gedient, den diese nicht bestanden hätten.Erfreulich aus Sicht der Europäer ist dagegen, dass Trump hinter verschlossenen Türen nicht weiter gegen einzelne Verbündete ausgeteilt haben soll, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Noch am Dienstag nahm der US-Präsident Spanien ins Visier. Er ist verärgert, weil das Land im Iran-Krieg die Nutzung von Militärbasen verweigerte, und weil Ministerpräsident Pedro Sánchez das Fünf-Prozent-Ziel der Nato nicht einhalten will. „Spanien ist ein furchtbarer Partner in der Nato. Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht“, sagte Trump. „Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben.“ Lesen Sie auchAuch beim Thema Ukraine konnten die Verbündeten offenbar erfolgreich in ihrem Sinne auf Trump einwirken. „Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass Sie eine Lizenz zum Bau von Patriot-Raketen haben möchten“, sagte Trump zu Selenskyj. „Die können wir Ihnen geben, das ist ziemlich cool“, fügte er hinzu. Im Übrigen habe man nun eine sehr gute Beziehung untereinander, so der US-Präsident. Für Kiew wäre ein Lizenz-Abkommen zur Produktion der Flugabwehrraketen ein Meilenstein. „Es ist der letzte Vorteil, den Russland noch hat“, sagte Selenskyj mit Blick auf die russischen Bombardements ukrainischer Städte. Wie schnell solch ein Deal zustande kommt, ist jedoch unklar. „Wir haben noch nicht mit den Firmen gesprochen“, gab Trump zu und mutmaßte: „Sie werden begeistert sein.“Auch in drei wesentlichen anderen Fragen zeigte sich Trump offen für die ukrainische Sichtweise. Auf die Frage einer ukrainischen Journalistin lobte er die ukrainischen Schläge gegen russische Ölraffinerien als Eskalation, die hoffentlich zu einem Deal führe. Dem wiederholt von Putin vorgebrachten Vorschlag eines Treffens mit Selenskyj in Moskau erteilte Trump eine Absage. „Ich habe Putin gesagt, es wird kein Treffen in Moskau geben“, so der US-Präsident. Und gegenüber Selenskyjs Bitte nach Sicherheitsgarantien aus Washington für den Fall eines Abkommens, zeigte sich Trump offen. „Das machen wir“, sagte er zu einem lächelnden Selenskyj.