PfadnavigationHomePanorama„Maischberger“„Ausdruck eines tiefen Zerwürfnisses zwischen den Vereinigten Staaten und Israel“Von Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 18.06.2025Lesedauer: 4 MinutenPolitikwissenschaftler und Militärexperte Carlo Masala bei „Maischberger“Quelle: © WDR/Oliver ZiebeDonald Trump hat Putin als Vermittler im Nahost-Konflikt vorgeschlagen. Damit werfe er „die Ukraine unter den Bus“, urteilt Politikwissenschaftler Carlo Masala bei „Maischberger“. Zugleich sende der US-Präsident dadurch ein Signal an Netanjahu, wie tief ihre Meinungsverschiedenheiten seien.Das Russland-Manifest zur „Friedenssicherung in Europa durch Verteidigungsfähigkeit, Rüstungskontrolle und Verständigung“ aus den Reihen von SPD-Politikern wie Rolf Mützenich, Hans Eichel und Norbert Walter-Borjans stößt nach wie vor auf breite Kritik. Erstunterzeichner Ralf Stegner traf am Montagabend zum Streitgespräch bei Sandra Maischberger auf den Politikwissenschaftler Carlo Masala. Im Einzelgespräch trat die Bildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) auf. NZZ-Journalistin Susanne Gaschke, Kriegsreporterin Sophia Maier und Schriftsteller Werner Sonne kommentierten die Themen der Sendung.Es sei „unabdingbar“, die Ukraine militärisch, politisch und zivilgesellschaftlich zu unterstützen, forderte Sophia Maier, doch zugleich „diplomatische Perspektiven“ in den Diskurs zu holen. Wenn das Manifest der SPD-Friedenskreise imstande sei, dies zu leisten, habe es sich gelohnt. Werner Sonne kritisierte die Initiative dagegen deutlich. Die SPD gehe „Schulter an Schulter mit der AfD als Putin-Versteher“ durch jenes „Tor zur Hölle“, vor dem Rolf Mützenich den damaligen Oppositionsführer Friedrich Merz gewarnt hatte, als dieser die Stimmen der Rechtspopulisten für sein Zustrombegrenzungsgesetz in Kauf genommen hatte.Ralf Stegner sah es genau andersherum – als Maßnahme gegen AfD und BSW. „Wenn wir dieses Thema den Populisten überlassen“, warnte der SPD-Politiker, „dann darf man sich nicht wundern, wenn solche Stimmergebnisse rauskommen.“ Seine Partei habe „nichts gemein mit den Rechtsradikalen“, doch in der Vergangenheit sei sie stets als „Friedenspartei“ aufgetreten. Carlo Masala widersprach der historischen Rolle der SPD, immerhin sei sie die Partei der Nachrüstung, des Kosovo- und des Afghanistan-Einsatzes. „Die SPD hat auch diese Seite – und nicht nur den Olivenzweig und die Friedenstaube“, korrigierte er.„Man muss mit den Feinden reden, wenn man Frieden haben will“, insistierte Stegner mit Bezug auf den früheren israelischen Außen- und Verteidigungsminister Mosche Dajan. „Es wird beständig mit den Feinden geredet“, erwiderte Masala ungeduldig. Vor dem Ausbruch der russischen Invasion sei jeder Europäer zu Wladimir Putin gereist, um ihm zu versichern, dass die Ukraine niemals Nato-Mitglied werde. Später habe es chinesische, brasilianische und afrikanische Friedensinitiativen gegeben. Olaf Scholz und Emmanuel Macron hätten sich bemüht, Donald Trump mache einen „riesen Bohei“. „Seit 1208 Tagen wird geredet.“Im anderen großen Konflikt zwischen Israel und dem Iran hatte Donald Trump unlängst Putin als Vermittler vorgeschlagen. Damit werfe er „die Ukraine unter den Bus“, urteilte Masala. An den russischen Präsidenten sende er das Signal, dass er ein gleichberechtigter Partner neben den Vereinigten Staaten sei. Dafür werde Putin mit Blick auf die Ukraine einen Preis verlangen. Zugleich sende Trump damit das Signal an Benjamin Netanjahu, wie tief seine Meinungsverschiedenheiten mit Israel seien. „Das ist ein Ausdruck eines tiefen Zerwürfnisses zwischen den Vereinigten Staaten und Israel“, bewertete der Militärexperte.Lesen Sie auchDie rechtliche Bewertung des militärischen Vorgehens Israels beachte der US-Präsidenten indes kaum. Trump interessiere sich weder für das Völkerrecht noch für die humanitäre Situation im Gazastreifen, erläuterte Masala. Der nun mit der Operation „Rising Lion“ gestartete Krieg gegen den Iran sei vom Völkerrecht nicht gedeckt. Bei konkreten Hinweisen gebe dieses die Möglichkeit, einem unmittelbar bevorstehenden Angriff zuvorzukommen. „Das ist nicht der Fall“, resümierte der Politikwissenschaftler. „Das ist noch nicht mal eine Grauzone. Es ist wirklich außerhalb des Völkerrechts.“Lesen Sie auchSonne schlug eine andere Richtung ein. „Man muss durchaus die Trump-Regierung erst mal loben“, forderte der Autor. Sie habe sich zunächst bemüht, mit dem Iran für 60 Tage zu verhandeln. Letztlich habe sich die Islamische Republik nicht darauf eingelassen, ihre Urananreicherung zu stoppen. Der israelische Angriff sei demnach gerechtfertigt gewesen. Susanne Gaschke stimmte ihm explizit zu. Es bestehe das „klare Ziel“ des Staates, Israel zu vernichten. „Ich weiß nicht, ob wir als Deutsche sagen sollten, Israel soll sich mal lieber ans Völkerrecht halten – bis es vernichtet wird“, riet die Journalistin mit Verweis auf die historischen Gründe.Das sah Maier „fundamental anders“. Mit der militärischen Operation führe die israelische Regierung ihren „konstanten Völkerrechtsbruch“ fort. Beirut sei trotz Waffenstillstands erst zehn Tage zuvor bombardiert worden, Syrien werde seit dem Sturz al-Assads ohne akute Bedrohung hundertfach angegriffen und in Gaza fänden „Kriegsverbrechen vor den Augen Weltöffentlichkeit“ statt, beanstandete die Kriegsreporterin. „Ich bin in einer Welt groß geworden, in der mir gesagt wurde, Völkerrecht und internationales Recht ist unverhandelbar und das ist die Basis unserer werteorientierten Zusammenkunft auf der Welt.“Dominik Lippe berichtet für WELT regelmäßig über die abendlichen Polit-Talkshows. Der studierte Biologe ist Absolvent der Axel Springer Academy of Journalism & Technology.
„Maischberger“: „Ausdruck eines tiefen Zerwürfnisses zwischen den Vereinigten Staaten und Israel“ - WELT
Donald Trump hat Putin als Vermittler im Nahost-Konflikt vorgeschlagen. Damit werfe er „die Ukraine unter den Bus“, urteilt Politikwissenschaftler Carlo Masala bei „Maischberger“. Zugleich sende der US-Präsident dadurch ein Signal an Netanjahu, wie tief ihre Meinungsverschiedenheiten seien.






