Hille (dpa/lnw) - Den Pool befüllen, den Rasen bewässern oder die Terrasse großzügig mit dem Schlauch kühlen: In vier Gemeinden in Ostwestfalen ist all das ab diesem Mittwoch verboten. Weil bei der tagelangen Hitze mehr Trinkwasser verbraucht wurde, als nachgefüllt werden konnte, leeren sich die Wasserspeicher für die Gemeinden Hille, Hüllhorst, Bad Oeynhausen und Löhne im Nordosten des Bundeslandes schneller als sie nachgefüllt werden können. Mit einer kommunalen Verordnung, die jegliche nicht notwendige Nutzung der knapper werdenden Ressource untersagt, versucht der zuständige Wasserbeschaffungsverband „Am Wiehen“ nun gegenzusteuern. Das Wasser darf demnach nur noch zum Kochen, Trinken und der persönlichen Hygiene verwendet werden. Wer das kostbare Gut im Garten oder für die Autowäsche verschwendet, riskiert dagegen ein Bußgeld von 1.000 Euro. Was steckt dahinter und droht uns nun das Wasser auszugehen? Einige Antworten zur Trinkwasserversorgung in NRW. Wieso hat sich die Lage in den Gemeinden so zugespitzt?Hintergrund sei ein anhaltend hoher Trinkwasserverbrauch, der trotz vorangegangener Sparappelle nur wenig reduziert worden sei. Dies habe dazu geführt, dass die Hochbehälterstände des Wasserversorgers kontinuierlich sinken, weil mehr Wasser entnommen werde als durch eigene Förderung und Zulieferung nachfließen könne, so der Wasserversorger. Sinke die Füllmenge unter einen kritischen Wert, könne die Wasserversorgung zusammenbrechen. Wie lange der Ausnahmezustand gelten soll, ist offen. Die Lage werde täglich neu bewertet.Vorausgegangen waren bereits seit Tagen Sparappelle. Eine „Trinkwasserampel“, die Bürgerinnen und Bürger bei drohender Knappheit zum richtigen Verhalten anhalten soll, stand bereits seit mehreren Tagen auf Rot. Doch der damit verbundene Appell auf nicht notwendige Nutzung zu verzichten, habe nicht ausreichend gewirkt, bilanzieren die Bürgermeister. Droht eine solche Lage auch anderswo in NRW?Auch in anderen Städten in OWL - etwa in Bielefeld, Minden, Rheda-Wiedenbrück, Geseke oder Rietberg - zeigen auf Gelb geschaltete Ampeln aktuell eine angespannte Trinkwasserversorgung an. Rund um Pfingsten hatte auch Jülich bei Aachen eine akute Wasserknappheit gemeldet, aber inzwischen Entwarnung gegeben: Der Verbrauch sei gesunken, zusätzliches Wasser konnte ins System fließen. Drohen ähnliche Einschränkungen auch anderswo?Probleme, wie sie sich in einzelnen Gemeinden aktuell zeigen, liegen am deutlich gestiegenen Verbrauch nicht daran, dass uns das Wasser ausgeht: „Es liegt keine Wasserknappheit bei den Trinkwasserressourcen vor. Vielmehr ist die Situation durch das technische Versorgungssystem bedingt“, erläutert Berthold Niehues, Leiter des Bereichs Wasserversorgung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), ein Verband, der unter anderem die Interessen vieler Wasserversorger und Stadtwerke vertritt. Wenn örtlich gleichzeitig mehr Wasser verbraucht werde als technisch in kurzer Zeit nachgefüllt werden könne, drohen Speicher leerzulaufen. „Man darf sich auch mal dazu bekennen, dass ein brauner Rasen auch schön ist“, sagt Berthold Niehues vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches Hauke-Christian Dittrich/dpa„Klettern die Temperaturen über 30 Grad ist das ein Phänomen, das immer wieder an einzelnen Standorten bundesweit auftaucht“, sagt Niehues. Teilweise steige der Verbrauch während solcher Hitzeperioden um das eineinhalbfache oder sogar mehr. Häufig werde die Nachfüll-Situation auch dadurch erschwert, dass sich die Zeiten dieses Spitzenverbrauchs an heißen Tagen vor allem auf die Abendstunden konzentrieren, wenn noch mal der Rasen gewässert und zeitgleich geduscht wird. Gibt es denn in NRW aktuell einen Wassermangel?Trotz Hitze gibt es aktuell keine landesweite Wasserknappheit, bestätigt Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) in NRW. Das Rohwasser, aus dem die Wasserversorger das qualitätsgesicherte Trinkwasser gewinnen, speist sich demnach aus mehreren Quellen. Fast die Hälfte wird dem Grundwasser entnommen - hier wiesen die Grundwassermeldestellen zuletzt mittlere, hohe oder sogar sehr hohe Werte auf. Auch der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt zwischen Rhein und Weser keine kritischen Werte an. Ebenso seien Talsperren und Flüsse seien ausreichend gefüllt, so die Lanuk-Sprecherin. Der nasse Mai habe für „komfortable Füllstände“ der Talsperren gesorgt, bestätigt auch Britta Balt, Sprecherin beim Ruhrverband, der mit seinen Talsperren die Trinkwasserversorgung im Ruhrgebiet sichert. Am Morgen waren sie noch zu über 90 Prozent gefüllt. Zwar lasse man aktuell mehr ab als nachfließe, „Wir sind aber noch sehr weit von einer Situation wie im Dürrejahr 2018 entfernt“, so Balt. Ist denn trotzdem Wassersparen angesagt?„Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nummer 1 - damit sollte man nicht nach Lust und Laune rum aasen“, sagt DVGW-Mann Niehues. Um in einer Solidargemeinschaft diese wichtige Ressource zu schützen, gelte es der Appell zur Sparsamkeit gerade in Hitzeperioden unabhängig davon, was behördlich angeordnet werde. „Man darf sich auch mal dazu bekennen, dass ein brauner Rasen auch schön ist“, sagt Niehues. Wenn es regne, wachse der schon wieder nach. „Und es macht ja auch einen Unterschied, ob ich einen 15.000 Liter Pool befülle oder mit den Kids mal in den Garten gehe und alle mit dem Wasserschlauch abspritze“© dpa-infocom, dpa:260623-930-268330/2

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