Erfurt (dpa/th) - Mit einer Kranzniederlegung auf dem Marktplatz von Nordhausen und einer Gedenkveranstaltung haben Thüringer Landespolitiker an die Opfer der Aufstände des 17. Juni 1953 erinnert. Thüringens Landtagspräsident Thadäus König sagte vorab, der 17. Juni sei Mahnung und Erinnerung zugleich. Obwohl die Aufstände niedergeschlagen worden seien, hätten die Menschen damals die Erfahrung gemacht, dass sie nicht allein gewesen seien.Diktatur ins Wanken gebracht„Sie hatten erfahren, dass aus vielen einzelnen Stimmen eine gemeinsame werden konnte, und sie hatten erlebt, dass man eine Diktatur zum Wanken bringen kann, wenn man entschlossen handelt“, sagte König laut einer Mitteilung. Diese Erfahrung habe sich während der Friedlichen Revolution 1989/90 wiederholt.Haft und TodesstrafenRund eine Million Menschen waren in der DDR vor 73 Jahren in rund 700 Orten gegen die politisch und wirtschaftlich angespannte Lage auf die Straße gegangen. Aus spontanen Streiks entwickelte sich ein Aufstand mit Rufen nach Freiheit und Einheit. Der Aufstand wurde unter Einsatz sowjetischer Panzer gewaltsam niedergeschlagen. DDR-weit kamen bei dem Aufstand mehr als 50 Menschen ums Leben. Rund 10.000 Demonstranten wurden laut Bundesstiftung Aufarbeitung festgenommen, mehr als 1.500 von ihnen zu Haftstrafen und einige sogar zum Tode verurteilt.Bei der Gedenkveranstaltung in Nordhausen waren neben Landtagspräsident König auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) und der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Peter Wurschi, anwesend.Voigt: „Tag des Mutes“Voigt sagte in einer Rede, man gedenke den Menschen, die in der DDR gepeinigt worden seien, denen Unrecht geschehen sei. „Um damit eben auch deutlich zu machen, dass wir in so einem Land nie wieder leben wollen.“ Das seien Menschen gewesen, deren einziges Vergehen oft darin bestanden habe, frei zu denken und frei reden zu wollen. Voigt sagte, der 17. Juni sei „kein Tag der Niederlage, sondern es ist ein Tag des Mutes gewesen“. Daran zu erinnern, sei umso wichtiger. Es sei das erste laute Nein in der Diktatur in Thüringen gewesen. Der SED-Unrechtsstaat habe sich häufig im Verborgenen vollzogen. „Wir dürfen nicht schweigen, wir sind es den Opfern schuldig.“ Demokratie lebe im Kern davon, dass es Menschen gebe, die die Wahrheit aussprächen.© dpa-infocom, dpa:260617-930-234582/2

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