Alles vergessen? Schon in der späten alten Bundesrepublik war die Erinnerung an den blutig niedergeschlagenen Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 weitgehend verblasst. Immerhin gab der gesetzliche Feiertag nicht nur schulfrei, sondern (dadurch) auch Anlass zum Nachdenken. Heute wird am 3. Oktober der „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert.Geflaggt wird aber immer noch am 17. Juni, nicht nur während einer Fußball-Weltmeisterschaft. Denn dieser Tag ist immer noch ganz offiziell der nationale Gedenktag, den Bundespräsident Heinrich Lübke 1963 einführte. Mit Worten, die bis heute nachhallen sollten.Ein Riss durch das LandLübke erinnerte an das „Recht unseres ganzen Volkes auf Freiheit und Selbstbestimmung“. Die Deutschen in der Bundesrepublik seien „vor der Geschichte und vor unserem Gewissen verpflichtet, für die einzustehen, die noch immer einem Unrechtsstaat ausgeliefert sind“. Beteuerungen seien unglaubwürdig, wenn sie nicht durch Taten bestätigt würden. Die Redlichkeit unserer Gesinnung werde daran gemessen werden, wie wir den Tag der Deutschen Einheit begehen. Dieser Tag dürfe nicht den Feiertagen zugerechnet werden, die „zur Entspannung, Erholung oder gar dem Vergnügen dienen“. Am 17. Juni wollen wir, so der Bundespräsident, den „Kämpfern für Freiheit und Einheit in Mitteldeutschland und Ost-Berlin beweisen, dass wir ihr Opfer verstanden haben“.Auch Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung, die damals nicht absehbar war, geht noch ein Riss durch Deutschland. Das ist verständlich angesichts des Umbruchs und der jahrzehntelangen Unterdrückung durch das kommunistische Regime in der DDR.Weniger verständlich sind Ignoranz im Westen und Beschönigungen im Osten über die tatsächlichen Zustände zur Zeit von Teilung und Gewalt. Lübke zeigte sich 1963 überzeugt: „Wir sind ganz gewiss. Was zusammengehört und zusammen war, wird auch wieder zusammenkommen.“ So ist es. Und dafür muss weiter gearbeitet werden. An jedem Tag.
17. Juni 1953: Gedenken an Aufstand in DDR ist aktuell
Was viele nicht wissen: Der 17. Juni ist weiterhin nationaler Gedenktag. Er sollte nicht nur dem Erinnern dienen, sondern auch der inneren Einheit.











