Berlin (dpa) - Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat mit einer pessimistischen Einschätzung zur geplanten Bafög-Reform einen neuen Koalitionskrach ausgelöst. „Mein Haus hat alle Weichen gestellt für die Bafög-Reform, und wir sind auch im Zeitplan. Ich habe aber auch gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt wird“, sagte die CSU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.Dabei schien ein Streit über die Finanzierung der geplanten Bafög-Reform Ende April beigelegt. Man gehe beim Bafög jetzt regulär ins Gesetzgebungsverfahren, sagte damals eine Sprecherin des Forschungsministeriums. Zumindest die SPD ging seither fest davon aus, dass die Reform steht, weshalb Bärs Äußerung nun maximale Irritation auslöst.SPD reagiert überrascht und verärgert„Da die SPD-Fraktion geschlossen für die Umsetzung der vereinbarten BAföG-Reform zum Wohle der Fachkräfte von Morgen steht, sind die Äußerungen von Dorothee Bär schlicht falsch und nicht zutreffend“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar. Sie rate der Union dringend „hier kein Chaos zu verursachen“, sondern sich an das zu halten, was vereinbart sei. „Die Koalitionsfraktionen haben sich gemeinsam auf eine Bafög-Reform verständigt, die mehr Flexibilität, den Abbau von Bürokratie sowie eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale und Regelsätze vorsieht.“ Diese Verständigung sei auf Basis des Koalitionsvertrags erfolgt und gelte fort. „Gemeinsam mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wurde bereits eine Finanzierung sichergestellt“, sagt Esdar.Die SPD-Fraktion glaubte die Bafög-Reform schon in trockenen Tüchern. (Archivfoto) Markus Lenhardt/dpaEine einseitige Aufkündigung der Vereinbarung der Koalition zum Bafög würde nicht nur den Nachwuchskräften und dem Standort Deutschland schaden, sondern auch der Koalition und der demokratischen Kultur insgesamt.Die Unionsfraktion kommentierte die Äußerungen der Forschungsministerin zunächst nicht.Bafög-Modernisierung im Koalitionsvertrag angekündigtIm Koalitionsvertrag hatten Union und SPD angekündigt, das Bafög „in einer großen Novelle“ zu modernisieren. Im ersten Schritt sollte demnach zum kommenden Wintersemester die im Bafög enthaltene Wohnkostenpauschale für Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von derzeit 380 auf 440 Euro im Monat angehoben werden. Anschließend sollte der sogenannte Bafög-Grundbedarf - aktuell 475 Euro im Monat - in zwei Schritten zum Wintersemester 2027/2028 und ein Jahr später dauerhaft an das Niveau der Grundsicherung angepasst werden. Der eigentliche Bafög-Satz wird immer individuell nach Einkommen der Eltern und anderen Faktoren berechnet.Bär zeigt Verständnis für möglichen Reform-StoppBär zeigte Verständnis für einen möglichen Stopp der Reform. „Wenn Pflegebedürftige sparen sollen und beim Elterngeld Kürzungen vorgenommen werden, dann ist nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig an anderer Stelle große zusätzliche Leistungen verspricht“, sagte sie. „Politik besteht eben darin, Prioritäten zu setzen und tragfähige Gesamtpakete zu schnüren. Und am Ende bringt es auch nichts, Forderungen ins Parlament einzubringen, von denen man weiß, dass sie keine Mehrheit finden.“Forschungsministerin Bär (CSU) sieht die Reformpläne in den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt. (Symbolbild) Jan Woitas/dpaDie Situation für Studierende in Deutschland beschrieb die Ministerin als sehr privilegiert. „Es gibt keine Studiengebühren, und der Staat ermöglicht vielen jungen Menschen überhaupt erst ein Studium.“ Es sei „kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben – viele sammeln dabei sogar wichtige Erfahrungen fürs Leben und den Beruf“, gegebenenfalls in den Semesterferien. „Es wird kein Vollkaskostudium geben, jeder muss seinen Teil dazu beitragen“, sagte sie.Empörung des Studierendenwerkes ist der Ministerin sicherAuf Ablehnung stießen ihre Äußerungen auch beim Deutschen Studierendenwerk. Deren Vorstandsvorsitzender, Matthias Anbuhl, warf Bär vor, den Bezug zur Lebenswirklichkeit vieler Studierender verloren zu haben. Laut Statistischem Bundesamt geben Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen, im Durchschnitt 53 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnkosten aus - deutlich mehr als in der Gesamtbevölkerung mit knapp 25 Prozent (2024). Die Union habe bei den jüngeren Wählern zuletzt drastisch an Zustimmung verloren, sagte Anbuhl. Breche die Koalition tatsächlich ihr Versprechen beim Bafög, werde sich dieser Trend fortsetzen.Kritik von den GrünenGrünen-Fraktionsvize Misbah Khan will hier ein wiederkehrendes Muster erkennen: Vor allem im sozialen Bereich zeige sich, dass viele Vereinbarungen und Versprechen aus dem Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot nichts wert seien, sagte sie. „Gerade weil Bildungschancen das wichtigste Zukunftsversprechen einer gerechten Gesellschaft sind, ist es fatal, dass sowohl die finanzielle Unterstützung für Menschen in Ausbildung als auch die Infrastruktur der Hochschulen vernachlässigt werden.“© dpa-infocom, dpa:260530-930-151918/4

Berlin (dpa) - Bundesforschungsministerin Dorothee Bär rechnet nicht mehr mit einer schnellen Reform der Ausbildungsförderung Bafög. „Mein Haus hat alle Weichen gestellt für die…

Hier finden Sie Informationen zu dem Thema „Studienfinanzierung“. Lesen Sie jetzt „Ministerin Bär stellt sich auf Aus für Bafög-Reform ein“.

Forschungsministerin Bär erwartet kein schnelles Bafög-Update mehr. Warum sie Verständnis für einen etwaigen Stopp der Reform zeigt und wie die SPD darauf reagiert.

SPD-Fraktionsvize Esdar widerspricht Ministerin Bär: Die SPD will die Bafög-Modernisierung wie vereinbart umsetzen. Welche Änderungen für Studierende geplant sind.

Forschungsministerin Bär erwartet kein schnelles Bafög-Update mehr. Warum sie Verständnis für einen etwaigen Stopp der Reform zeigt.

Die eigentlich vereinbarte Bafög-Reform könnte als zu teuer abgesagt werden. Nicht so schlimm, findet die zuständige Ministerin Dorothee Bär. Studierende in Deutschland seien…

Union und SPD hatten sich auf eine Erhöhung des BAföG-Satzes geeinigt. Doch Forschungsministerin Bär glaubt nicht, dass die Reform noch kommt. Dafür gebe es in den Fraktionen…

Die Reform war fest eingeplant – doch sie wird wohl nicht kommen. Forschungsministerin Dorothee Bär verteidigt den möglichen Stopp der Bafög-Erhöhung. Und erklärt Studierenden, es…

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Die geplante Reform des BAföG steht auf der Kippe. Forschungsministerin Dorothee Bär geht davon aus, dass das Vorhaben in den Regierungsfraktionen keine ausreichende Unterstützung…

Die BAföG-Reform stand im Koalitionsvertrag, doch daraus wird wohl nichts. Forschungsministerin Bär verteidigt den Stopp und nennt die Situation deutsche Studierende „sehr…

Forschungsministerin Dorothee Bär erwartet doch keine schnelle Bafög-Reform mehr. Studierende sollen lieber „jobben“ gehen. Nur: Tun die meisten bereits.

Forschungsministerin Bär erwartet kein schnelles Bafög-Update mehr. Die Linke im Thüringer Landtag kritisiert das – und sieht Studierende in ihrer Existenz bedroht.

Hier finden Sie Informationen zu dem Thema „Finanzierung des Studiums“. Lesen Sie jetzt „Wissenschaftsministerin Martin gegen Stopp von Bafög-Reform“.

Die Bundesforschungsministerin hatte Zweifel an einer raschen Bafög-Reform geäußert. Die SPD widerspricht: Die Fraktion stehe geschlossen zur Umsetzung der Reform.

Wiebke Esdar: Finanzierung für Reform ist bereits sichergestellt +++ Kubicki FDP-Bundesvorsitzender, Höne Stellvertreter, Hagen Generalsekretär +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Bundesforschungsministerin Bär hatte Zweifel an einer schnellen Bafög-Reform geäußert. Die SPD will die Modernisierung wie vereinbart umsetzen.

Hier finden Sie Informationen zu dem Thema „Studienfinanzierung“. Lesen Sie jetzt „Aus für Bafög-Reform? Minister Mohrs ist «schwer irritiert»“.

Berlin (dpa) - Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat mit einer pessimistischen Einschätzung zur geplanten Bafög-Reform einen neuen Koalitionskrach ausgelöst. „Mein Haus hat…

Kommentar: Die Union würde die BaföG-Reform gern abräumen – aber das rüttelt am Aufstiegsversprechen der Bildungspolitik