KommentarSchwedens Rechtspopulisten haben sich verrannt – geschlagen sind sie deswegen nichtDie Schwedendemokraten haben in der Migrationspolitik eine überfällige Kehrtwende durchgesetzt. Aber sie wurden Opfer ihres eigenen Erfolgs und verpassten es, neue Themen zu setzen.14.09.2026, 12.26 Uhr3 LeseminutenJimmie Akesson, der Chef der Schwedendemokraten, spricht in der Wahlnacht zu seinen Anhängern.Pontus Lundahl / ImagoAls Ministerpräsident Ulf Kristersson 2022 mit den Schwedendemokraten (SD) paktierte, brach er ein Tabu. Erstmals stützte sich eine schwedische Regierung auf eine Partei aus dem rechtsextremen Spektrum, die einen kompromisslosen Kurs in der Ausländerpolitik verficht. Ausgerechnet in dem skandinavischen Königreich, das sich über Jahrzehnte hinweg als «humanitäre Supermacht» definiert hatte. Nicht nur Linke empörten sich, als die Brandmauer gegen rechts niedergerissen wurde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vier Jahre später belegt die Bilanz: Der Tabubruch war wirksam. Schweden riss das Ruder in der Migrationspolitik wieder an sich und steckte mehr Ressourcen in die Bekämpfung der Bandenkriminalität. Die SD zwangen den konservativen Ministerpräsidenten zum Handeln.Heute bewegen sich die Migrationszahlen auf dem tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten. In Problemquartieren von Stockholm gelang es dank schärferen Gesetzen und einer höheren Polizeipräsenz, Schiessereien und Bandenmorde in den Ausländerghettos einzudämmen. Auch wird der Missbrauch des Sozialstaats durch Gang-Warlords und andere Kriminelle endlich angegangen.Zum ersten Mal StimmenverlusteWieso haben die Wählerinnen und Wähler die Rechtspopulisten, die als Mehrheitsbeschaffer diese rabiate Kurskorrektur vorgaben, trotzdem bestraft? Zum ersten Mal seit ihrem Einzug ins Parlament vor 16 Jahren haben die Schwedendemokraten am Sonntag nämlich Stimmenanteile verloren.Sie wurden Opfer ihres eigenen Erfolgs. Als die Zuwanderung unkontrolliert nach oben schnellte und der blutige Bandenkrieg eskalierte, schlug die Stunde dieser Law-and-Order-Partei. Inzwischen hat sich die Lage aber beruhigt, und die Schwedendemokraten büssten dadurch ihr Alleinstellungsmerkmal ein. Statt die Wählerbasis mit zusätzlichen Themen zu verbreitern, verbiss sich der Parteichef Jimmie Akesson in die Asyl- und Migrationspolitik.Sinnbildlich dafür steht das von den SD initiierte «Wohlverhaltensgesetz»: Danach können Ausländer bereits wegen diffuser Bagatellen oder angeblicher Verletzung gesellschaftlicher Normen abgeschoben werden. Das dürfte vielen Wählern zu weit gegangen sein, zumal die Rechtspopulisten eingleisig auf Repression setzen: «Keine Krone für die Integration» lautet eine ihrer Parolen.Zudem muss man bezweifeln, dass die Schwedendemokraten so geläutert sind, wie sie sich nach aussen darstellen. Sie behaupten zwar, Nazi-Sympathisanten und Extremisten aus ihren eigenen Reihen entfernt zu haben. Und die Partei entschuldigte sich für ihre Vergangenheit. Gleichwohl fallen Parteimitglieder weiterhin mit Entgleisungen auf – sei es durch pauschale Beleidigungen religiöser Minderheiten, rassistisches Geschwätz oder Verbindungen zu kremlnahen Bewegungen.Eine direkte Beteiligung an der Regierung ist das ZielUngeachtet dieses Reputationsrisikos hatte der konservative Ministerpräsident Ulf Kristersson den Schwedendemokraten vor der Wahl angeboten, sie an der Regierung zu beteiligen, sollte er im Amt bleiben. Wegen des äusserst knappen Wahlergebnisses ist ein solches Szenario keineswegs ausgeschlossen, auch wenn die Rechtsaussenpartei Wähleranteile verloren hat. Scheitert das linke Lager wegen Meinungsdifferenzen daran, sich auf eine Koalition zu einigen, könnten die rechten Hardliner am Ende doch noch triumphieren.Sie würden dann nicht mehr wie bisher die Regierungspolitik als Juniorpartner aus dem Hinterzimmer steuern, sondern direkt am Kabinettstisch sitzen. Das wäre der zweite, noch weitreichendere Tabubruch. Doch auch diesen hielte eine gefestigte Demokratie wie Schweden aus. Das zeigt gerade das jüngste Wahlresultat: Wenn die Schwedendemokraten übertreiben, erhalten sie die Quittung.Passend zum Artikel
Schwedens Rechtspopulisten haben sich verrannt – geschlagen sind sie deswegen nicht
Die Schwedendemokraten haben in der Migrationspolitik eine überfällige Kehrtwende durchgesetzt. Aber sie wurden Opfer ihres eigenen Erfolgs und verpassten es, neue Themen zu setzen.












