Die Linke liegt bei den Wahlen in Schweden hauchdünn vorne – doch der bürgerliche Ministerpräsident Ulf Kristersson will nicht gehenNach der Auszählung von über 90 Prozent der Stimmen sieht es nach einem Wahlsieg der Linksparteien aus. Die Schwedendemokraten verlieren am meisten Wähler. Ausgeschlossen ist ihr Einzug in die Regierung trotzdem noch nicht.14.09.2026, 07.06 Uhr3 LeseminutenMagdalena Anderssons Sozialdemokraten haben Wählerstimmen eingebüsst. Trotzdem freut sie sich über das Resultat.Jonas Ekstromer / EPAAm Ende wurde es in Schweden doch noch spannend. Der linke Block hatte in den Meinungsumfragen lange deutlich vorne gelegen, doch in den letzten Wochen verringerte sich der Abstand deutlich. Vor dem Tag der Wahl lagen die Opposition und die Regierungsparteien samt den Schwedendemokraten fast gleichauf. Auch in den Hochrechnungen herrscht noch am Morgen nach der Wahl praktisch Gleichstand.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Heute Abend erwartet uns ein Horrorszenario», titelte «Dagens Nyheter», die führende Zeitung des Landes am frühen Abend. Sie spielte damit auf den möglichen Einzug der Rechtsnationalen in die Regierung an. Den hatte der amtierende Ministerpräsident Ulf Kristersson den Schwedendemokraten im Falle eines Wahlsiegs der Rechten versprochen.Doch es könnte anders kommen. Nachdem 94 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, hält der linke Block mit 176 zu 173 Sitzen die Mehrheit im Parlament. Die grösste Partei bleiben trotz Einbussen die Sozialdemokraten. Die Linkspartei konnte ordentlich zulegen und überholte die Zentrumspartei. Die wohl grösste Überraschung spielte sich jedoch im rechten Block ab.Schwedendemokraten verlieren am meisten WählerBei den letzten Wahlen waren die Schwedendemokraten die grösste rechte Partei und es sah lange so aus, als ob sie dies auch bleiben würden. Am Sonntag wurden sie wider alle Vorhersagen von den Moderaten überholt. Diese holten 19,9 Prozent, die Rechtsnationalen fielen auf 17,6 Prozent zurück und verloren elf Sitze im Parlament.Von der Zusammenarbeit mit den Rechtsnationalen als Juniorpartner der Regierung haben alle Koalitionsparteien profitiert. Die Schwedendemokraten dagegen büssten 2,9 Prozent an Wählerstimmen ein. Laut einer Wahlumfrage des öffentlich-rechtlichen Senders SVT gingen diese Stimmen vor allem zu den Moderaten und Christlichdemokraten.Jimmie Akesson, der Parteichef der Schwedendemokraten, sieht trotzdem Grund zu jubeln. «Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass wir bei diesen Wahlergebnissen die Gewinner sind, weil viele keine Angst mehr haben, zuzugeben, dass sie Schwedendemokraten sind», sagte er zu «Dagens Nyheter».Komplizierte KoalitionsverhandlungenSollte sich das Resultat bestätigen, wird es den Sozialdemokraten als grösste Partei zufallen, eine Regierung zu bilden. Die Parteichefin Magdalena Andersson steht dann vor einer schwierigen Aufgabe. Die Zentrumspartei lehnt eine Regierungsbeteiligung mit der Linkspartei ab. Die Linkspartei wiederum weigert sich, eine Regierung zu unterstützen, an der sie nicht beteiligt ist. Erst recht, nach dem sie die Zentrumspartei überholt hat. Sowohl die Grünen wie die Christlichdemokraten bekundeten vor der Wahl kein Interesse an einer Mitte-Links-Regierung.Solange Andersson keine Regierungsalternative präsentieren kann, will der amtierende Ministerpräsident Ulf Kristersson seine Niederlage nicht eingestehen. Kristersson setzt seine Hoffnung auf eine Spaltung der Opposition, um wieder an die Macht zu kommen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Sollte die Zentrumspartei die Seite wechseln, käme der rechts-bürgerliche Block auf eine Mehrheit. Ein komplettes Scheitern der Regierungsbildung wiederum würde Neuwahlen erzwingen. Noch ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Mehrheitsverhältnisse in letzter Minute kippen könnten.Ulf Kristersson, der Parteichef der Moderaten, kündigte vor der Wahl an, dass für ihn «glasklar» sei, mit wem er in die Regierung einziehen wolle. Die rechtsnationalen Schwedendemokraten, die Kristerssons Regierung in der vergangenen Legislatur als Mehrheitsbeschaffer im Parlament dienten, wollen diesmal offiziell ins Kabinett einziehen. Geht es nach Kristersson werden sie dies auch tun.Doch ganz so einfach ist es nicht. Ebba Busch, die Vorsitzende der Christlichdemokraten, hat grosse Skepsis an der Regierungsbeteiligung der Rechtsnationalen verlauten lassen. Die Schwedendemokraten haben ihre Wurzeln im rechtsextremen Milieu, und nach den letzten Wahlen 2022 waren es insbesondere die Liberalen gewesen, die sich dagegen gestemmt hatte. Lange hat es so ausgesehen, als würden sie für die Zusammenarbeit abgestraft. Stattdessen legte die Partei sogar zu.Simona Mohamsson, die Parteichefin der Liberalen, sagte in der Wahlnacht: «Ich werde nicht dazu beitragen, dass Magdalena Andersson Ministerpräsidentin von Schweden wird. Ich habe das Vertrauen des schwedischen Volkes erhalten, um für eine blau-gelbe Regierung zu sorgen.» Mit gelb sind die Schwedendemokraten gemeint.Das endgültige Wahlresultat wird am Mittwoch erwartet, wenn alle Stimmen ausgezählt sind.Passend zum Artikel
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