Schweden wählt ein neues Parlament, und die Linke liegt in den Umfragen klar vorne. Die rechte Regierung hat geliefert – und genau das könnte ihr zum Verhängnis werdenWenn die Wähler zur Urne schreiten, geht es um Sicherheit und Geld. Darüber, wer in die Regierung einzieht, dürfte die Hauptstadt Stockholm entscheiden.11.09.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenMagdalena Andersson oder Ulf Kristersson? Zwischen ihnen wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entscheiden, wer Schwedens politische Führung übernimmt.Anders Wiklund / ImagoDie Enthüllung kommt pünktlich vor dem Wahltermin: Eine Funktionärin der rechtsnationalen Schwedendemokraten (SD) soll Verbindungen nach Russland haben und über die Jahre immer wieder prorussische und Putin-verherrlichende Botschaften in den sozialen Netzwerken verbreitet haben. 2017 wurde sie vom Kreml sogar nach Moskau eingeladen – eine gesponserte Reise, die sie auch antrat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Besonders brisant: Die Frau ist mit einem der engsten Vertrauten des Parteichefs Jimmie Akesson liiert.Sind die SD von Putin-Freunden unterwandert, und sind sie eine Gefahr für die Sicherheit Schwedens? Magdalena Andersson, die Parteichefin der Sozialdemokraten, fragt: «Ist es möglich, dass Informationen zur nationalen Sicherheit durchgesickert sind?» Zumindest ausschliessen kann das zum jetzigen Zeitpunkt wohl niemand. Die SD sitzen zwar nicht in der Regierung, sind aber als Mehrheitsmacher im Parlament indirekt an der Macht beteiligt.Trotzdem ist fraglich, ob der Fall den Rechtsnationalen nachhaltig schaden wird. Es ist nicht das erste Mal, dass Vertreter der Partei mit russlandfreundlichen Äusserungen auffallen. Gleichwohl rangiert sie in den jüngsten Umfragen auf Platz zwei – direkt hinter den Sozialdemokraten. Wenige Tage vor den Wahlen deutet alles darauf hin, dass die SD die stärkste bürgerliche Partei bleiben werden. Sollte das bürgerliche Lager die Wahl gewinnen, würden die Rechtsnationalen erstmals in die Regierung einziehen.Die Sozialdemokratin Magdalena Andersson hat die Wähler aufgefordert, keine der bisherigen Regierungsparteien zu wählen, da die SD sowohl das Aussen- wie auch das Verteidigungsministerium unter ihre Kontrolle bringen würden. Doch die Schweden scheinen ganz andere Sorgen zu haben.Innere Sicherheit war lange das wichtigste ThemaDie innere Sicherheit bleibt auch in diesem Wahlkampf ein wichtiges Thema. In der vergangenen Legislatur erreichte der Bandenkrieg in Schweden seinen Höhepunkt.Jüngst scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Die Polizei führt seit 2015 Buch über die problematischen Viertel des Landes. Sie rechnet damit, dass einige der als vulnerabel eingestuften Quartiere nächstes Jahr von der Liste verschwinden könnten. Laut einer diese Woche publizierten Umfrage fühlen sich die Menschen in Stockholm deutlich sicherer als vor drei Jahren. Ministerpräsident Ulf Kristersson glaubt sogar, «das Blatt gewendet zu haben».Tatsächlich hat die Regierung im Kampf gegen die organisierte Kriminalität viel getan. Sie hat die Mindeststrafen für Waffendelikte und den Besitz von Sprengstoff erhöht, die Befugnisse der Polizei erweitert und das Jugendstrafrecht verschärft. Statt in geschlossenen Jugendheimen müssen Minderjährige ihre Strafen künftig in Gefängnissen verbüssen. Die niedrigeren Strafen für Jugendliche wurden abgeschafft.Doch die Frage ist, wem die Wähler die Verbesserungen am Ende zuschreiben.Niemand kann den Schwedendemokraten absprechen, dass sie früher als die anderen Parteien vor der Bandenkriminalität gewarnt und die Verschärfungen vorangetrieben haben.Bei den letzten Parlamentswahlen 2022 holte das bürgerliche Lager, bestehend aus den Moderaten, den Christlichdemokraten und den Liberalen, zusammen mit den Schwedendemokraten eine knappe Mehrheit im Parlament. Die Schwedendemokraten wurden die stärkste bürgerliche Partei im Land, konnten aber keine Regierung bilden. Die Partei hat ihre Wurzeln im rechtsextremen Milieu, und insbesondere für die Liberalen war klar, dass sie keine Minister von den SD tolerieren würden.Als Kompromiss entstand das sogenannte Tidö-Abkommen: Als grösste rechte Partei sind die SD nicht im Kabinett vertreten, verhelfen der Regierung im Parlament jedoch zur Mehrheit. Als Gegenleistung für ihre Unterstützung stellten die Rechtsnationalen Forderungen. Die wichtigsten lauteten: eine scharfe Kurskorrektur in der Migrationspolitik und eine härtere Gangart gegen die Bandenkriminalität.Die Linken liegen deutlich vorneParadoxerweise könnten gerade die Erfolge im Kampf gegen die Bandenkriminalität und die Migration dazu führen, dass der rechte Block seine Mehrheit verliert. Für die Liberalen war die Kooperation mit den SD ein Todesstoss. Die Partei muss bangen, ob sie die Vier-Prozent-Hürde und den Einzug ins Parlament überhaupt schafft. Aber auch die SD und die Moderaten von Ministerpräsident Ulf Kristersson haben leicht eingebüsst.Die rechten Parteien kamen letztes Mal mit dem Versprechen an die Macht, die Sicherheit im Land zu erhöhen. Das scheint zumindest teilweise gelungen – wieso also sollte man sie wieder wählen?Neben der inneren Sicherheit beschäftigt die Wähler noch etwas ganz anderes: Geld. Die Lebenshaltungskosten und die Hypothekarzinsen sind gestiegen. Sechs Tage vor der Wahl lagen die linken Oppositionsparteien deutlich vorne. Sie haben versprochen, die Steuern auf Banken und hohe Einkommen zu erhöhen, um in das Gesundheitswesen und die Schulen zu investieren und armutsgefährdeten Haushalten zu helfen.Das hat die schwedische Wirtschaftselite in Aufruhr versetzt. Jacob Wallenberg, Vorsitzender des Schwedischen Unternehmerverbandes, sagt, er sei «zutiefst besorgt», was ein Wahlsieg der Opposition für die Wirtschaft bedeuten könnte. Es ist selten, dass sich Schwedens mächtigste Familie derart direkt in die Politik einmischt.Laut Fouad Youcefi, dem Wahlexperten des schwedischen Senders SVT, dürfte sich die Wahl am Ende in Stockholm entscheiden. In der Hochburg der Sozialdemokraten kämpfen sowohl die Liberalen, die Moderaten als auch die Schwedendemokraten um Wechselwähler.Passend zum Artikel