Nur gemach, liebe Anhängerinnen und Anhänger der Frankfurter Eintracht! Diese zurückhaltende Vorgabe wollte Frankfurts Frontmann im Sturm, Jonathan Burkardt, den Fans vor der Begegnung in Mainz nicht machen. Denn: „Ich bin kein Freund davon, jetzt groß an Geduld zu appellieren“, sagte der 26-Jährige im Klub-Podcast. „Die Leute müssen das sehen, dass wir auf dem Platz in die richtige Richtung gehen.“ Volle Fahrt voraus nach dem ersten Gegenwind im Spielbetrieb, das war Burkardts Marschroute für den Gang nach Mainz.Nach nur einem geholten Punkt in den ersten beiden Saisonspielen gegen Union Berlin und Augsburg war für Burkardt sportlich die Zeit reif für einen Frankfurter Richtungswechsel. Er glaube, dass das Spiel bei den Rheinhessen „zur richtigen Zeit kommt“, sagte der Angreifer. „Weil eben Emotionen drin sind.“ Richtig gedacht und gefühlt. Sie beflügelten die Frankfurter.Hinterher herrschte in Reihen der Eintracht tatsächlich pure Freude. Die Frankfurter setzten sich am Samstag 3:1 in Mainz nach Treffern des Doppeltorschützen Can Uzun (9. und 60. Minute) und Burkardt (45.) durch und bejubelten ihren ersten Saisonsieg. „Es war ein bisschen Druck auf dem Kessel.“ Daher sei es „wichtig“ gewesen, „klar gewonnen zu haben“, sagte Sportvorstand Markus Krösche hinterher. Und weiter: „Wir haben weniger Fehler gemacht, besser verteidigt. Und wir haben ein bisschen tiefer gespielt. Das hilft der Mannschaft, sich zu stabilisieren.“Erst der zweite Sieg in MainzNur der Mainzer Phillip Tietz verkürzte in der 89. Minute auf 1:3. Zur Begeisterung der Eintracht hielt Torhüter Noah Atubolu außerdem in der 43. Minute einen Elfmeter von Nadiem Amiri. „Das war ein Knackpunkt“, meinte Krösche. „Noah hat uns im Spiel gehalten.“ Es war erst Frankfurts zweiter Erfolg bei den Mainzern in 19 Bundesliga-Begegnungen. Was es für den neuen, alten Eintracht-Trainer Adi Hütter so besonders macht: Beide Siege gelangen unter seiner Anleitung.Er ist ganz offensichtlich der Trainertrumpf in dem Aufeinandertreffen zweier Nachbarn. „Starkes Statement der Mannschaft. Es war eine sehr gute Mannschaftsleistung“, lobte Hütter und sprach seinem Team ein „Sonderlob“ aus. Sein Mainzer Kollege Urs Fischer nannte im Gegenzug das Ergebnis eine „Ohrfeige“ für seine Mannschaft.„Ich glaube, viele setzen jetzt nicht auf uns“, meinte Burkardt vor dem Anpfiff. „Umso mehr wollen wir das Spiel gewinnen.“ An seiner Seite war diesmal nicht Younes Ebnoutalib, der Angreifer musste wie Mittelfeldspieler Mario Götze zunächst mit einem Platz auf der Bank vorliebnehmen. Von dort sahen sie, wie Burkardt auf der rechten Seite im Sprint den Treffer zum 1:0 vorbereitete. Sein Zuspiel verwertete der in der Mitte freistehende Can Uzun zum 1:0 (9.). Drei Minuten zuvor hatte Ritsu Doan aus der Drehung heraus mit seinem Distanzschuss nur den linken Pfosten des Mainzer Tores getroffen.Eine umgestellte DefensivreiheIns Tor traf dann Burkardt in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum 2:0; frei vor Torhüter Robin Zentner aufzutauchen, diese aussichtsreiche Möglichkeit ließ sich der Angreifer nicht entgehen. Burkardt wird Pluspunkte bei Bundestrainer Jürgen Klopp gesammelt haben, der im Stadion war.Hütter, der dem in der ersten Hälfte gut aufspielenden Neuzugang Noel Aseko zum Debüt im Eintracht-Trikot verhalf, hatte auf eine Dreierkette umgestellt: Mit Kapitän Robin Koch in der Mitte, Jeremiaha Maluze rechts und Lilian Brassier links. „Wir hatten heute die Mentalität, das Spiel gewinnen zu wollen“, sagte Koch. „Und die Dreierkette war auch noch hilfreich.“ Die Neuausrichtung sorgte grundsätzlich für Stabilität, in der ersten Halbzeit kamen die Mainzer vor 33.305 Zuschauern zunächst nicht zu nennenswerten Torchancen.Das änderte sich jedoch mit zunehmender Spielzeit. Ein Gefahrenmoment entstand nach 26 Minuten, als Koch den Rückpass auf Torhüter Noah Atubolu zu kurz ansetzte. Der Torwart konnte dann in höchster Not vor Phillip Tietz klären. Frankfurt war dann anfällig für Konter. Zehn Minuten später verfehlte der Schuss von Tietz das Eintracht-Tor. Die vermeintlich klarste Einschussgelegenheit bot sich in der 43. Minute dem Mainzer Nadiem Amiri. Doch den Elfmeterschuss des Nationalspielers wehrte Atubolu ab. Es war bereits sein sechster gehaltener Elfmeter in der Bundesliga in Folge. Ein neuer Rekord. Den Strafstoß verursacht hatte Raphael Onyedika.Erleichterung mit dem ersten SaisonsiegMit Wiederanpfiff drängten die Mainzer verstärkt auf den Anschlusstreffer. Hütter brauchte einen Ordnungsfaktor auf dem Platz, nachdem Aseko die Kräfte schwanden. Ihn ersetze in der 59. Minute Mario Götze. Nur 60 Sekunden später erhöhte Uzun auf 3:0. Der Vorlagengeber hieß: Mario Götze. Der bekam mit Ebnoutalib nach 73 Minuten einen neuen Mitspieler auf dem Feld; Burkardt hatte vorzeitig Dienstschluss. Ebnoutalib entwickelte dann auch gleich Drang zum Mainzer Tor, sein Abspiel zu Ritsu Doan geriet jedoch zu ungenau. Das 1:3 von Tietz hatte keine Bedeutung mehr für den Ausgang der Begegnung.Mit dem ersten Saisonsieg im dritten Anlauf hat die Eintracht in Mainz einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Als hätte es Jonathan Burkardt mit seinen richtungsweisenden Worten vor dem Erfolgserlebnis geahnt. „Es fühlt sich super an, dieser Sieg ist eine mentale Erleichterung“, frohlockte Burkardt nach Spielende. „Wenn man zuvor in den Spielen zweimal eingeknickt ist, darf so etwas nicht mehr passieren.“