Die Basketballfrage, auf die Olaf Lange keine substanzielle Antwort geben kann, muss vermutlich noch erfunden werden. Am späten Donnerstagabend allerdings gab es eine, die er nicht substanziell beantworten wollte. Ob er ein paar Worte über den nächsten Gegner, die Französinnen, sagen könne, wurde der Bundestrainer des Frauen-Nationalteams von einem französischen Reporter gefragt. Aber was soll man sagen: schlechtes Timing.Lange jedenfalls antwortete: „Wären Sie mir furchtbar böse, wenn ich über den nächsten Gegner jetzt noch nicht sprechen würde? Lassen Sie mich diesen Moment einfach noch genießen, ja?“Bundestrainer Olaf Lange: „Sie spielen wirklich füreinander“Eine gute halbe Stunde danach sagte Lange über sein Team: „Sie spielen wirklich füreinander, nicht nur gegen jemand anderen. Wenn man diese Art von Einheit hat, können spezielle Dinge passieren; das ist das, was wir in diesem Turnier sehen konnten. Manchmal entsteht dann ein Wachstum auf einer tieferen Ebene, aber das passiert so nicht oft. Ich kann mich vielleicht zweimal daran erinnern, dass das auf diesem Niveau geschehen ist.“Lange, 54 Jahre alt, ist ein gutes Stück herumgekommen in der Basketballwelt. Angefangen in Berlin, wo jetzt die WM gespielt wird, über Vereinsstationen in Spanien, den USA, Australien und Russland, als Nationaltrainer oder Assistent ebenfalls in Russland und Australien, wo seine Frau herkommt, Sandy Brondello, mit der er ein kleines Trainer-Unternehmen bildet: Man kann schon ein bisschen durcheinanderkommen, wo er überall war – und vor allem, wo manchmal auch gleichzeitig.Ein Glücksfall: Olaf Lange ist seit Oktober Trainer der Frauen-Nationalmannschaft.EPAAuch aktuell ist Lange neben seinem Job als Bundestrainer ja auch noch Assistant Coach in der Women’s National Basketball League (WNBA) bei Toronto Tempo und als solcher praktisch im Nebenberuf Trainer der Nationalspielerin Nyara Sabally. Ein Profi, wie ihn das deutsche Frauen-Team kaum besser hätte bekommen können – und wie es sich ihn gewünscht hat.Deshalb ist es aber eine geradezu phantastische Geschichte: wie in vier Spielen aus einem verunsicherten, von allen guten Geistern verlassenen deutschen Team eines wurde, das spätestens am Donnerstag jeden in der Halle mit seinem Spirit ansteckte und nun wirklich um Medaillen spielt – an diesem Samstag (16.30 Uhr bei ProSieben MAXX und Magenta Sport) gegen Frankreich im Halbfinale und dann am Sonntag entweder im Finale gegen den Sieger der Partie zwischen den USA und Spanien oder im Spiel um Platz drei.„Für mich ist es immer, wenn ich herkomme, wie Familie“Wenn man Alexandra Wilke zuhörte, die neben Lange auf dem Podium bei der Pressekonferenz saß, hatte es viel mit innerer Verbundenheit zu tun. „Für mich ist es immer, wenn ich herkomme, wie Familie“, sagte sie über das Nationalteam. Einige Spielerinnen kenne sie, seit sie 16 seien. „Es ist einfach unfassbar schön, mit denen Zeit zu verbringen.“Im direkten Duell: Alexandra Wilke (rechts) behauptet sich gegen Maxuella Lisowa-Mbaka.EPADas wiederum geht nicht ohne die entsprechende Trainerarbeit. Es war nach allem, was zu sehen ist, ein außerordentlicher Glücksfall, dass der Deutsche Basketball Bund wieder bei Lange landete, nachdem die Kanadierin Lisa Thomaidis im vergangenen Oktober den Job quittiert hatte, zehn Monate vor der WM. Lange hatte auch die deutsche Auswahl schon einmal trainiert, aber das ist wirklich lange her, mehr als zwanzig Jahre.Lange her wirkt jetzt aber auch anderes: der bis dahin letzte Vergleich mit Belgien, als die Deutschen bei der EM im vergangenen Jahr mit 24 Punkten Unterschied verloren, aber auch der WM-Auftakt gerade einmal sechs Tage vorher gegen Spanien.Weil der Bundestrainer sein Team danach zuerst stabilisierte – „Defense first“, das galt für die deutschen Frauen auch gegen Belgien. Weil er Schritt für Schritt die Offensive verbesserte. Vor allem aber, weil er für jeden Gegner – und es waren sehr unterschiedliche – den passenden Matchplan entwickelte, wozu es auch gehörte, die Einsatzzeiten klug zu steuern.Wobei man spätestens jetzt schon auch anmerken sollte, dass die Belgierinnen nach Spanien die erste echte Herausforderung für die Deutschen waren – auch körperlich.Beim Blick auf die verbliebene Konkurrenz konnte man deshalb von Lange zwei unterschiedliche Antworten bekommen. Einerseits sagte er auf die Frage, ob es nun mit einer Medaille klappen könne: „Wenn eine Mannschaft so zusammenfindet, wie wir es während dieses Turniers geschafft haben, gibt es natürlich eine Chance.“Wie geht es weiter? Da gibt es zwei unterschiedliche AntwortenGegen Belgien war es nicht nur die Spitze, die imponierte – Leonie Fiebich und Nyara Sabally zeigten jeweils ihre beste Turnierleistung –, sondern mehr noch die Breite: Neben Fiebich (17) und Sabally (16) gab es vier weitere Spielerinnen, die zweistellig punkteten; unabhängig davon war auf jede, die aufs Feld kam, Verlass.Andererseits aber sagte er auf die Frage, ob die Deutschen nun in der Weltspitze angekommen seien: „Schwer zu sagen. Wir haben sehr gut gespielt. Aber ich stelle mich nicht nach einem Spiel hin und sage: Wir sind jetzt Top drei der Welt.“ Gegen die Belgierinnen sei ein günstiges „Match-up“, die Zweierkonstellationen mit den Gegenspielerinnen, ein Vorteil gewesen. „Das ist bei anderen Mannschaften schon schwieriger.“ Frankreich verfügt noch einmal über eine ganz andere Kadertiefe als Belgien.Aber egal, wie es weitergeht: Eine gute Geschichte bleibt es nach diesem Spiel allemal. Eine, von der Alexandra Wilke bestimmt bald bei anderer Gelegenheit erzählen wird. Die Aufbauspielerin ist Lehrerin, zum Glück in Baden-Württemberg, wo die Schule erst am Montag wieder losgeht – für sie vielleicht auch noch ein bisschen später.Wenn sie dann wieder vor ihren Schülerinnen und Schülern steht, ist zwar noch nicht sicher, ob sie eine Medaille vorzeigen kann. Aber wie eins und eins manchmal mehr als zwei ergibt, das kann Alexandra Wilke, die Lehrerin für Mathematik und Sport, aus eigener Erfahrung berichten.
Basketball-Frauen-WM 2026: Deutschland im Halbfinale gegen Frankreich
Beim deutschen Team wird aus innerer Verbundenheit eine basketballerische Connection. Dazu kommt ein Trainer als Glücksfall. Nun spielen die Frauen bei der Heim-Weltmeisterschaft um die Medaillen.












