Belgien also, bei diesem Gegner brauchte Leonie Fiebich Mitte der Woche nicht lange zu überlegen. „Schon ein Brocken“ seien die Frauen aus dem Nachbarland im Viertelfinale dieser Basketball-WM. Deutschlands Gegnerinnen an diesem Donnerstag sind in Europa seit Jahren führend unterwegs, die Namen hatten die deutschen Basketballerinnen im Vorfeld dieses Duells fast schon ehrfürchtig heruntergebetet: Emma Meesseman, Julie Allemand, Julie Vanloo, Figuren, die den Frauenbasketball auf dem Kontinent prägen, ihn wiedererkennbar gemacht haben. Die „Belgian Cats“, gegen die Deutschland schon so oft arg verkratzt aus Duellen hervorgegangen war – und jetzt?Sollte sich das endlich ändern, denn die DBB-Frauen fühlten sich bereit, ihre Aufwärtskurve in den vergangenen Jahren und auch bei diesem Turnier mit Resultaten zu untermauern. Die Chance auf die ersehnte Medaille war konkreter geworden, wenngleich durch Siege gegen weniger brockenhafte Gegner. Das war das Dilemma: Für ihre Weiterentwicklung brauchten die Deutschen einen Erfolg gegen einen der Großen, da herrschte Einigkeit. Also, warum nicht mal die Europameisterinnen von 2023 und 2025 schlagen?Der ultimative Test brachte dann die Erfüllung wirklich aller Wünsche, den Einzug ins Halbfinale mit einem 93:74, von dem der deutsche Basketball noch lange reden wird. Am Samstag (16:30 Uhr, live auf Magentasport) geht es nun tatsächlich um Edelmetall gegen die Französinnen, mit denen man fast so viele Rechnungen offen hat wie mit den Belgierinnen.„Ich bin so stolz auf jede einzelne Spielerin“, sagte Fiebich bei MagentaTV, „wir werden heute Abend auf jeden Fall feiern.“ Der Erfolg sei „ziemlich geil“ und das Ergebnis einer Teamleistung. „Es kann jeden Abend eine andere sein, wir haben Waffen von überall.“2,23-Meter-Basketballerin Zhang Ziyu:Sie will doch nur KühlschrankmagnetenBei der Basketball-WM staunt die Welt über die größte Basketballerin des Planeten. Die Chinesin Zhang Ziyu ist ein Fall fürs Guinness-Buch – kämpft mit ihren 2,23 Metern aber auch gegen Klischees.Gut rauskommen, den Start nicht verschlafen, den belgischen Teambasketball unterbinden, das war das Vorhaben gewesen im Krach der Berliner Arena am Ostbahnhof. Viertelfinale, das hieß ja auch: Da schauen jetzt ein paar mehr Leute zu – zum Beispiel Belgiens etwa 1000 Personen starke Fan-Armada. Zu deren Vergnügen ging ihr Team gleich in Führung, Meessemans Wurfgeschick plagte die Deutschen von Beginn an, zwei Dreier von Fiebich waren die Antwort. Der Start? Wesentlich schwieriger als zuletzt gegen Südkorea. Aber das galt es jetzt zu regeln. Und vor allem Fiebich fand endlich ihren Touch in diesem Turnier, was zum ersten Viertelende ein 22:19 für den DBB bedeutete.Ein Vorsprung, der sogar noch wuchs, weil die Deutschen sich richtig reingewerkelt hatten in diesen Fight, indem sie auch ihre Abwehrarbeit intensivierten. Und indem Fiebich das tat, was Bundestrainer Olaf Lange gefordert hatte: Sie warf mehr, und sie traf. Es war das Spiel Meesseman gegen Fiebich, die ehemaligen Teamkolleginnen beim WNBA-Klub New York Liberty. Beide Teams ließen Gelegenheiten liegen, unter den Körben ging es zu wie am 1. Mai in Kreuzberg, Nyara Sabally (aus Berlin-Schöneberg!) verzichtete zwar auf Krawall, krallte sich aber allein in der ersten Hälfte neun Rebounds. Nach Punkten hieß es 42:35 für eine hart arbeitende deutsche Mannschaft.Nyara Sabally, Luisa Geiselsöder und Leonie Fiebich (von links) jubeln nach dem Ende der Partie.Ronny Hartmann/AFPDie stand einzig vor der Aufgabe, das Meesseman-Problem zu lösen. Verzwickt, denn wie hatte Lange prognostiziert: „Ganz ausschalten kann man sie nie.“ Sabally beschäftigte die große Belgierin zumindest etwas in der Defensive, indem sie ihrerseits punktete. Dann war aber wieder Meesseman-Zeit. Das Kuriose: Der deutsche Vorsprung blieb dank flüssiger Offensive trotzdem zweistellig. Fiebich bekam derweil einiges ab, sie landete mehrfach mit Schmerzen am Boden, aber auch das steckten die DBB-Frauen weg. 18 Zähler lagen die Deutschen nach einem Dreier von Frieda Bühner vorne, ein Statement, aber immer noch keine Garantie gegen diese „Cats“ mit ihren neun Leben. Es ging mit einem 74:59 ins Schlussviertel.Auf Meesseman hatte die DBB-Auswahl weiter keine Antwort, aber wie egal das war, sagte vieles über diesen Auftritt. Es war das wohl hochklassigste Spiel dieser deutschen Basketballerinnen in den vergangenen Jahren. Belgien hatte fast nur Meesseman, Deutschland Alex Wilke, Bühner, Sabally, Alexis Peterson und Marie Gülich, die alle einsprangen. Nur Fiebich traf nicht mehr und Belgien kam heran, nachdem die deutsche Präzision etwas nachließ. Es war jetzt ein sogenannter „dogfight“, ein Abnutzungskampf beider Teams, den die Deutschen mit allen verfügbaren Kräften annahmen. Luisa Geiselsöder erwies sich als Frau mit Stahlnerven von der Freiwurflinie, Peterson kurbelte einen Dreier hinein und dann folgten Fiebichs einzige Punkte in der zweiten Hälfte per Korbleger. Da stand die ganze Halle, in der es stickig geworden war. Halbfinale! Nyara Sabally schlug die Hände vors Gesicht, kaum zu glauben.