Der neue Basketball-Bundestrainer hatte eine Überraschung für seine Spielerinnen, als er sie knapp ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Kienbaum bei Berlin zusammenrief. Er sprach Deutsch. Obwohl Olaf Lange in Berlin-Lichtenrade aufgewachsen ist, obwohl er seit bald vierzig Jahren praktisch überall in Basketball-Deutschland und in der Basketball-Welt als Coach tätig war, hatten selbst erfahrene Nationalspielerinnen ihn noch nie seine Muttersprache sprechen hören. Einige kicherten.Lange hatte Wichtiges zu sagen. „Ich wäre nicht hier als neuer Trainer, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass wir etwas Bleibendes schaffen können. Wir haben alles, um auf dem Podium zu landen“, schwor er sein Team ein. Wie ernst es ihm damit ist, zeigt die Tatsache, dass er ein Kamerateam des ZDF zu dem Treffen eingeladen hatte.Manifestiert in der einstündigen Reportage „Macherinnen – die neue Ära im Basketball“, die an diesem Samstag im Programm und ansonsten in der Mediathek steht, braucht Lange nicht zu wiederholen, was er seinem Team im Oktober 2025 versprach: „Wir können Geschichte schreiben.“Fünf Spielerinnen aus der WNBADamit wollen er und die deutsche Nationalmannschaft an diesem Freitag (17.45 Uhr bei Pro Sieben und Joyn) beginnen. Die Männer sind Welt- und Europameister, die Kolleginnen vom 3×3 Olympiasiegerinnen.Bei der Weltmeisterschaft in Berlin spielen die Basketballspielerinnen gegen den viermaligen Europameister Spanien, dem sie bei der Eurobasket vor einem Jahr in Hamburg mit 19 Punkten Unterschied unterlagen. Weiter geht es mit Gruppenspielen gegen Japan und Mali am Samstag und Montag. Ziel sind nicht nur das Halbfinale und der Finaleinzug am Samstag und Sonntag in acht Tagen.Diese Mannschaft mit inzwischen fünf Spielerinnen aus der WNBA in Nordamerika soll im kommenden Jahr auch bei der Europameisterschaft reüssieren und, statt wie in Paris 2024 nur dabei zu sein, bei den Olympischen Spielen von Los Angeles 2028 um eine Medaille kämpfen. Und sie soll vergessen machen, wie die deutsche Auswahl vor einem Jahr im Viertelfinale gegen Europameister Belgien mit 24 Punkten Unterschied ausschied.Seit der Begrüßung in Kienbaum spricht Lange wieder Englisch bei der Arbeit; Aufbauspielerin Alexis Peterson und zwei Ko-Trainer würden ohnehin nichts anderes verstehen. Täglich gelte es, sich schrittweise zu verbessern, sagt er. Die Zeit für große Worte ist vorbei. Das Ziel kennen ohnehin alle.Das Team sucht nach einer IdentitätDer Mannschaft eine Identität geben, das ist ihre Mission. Wenn das gelingt, folgen die Siege wie von selbst. Das ist die Hoffnung. So stark, wie der Bundestrainer, die Käufer der mehr als 200.000 Eintrittskarten für die WM-Spiele und das Fernsehpublikum erwartet hatten, ist die Mannschaft nun allerdings nicht, da sie zur WM zusammengekommen ist. Satou Sabally, die überragende Spielerin des Teams, die gemeinsam mit Fiebich in New York spielt, fehlt wegen einer Gehirnerschütterung, ihrer zweiten innerhalb eines Jahres.Nyara Sabally, die jüngere Schwester, die für Toronto in der WNBA spielt, wo Lange Ko-Trainer ist, laboriert an den Folgen einer Wadenverletzung, und wenn sie spielen wird, ist ihre Einsatzzeit limitiert. Marie Gülich, die vor bald anderthalb Jahren einen Kreuzbandriss erlitt, ist seit Februar in Berlin – zur Reha in die Stadt gezogen, scheint sie rechtzeitig auskuriert und wird nun fehlende Spielpraxis bei der WM erwerben.Drei Niederlagen in drei TestspielenDie Vorbereitung mit drei Niederlagen in drei Testspielen verging wie im Flug, doch da die Spielerinnen aus Amerika dabei fehlten, weil sie erst wenige Tage vor der WM anreisen durften, ist der Erkenntnisgewinn aus den Partien beschränkt. „In der Vorbereitung ist es immer besser, zu verlieren. Wenn wir alle Preseason Games gewinnen, werde ich nervös“, sagt der Bundestrainer: „Denn dann denken die Spielerinnen, alles ist in guter Ordnung. Aber am Anfang einer Saison oder eines Turniers ist nie alles in Ordnung.“Es fehlt an Zeit zum Einspielen, weil die amerikanische Liga, deren Klubs die besten Spielerinnen der Welt bezahlen, für die Weltmeisterschaft nur knapp drei Wochen pausiert. Schon am Freitag, fünf Tage nach dem Endspiel von Berlin, setzt in der WNBA wieder der Spielbetrieb ein. Die Vorstellung, die Weltmeisterschaft am Ende der Saison auszuspielen, ist absurd, weil es im Frauen-Basketball kein Ende der Saison gibt.Endet die Spielzeit in Amerika, hat die in Europa und Asien schon begonnen. Die besten weiblichen Profis spielen, weil es zeitlich möglich ist und weil ihre Bezahlung nicht vergleichbar ist mit der für männliche Profis, abwechselnd auf zwei Kontinenten. „Ich bin es gewohnt, von A nach B zu springen“, sagt Leonie Fiebich, die auf diese Art in New York und in Valencia spielt: „Ich lebe nach dem Motto ‚Be Where Your Feet Are‘, also präsent sein im Moment. Das läuft ganz gut bisher.“„Das Besondere mit der Nationalmannschaft ist, das Land zu vertreten“, sagt die 32 Jahre alte Center-Spielerin Gülich: „Dazu das Gefühl, nach Hause zu kommen. Man geht irgendwohin und spielt Basketball, das ist der Beruf. Dies hier fühlt sich nicht an wie Beruf. Es fühlt sich an wie Leidenschaft.“ Gut möglich, dass daraus eine Überraschung wird.