Heile Welt am Donnerstagabend im Bennosaal des Löwenbräukellers am Stiglmaierplatz: Alljährlich werden in der Woche vor dem Anstich die Festbiere der sechs großen Münchner Brauereien verkostet, die das Oktoberfest beliefern dürfen. In diesem Jahr scheint die Stimmung besonders ausgelassen zu sein, denn am Vorabend der Gerichtsverhandlung, bei der es um das Vergabeverfahren der großen Festzelte geht, feiert die geladene „Wiesnfamilie“ nicht nur das Bier der Wiesn, sondern auch deren Status quo. Die Rednerinnen und Redner des Abends sind sich einig: Das Oktoberfest soll so bleiben, wie es ist.Münchner Oktoberfest:Millionen-Streit um Vergabe der WiesnzelteNach vorläufiger Einschätzung des Bayerischen Obersten Landesgerichts ist der Antrag von Alexander Egger auf eine europaweite Ausschreibung unzulässig. Man sehe zunächst auch keinen Anlass, den Fall dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen.Unter den Gästen sind neben den Vertreterinnen und Vertretern der Stadtpolitik vor allem Wiesnwirtinnen und -wirte sowie Akteurinnen und Akteure der Münchner Gastronomie und Brauereien. Auch das neu gewählte Münchner Kindl Sina Hochreiter ist zum ersten Mal dabei und zeigt sich im Gespräch zuversichtlich, die meisten Festbiere „erschmecken“ zu können.Wie in den Vorjahren findet die Wiesnbierprobe im Rahmen einer Blindverkostung statt. Die verantwortlichen Braumeister geben vor der Abstimmung Tipps, woran man ihre Biere jeweils erkennen kann, von Farbe und Geruch über Geschmack bis zum Abgang. Alle sechs unbeschrifteten Krüge richtig zuzuordnen, ist trotzdem schwierig, doch bei dem einen oder anderen Kandidaten fällt das Urteil eindeutig aus.Hacker-PschorrBraumeister Maximilian Mirlach hat für Hacker-Pschorr das dunkelste Bier gebraut.Foto: Stephan RumpfAm häufigsten erkannt wurde das Festbier von Hacker-Pschorr. Etwa 80 Prozent der Abstimmenden haben es richtig zugeordnet, was daran liegen dürfte, dass man es auf den ersten Blick erkennt: Mehr bernstein- als goldfarben leuchtet es im Krug und ist damit deutlich dunkler als die anderen fünf Biere. Braumeister Maximilian Mirlach zufolge liegt das am hohen Malz-Anteil. Auch geschmacklich dominiert das malzige Aroma, vom Antrunk bis zum Abgang. Mit 5,9 Prozent Alkoholanteil gehört es wie Spaten und Paulaner zu den weniger starken Festbieren.HofbräuSebastian Utz bescheinigt seinem Wiesnbier ein „kräutriges“ Hopfen-Aroma und eine fruchtige Note.Foto: Stephan RumpfDeutlich weniger oft, aber mit 58 Prozent immerhin am zweithäufigsten erkannt wurde das Wiesnbier von Hofbräu. Braumeister Sebastian Utz schreibt ihm ebenfalls eine eher dunklere Farbe zu und erkennt im Geruch neben einem „kräutrigen“ Hopfen-Aroma auch eine fruchtige Note, die ihn an „Kriacherl“ erinnere. Der Körper sei vollmundig und malzbetont, der Abgang samtig weich. Was den Alkoholanteil angeht, liegt dieses Bier mit glatten sechs Prozent im unteren Mittelfeld.AugustinerEbenfalls mehr als die Hälfte aller Abstimmenden hat das Oktoberfestbier von Augustiner herausgeschmeckt. Man erkennt es sofort an der hellen Farbe und beim Geruchstest am dominanten Hopfen-Aroma. Braumeister Andreas Brunner sagt, dass es die Testerinnen und Tester nicht nur mit dem hellsten Festbier zu tun hätten, sondern auch mit dem mildesten und weichsten. Weil die Hefe den größten Teil des Malzzuckers verstoffwechselt habe, bleibe wenig Restsüße im Bier zurück, weshalb das Augustiner „keinerlei Trink-Widerstand“ aufweise, scherzt Brunner. Aber Obacht: Bei aller Süffigkeit enthält es mit Abstand am meisten Alkohol. Auf 6,3 Prozent kommt keines der anderen fünf Biere.LöwenbräuNeu in der Runde der Braumeister ist Maximilian Hübner, der an diesem Abend erstmals das Festbier von Löwenbräu vorstellt. „Heute hat der Löwe Heimspiel“, merkt Hübner eingangs an mit Blick auf den Gastgeber, Löwenbräukeller-Wirt Mathias Reinbold. Auch im Folgenden bleibt Hübner bei der Fußballanalogie: Sein Bier sei „the normal one“, so habe sich Jürgen Klopp einmal selbst beschrieben; unkompliziert und normal eben, aber mit Charakter. Im Geruch hopfig und fruchtig habe es nicht zu viel Körper und schmecke feinherb. Der Geschmackstest zeigt: Vor allem im Abgang schmeckt es bitterer als die anderen. Mit 6,1 Prozent Alkoholanteil ist es nach Augustiner das zweitstärkste Wiesnbier.Oktoberfest:So teuer wird das Bier in diesem Jahr auf der WiesnDie Preise erreichen in fast allen Zelten neue Rekorde – nur ein Wirt verlangt sogar weniger als im Vorjahr. Alle Festhallen im Überblick.Paulaner„Sonnig gelb“ leuchtet das Festbier von Paulaner im Glas, findet Braumeister Christian Dahncke, in einem Masskrug sähe es sogar noch lebendiger aus. Er legt bei der Vorstellungsrunde das Augenmerk auf die Zutaten in seinem Bier: Die Braugerste stamme aus Bayern, beim Hopfen handle es sich um Aromahopfen und das Münchner Tiefengrundwasser müsse man auch erwähnen, denn auch wenn es nicht im Reinheitsgebot stehe, sei es die Zutat, die alle sechs Oktoberfestbiere gemein hätten. Geschmacklich falle das Paulaner Festbier eher mild aus. Das Hopfen-Aroma sei dezent und komme erst beim zweiten oder dritten Schluck durch.SpatenSpaten-Braumeister Thomas Kreutz weist erst einmal darauf hin, wie lange sich der Schaum bei seinem Festbier im Glas halte. Bis allerdings alle Gäste im Saal einen Krug vor sich stehen haben, ist dieses Kriterium bereits wortwörtlich in sich zusammengefallen. Beim Geruch sollte man Kreutz zufolge eher auf die malzig-karamelligen Noten achten. Auch im Geschmack sei sein Bier auf der süßeren Seite, der Nachtrunk falle dagegen trocken aus.Von etwa 150 Abstimmenden konnten immerhin 14 alle sechs Festbiere richtig zuordnen, das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Vielleicht liegt das daran, dass bei der Blindverkostung im dritten Jahr inzwischen ein Lerneffekt eingesetzt hat, oder aber, dass so mancher im Vorfeld übt. Die Gaudi beim Rätseln ist jedenfalls so groß, dass diese Veranstaltung wohl fester Bestandteil des Wiesn-Warm-ups bleiben wird wie auch immer sich Herkunft und Anzahl der verkosteten Festbiere vielleicht in Zukunft ändern mögen – und ob überhaupt.