Das Bundesamt für Statistik verzeichnet den sechsten Rückgang in Folge. Doch die Entwicklung verläuft nicht in allen Kantonen gleich. Besonders Zürich überrascht.Leila Epprecht, Maurice Koepfli10.09.2026, 19.39 Uhr3 LeseminutenIn der Schweiz wird leerstehender Wohnraum zunehmend knapper. Wie das Bundesamt für Statistik am Donnerstag mitteilte, sank die Leerwohnungsziffer innert Jahresfrist von 1 Prozent auf 0,93 Prozent.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zwar sei es für den Markt normal, dass nicht immer alle Wohnungen besetzt seien, sagt Ursina Kubli, Leiterin Immobilien Research bei der Zürcher Kantonalbank. «Die aktuelle Entwicklung ist aber ein klarer Indikator dafür, dass sich die Wohnsituation in der Schweiz nach wie vor nicht entspannt.» Eine baldige Beruhigung ist nicht in Sicht. Besonders in den Städten dürfte es schwieriger werden, neuen Wohnraum zu finden.Trend seit sechs JahrenDie Knappheit an leerem Wohnraum ist eine vergleichsweise neue Entwicklung. Noch in den 2010er Jahren sah die Situation in der Schweiz anders aus. Im Zeitraum von 2009 bis 2020 ist die Leerwohnungsziffer deutlich von 0,9 auf 1,72 Prozent gestiegen.Damals begünstigten Negativzinsen die Bautätigkeit. Gerade in ländlichen Gebieten hat man viele neue Wohnungen gebaut. Dann schränkte das 2014 revidierte Raumplanungsgesetz das Wachstum ein. «Man wollte weniger Siedlungsbrei und mehr Ruhezonen», sagt Kubli. Ab 2014 wurde der Wohnungsbau von den ländlichen Gebieten auf die Städte verlagert. Ziel war es, den Wohnraum zu verdichten. Doch das ist anspruchsvoll. «Viele Einsprachen haben den Wohnungsausbau erschwert, während die Nachfrage weiter stieg», sagt die Immobilienexpertin Kubli.Insbesondere führten geopolitische Faktoren zu einer verstärkten Nachfrage nach Wohnungen. Der Ukraine-Krieg beschleunigte die Migration in die Schweiz, und mit Covid nahm die Nachfrage nach Zweitwohnungen zu.Das Resultat all dieser Entwicklungen: Heute gibt es immer weniger leerstehende Wohnungen, unabhängig von ihrer Grösse. Sowohl bei Mietwohnungen als auch bei zum Kauf angebotenen Wohnungen ging die Zahl der leerstehenden Objekte zurück.Fast alle Regionen betroffenDie Anzahl leerer Wohnungen unterscheidet sich von Gebiet zu Gebiet. In zwanzig Kantonen sank die Quote gegenüber dem Vorjahr, während sie in fünf Kantonen anstieg.In den wirtschaftlichen Ballungszentren wie dem Kanton Zug (0,20 Prozent) und Genf (0,31 Prozent) gibt es am wenigsten leere Wohnungen. «Der Arbeitsort ist nach wie vor einer der wichtigsten Faktoren für den Umzug», sagt Kubli.Das war nicht immer so. Noch in den 1990er Jahren verliessen viele Schweizerinnen und Schweizer die Städte. Grund dafür waren unter anderem die offenen Drogenszenen in vielen Städten, darunter der Platzspitz in Zürich. Viele Menschen träumten aber auch einfach vom Einfamilienhaus auf dem Land.Dies hat sich längst geändert. Viele Städte haben in den Ausbau der Infrastruktur investiert und sind durch neue Parks und Grünflächen attraktiver geworden.«Hier konzentrieren sich heute die meisten Arbeitsplätze», sagt Kubli. Entsprechend gefragt und knapp sind Wohnungen in diesen Gebieten. Anders sei es in wirtschaftlich schwachen Kantonen wie dem Jura, wo besonders viele Wohnungen leer stehen.Unerwarteter Trend in ZürichVergleicht man die gegenwärtig leeren Wohnungsbestände mit dem Vorjahr, fällt vor allem in der Grossregion Zürich eines auf: Wer eine leere Wohnung finden will, hat leicht bessere Chancen als letztes Jahr.Zwar ist die Leerstandsquote gegenüber der restlichen Schweiz tief. Im Vergleich mit dem Vorjahr stieg sie jedoch um +0,04 Prozentpunkte auf 0,52 Prozent. Das liegt auch daran, dass sich leerstehende Einfamilienhäuser schwerer verkaufen lassen. «Die Preise in Zürich scheinen eine Obergrenze erreicht zu haben», sagt Kubli.Weil die Mieten und Lebenskosten in Zentren wie Zürich gestiegen sind, zieht es wieder viele Menschen in Gebiete ausserhalb der Ballungszentren.Gefragt ist unter anderem die Ostschweiz. Dort ging die Anzahl an leeren Wohnungen um 0,16 Prozentpunkte zurück. Viele Menschen ziehen auch in die Nordwestschweiz oder das Tessin. Auch dort schrumpft das Angebot an leerstehenden Wohnungen.Die Wohnungsknappheit beschränkt sich damit längst nicht mehr auf die grossen Zentren – sie breitet sich zunehmend auf Regionen aus, in denen Wohnungen bisher leichter zu finden waren.Passend zum Artikel
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