Nach dem gescheiterten Strafprozess gegen die Amerikanerin Lindsay Clancy versucht die Verteidigung, ein neues Verfahren zu verhindern. Clancy wird vorgeworfen, ihre drei Kinder getötet zu haben. Ihr Anwalt Kevin Reddington kündigte am Mittwoch einen Antrag auf Abweisung der Klage an. In einem Interview mit dem Fernsehsender CBS begründete der Jurist das Gesuch mit Äußerungen von verschiedenen Geschworenen.Clancy hatte vor Gericht gestanden, ihre Kinder getötet zu haben. Die Jury beriet sich in den vergangenen Wochen dennoch fast 40 Stunden, ohne sich zu einigen. Einige Jurymitglieder hatten in Fernsehinterviews die Weigerung eines Geschworenen moniert, Clancy trotz sogenannter begründeter Zweifel wegen Schuldunfähigkeit freizusprechen. Er soll das einzige Mitglied der Jury gewesen sein, das einen solchen Freispruch ablehnte.Dieser Freispruch heißt im amerikanischen Strafrecht „not guilty by reason of insanity“. Bei der Frage nach der Schuldunfähigkeit geht es darum, ob Clancy zum Zeitpunkt ihrer Tat zwischen Recht und Unrecht unterscheiden konnte. Hätten die Jurymitglieder sich darauf geeinigt, dass sich Clancy in einem unzurechnungsfähigen Zustand befunden hätte, wäre sie in eine psychiatrische Einrichtung gekommen.Sie suchte nach psychiatrischer HilfeClancy, eine Krankenschwester aus Massachusetts, hatte im Prozess zugegeben, ihre Kinder Cora, Dawson und Callan im Alter von acht Monaten bis fünf Jahren im Keller ihres Hauses mit Gymnastikbändern erdrosselt zu haben. Ihren Ehemann Patrick schickte sie vor dem Verbrechen Ende Januar 2023 zu Besorgungen aus dem Haus. Nach den Morden versuchte Clancy, sich das Leben zu nehmen. Wegen Verletzungen an der Wirbelsäule sitzt die Sechsunddreißigjährige seitdem im Rollstuhl.Während die Staatsanwaltschaft Clancy den Versuch eines sogenannten erweiterten Suizids als Motiv für den Mord an ihren Kindern vorwarf, begründete die Verteidigung ihren Antrag auf Freispruch mit psychischen Störungen. Die Angeklagte litt mutmaßlich unter postnatalen Psychosen und Depressionen. Wie sich während des etwa sechs Wochen langen Mordprozesses zeigte, suchte sie in den Monaten vor dem Verbrechen wiederholt psychiatrische Hilfe.Da die Jury sich nicht auf ein Urteil einigen konnte, erklärte das Gericht am vergangenen Freitag einen Fehlprozess. Zuvor hatten auch Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung über den einzigen Geschworenen debattiert, der einen Freispruch wegen Schuldfähigkeit ablehnte. Er hege zwar Zweifel an Clancys Schuld, weigere sich aber, sie freizusprechen.Laut dem Vorsitzenden Richter William Sullivan stellte das Verhalten des Jurymitglieds aber keinen Rechtsverstoß dar. Die nächste gerichtliche Anhörung in der Causa Clancy, die in den Vereinigten Staaten eine Debatte über die Gesundheit von Frauen nach Entbindungen auslöste, wird für Ende September erwartet. Hilfe bei Suizidgedanken Sprechen Sie mit Menschen. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Die Telefonseelsorge Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis. Hilfe-Chats Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten. Sollte kein Berater frei sein, klappt es in jedem Fall mit einem gebuchten Termin. Die E-Mail-Beratung Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.