Mutmaßlicher Kindsmord : Der Prozess gegen Lindsay Clancy ist geplatzt04.09.2026, 21:45Lesezeit: 2 Min.Die frühere Krankenschwester hatte die Tötung ihrer Kinder gestanden, laut ihrem Anwalt litt sie aber unter einer psychischen Erkrankung. Die Geschworenen können sich nicht einigen, ob sie Clancy für schuldunfähig halten.In den USA ist der aufsehenerregende Prozess gegen die mutmaßliche Kindsmörderin Lindsay Clancy geplatzt. Der Richter stellte am Freitag in Plymouth im Bundesstaat Massachusetts abschließend fest, dass sich die Geschworenen nicht über die Schuldfähigkeit der 36-Jährigen einigen konnten. Die frühere Hebamme hatte die Tötung ihrer drei Kinder zwar gestanden, laut Verteidigung litt sie aber unter einer sogenannten Wochenbettpsychose und sei damit schuldunfähig.In letzter Minute wies ein Berufungsgericht einen Antrag der Verteidigung zurück, einen der Geschworenen auszutauschen. Er hatte den elf anderen Jury-Mitgliedern auch nach siebentägigen Beratungen nicht zugestimmt. Die überwiegende Mehrheit der Geschworenen wollte Clancy offenbar für schuldunfähig erklären. Die Staatsanwaltschaft hatte der früheren Geburts- und Entbindungsschwester kaltblütigen Mord an ihren drei Kindern vorgeworfen und eine lebenslange Haftstrafe gefordert.Mangels der nötigen Einstimmigkeit der zwölf Jury-Mitglieder habe er „keine andere Wahl“ als das Platzen des Prozesses festzustellen, sagte Richter Sullivan. Damit bleibt Clancy vorerst in der Obhut einer Psychiatrie.Clancy hatte ein Geständnis abgelegtSie hatte gestanden, ihre Kinder, den acht Monate alten Callan, den dreijährigen Dawson und die fünfjährige Cora, im Januar 2023 erdrosselt zu haben. Anschließend sprang sie aus dem Fenster im zweiten Stock ihres Hauses in Duxbury südöstlich von Boston. Seitdem sind ihre Beine gelähmt, sie wurde im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren.Trotz ihres Geständnisses plädierte Clancy auf nicht schuldig. Eine Stimme habe ihr befohlen, ihre Kinder zu töten, sagte sie. Zur Klärung der Tatumstände hatte das Gericht in fast zwei Monaten mehr als 80 Zeuginnen und Zeugen angehört. Der live übertragene Prozess sorgte in den USA für viele Schlagzeilen.Bei einer postpartalen Psychose oder Wochenbettpsychose können Mütter in seltenen Fällen noch Wochen oder Monate nach der Entbindung eines Kindes an Wahnvorstellungen oder Halluzinationen leiden. Nach Angaben von Unterstützerorganisationen tritt eine solche Psychose bei ein bis zwei von tausend Entbindungen auf. In dem Prozess schilderten sowohl Psychiater als auch Angehörige und der Ex-Mann von Clancy und Vater ihrer Kinder, in welchen Zustand der Verzweiflung die dreifache Mutter war. Eine ärztliche Diagnose lag dem Gericht aber nicht vor.Die Entscheidung über ein neues Verfahren will die Staatsanwaltschaft „in Kürze treffen“Die Staatsanwaltschaft wollte sich vorerst nicht festlegen, ob sie ein neues Verfahren gegen Clancy beantragt. Bezirks-Staatsanwalt Tim Cruz sagte, er werde die Entscheidung „in Kürze treffen“. Dafür würden dann zwölf neue Geschworene ausgesucht. US-Präsident Donald Trump nannte den Fall eine „schreckliche Tragödie“. Er rechne mit einem weiteren Prozess, sagte er in Washington.Clancys Fall hat in den USA hohe Wellen geschlagen und eine breite Debatte über die psychische Gesundheit von Müttern ausgelöst. In den vergangenen Wochen hatten dutzende Frauen vor dem Bezirksgericht in Plymouth demonstriert und Solidarität mit der Angeklagten bekundet. Viele Trump-Anhänger forderten in Onlinenetzwerken dagegen eine möglichst harte Strafe für Clancy, um das Recht auf Leben von Kindern zu schützen.