Beim Genfer Luxuskonzern Richemont zeichnet sich eine Wachablösung ab: Johann Rupert gibt seinem Sohn mehr VerantwortungMit 76 Jahren treibt der Richemont-Präsident Johann Rupert seine Nachfolge voran. Sein Sohn Anton steigt zum Vizepräsidenten des Verwaltungsrats auf. Operativ wird der Luxuskonzern künftig nicht von der Familie geführt.10.09.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenRichemont bereitet sich Schritt für Schritt auf die Zeit nach Johann Rupert vor.Martial Trezzini / KeystoneEine Frage begleitet Richemont schon seit Jahren: Was passiert, wenn Johann Rupert einmal abtritt? Der 76-jährige Südafrikaner hat den Genfer Luxuskonzern 1988 gegründet und prägt ihn bis heute, wie kaum ein anderer Grossaktionär ein börsenkotiertes Schweizer Unternehmen prägt – mit Ausnahme vielleicht der Familie Hayek mit ihrer Swatch Group.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Eine Schlüsselaufgabe im VerwaltungsratNun zeichnet sich eine Antwort ab. Richemont hat am Mittwoch den 39-jährigen Anton Rupert, den einzigen Sohn des Präsidenten, mit sofortiger Wirkung zum nicht exekutiven Co-Vizepräsidenten des Verwaltungsrats ernannt. Er teilt sich das Amt künftig mit Bram Schot, dem ehemaligen Audi-Chef, der seit 2024 Vizepräsident ist. Johann Rupert bezeichnet die Ernennung ausdrücklich als wichtigen Schritt in der langfristigen Nachfolgeplanung.Dass Anton Rupert eines Tages eine zentrale Rolle an der Spitze des Konzerns einnehmen würde, zeichnet sich seit längerem ab. Anton Rupert sitzt bereits seit 2017 im Verwaltungsrat von Richemont und übt dort verschiedene Funktionen aus. Nun erhält er erstmals einen Aufgabenbereich, der ihn deutlich näher an die Konzernspitze rückt: Er wird die Belange rund um das sogenannte Strategic Product and Communications Committee der «Maisons», in die der Richemont-Konzern sein Geschäft aufteilt, beaufsichtigen.Das ist für eine Luxusgruppe eine Schlüsselaufgabe: Das Gremium befasst sich gruppenweit mit der Produktentwicklung und der Kommunikation der einzelnen Marken und sorgt dafür, dass diese zu ihrer jeweiligen Identität passen. Damit geht es letztlich um die Frage, wofür Häuser wie Cartier, Van Cleef & Arpels oder IWC stehen, welche Produkte sie entwickeln und wie sie am Markt auftreten. Das sind zentrale Voraussetzungen für ihren kommerziellen Erfolg.Bilder PDJohann Rupert (links) und sein Sohn Anton: Der 39-Jährige übernimmt bei Richemont eine wichtigere Rolle im Verwaltungsrat.Der diskrete SohnÜber Anton Rupert ist wenig bekannt. Der Südafrikaner, Jahrgang 1987, meidet weitgehend die Öffentlichkeit. Er ist der einzige Sohn von Johann und Gaynor Rupert; seine beiden Schwestern Caroline und Hanneli haben keine Führungsfunktion bei Richemont.Als Anton Rupert 2017 in den Verwaltungsrat einzog, schrieb Richemont, er habe bereits während Jahren Einblick in sämtliche Geschäfte des Konzerns erhalten. Besondere Kenntnisse wurden ihm in den Bereichen digitales Marketing, E-Commerce und Konsumentenverhalten attestiert.Von 2018 bis Ende 2019 sass er im Verwaltungsrat der kurz zuvor von Richemont übernommenen Gebrauchtuhrenplattform Watchfinder. Er ist zudem nicht exekutiver Verwaltungsrat der südafrikanischen Beteiligungsgesellschaft Remgro und gehört dem Beirat eines südostasiatischen Technologie-Investmentfonds an.Vor allem aber ist er Partner der Compagnie Financière Rupert. Diese Familienholding ist der Schlüssel zur Macht bei Richemont: Sie besitzt zwar nur 10,18 Prozent des Kapitals, kontrolliert aber dank nicht kotierten B-Aktien 50,6 Prozent der Stimmen. Johann Rupert ist derzeit noch der alleinige geschäftsführende Gesellschafter der Holding. Anton ist Partner.Kein Interesse an operativen FunktionenAnton Rupert wird seinen Vater wohl irgendwann an der Spitze des Verwaltungsrats ersetzen, wobei laut Insidern Johann Rupert noch keineswegs daran denkt, sein Amt abzugeben.Für die operative Führung ist Anton Rupert hingegen nicht vorgesehen. Das ist schon länger klar. Johann Rupert sagte bereits an der Generalversammlung 2022, sein Sohn habe kein Interesse an einer exekutiven Funktion. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Familie nicht beabsichtige, die Kontrolle über Richemont abzugeben.Operativ hat Rupert seinen Konzern bereits neu aufgestellt. Bis vor kurzem war er teilweise selbst noch im Tagesgeschäft aktiv. Verschiedene Geschäftsleitungsmitglieder rapportierten direkt an ihn. Seit 2024 hat er jedoch mit Nicolas Bos einen CEO, der diesen Titel auch verdient und dem er vertraut.Der frühere Chef der Schmuckmarke Van Cleef & Arpels führt den Konzern ausgesprochen erfolgreich. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz währungsbereinigt um 11 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs beschleunigte sich das Wachstum sogar auf 20 Prozent. Vor allem die Schmuckhäuser Cartier und Van Cleef & Arpels boomen.Johann Rupert ist zwar immer noch bei allen Themen am Ball, wie an jeder Medienkonferenz deutlich wird. Denn die meisten Fragen beantwortet immer noch der Gründer höchstpersönlich. Aber offiziell kann er sich nun aus dem Tagesgeschäft herausnehmen. Dank einem Chairman’s Committee, das er ebenfalls 2024 geschaffen hat, bleibt er trotzdem gut informiert.Zwei Jahre nach dieser Umstellung sieht Johann Rupert nun wohl den Moment gekommen, auch im Verwaltungsrat seine Nachfolge vorzubereiten. Zumindest hat er mit seinem Sohn nun einen Sparringpartner bei der Aufsicht über die zentralen Aufgaben des Konzerns. Und dieser wird systematisch auf den Moment vorbereitet, da er in die Fussstapfen seines Vaters treten muss.Passend zum Artikel