Alles in Ordnung beim Deutschen Buchpreis? Nicht ganz.Die Shortlist ist ausgewogen, die Themenvielfalt gross. Überschattet wird der Preis allerdings von der Debatte um das Jurymitglied Maha El Hissy und den Umgang des Börsenvereins mit den gegen sie erhobenen Vorwürfen.09.09.2026, 16.23 Uhr3 LeseminutenDie sechs Finalisten: Erstmals stehen fünf Frauen und ein Mann auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.Lena Everding / Deutscher BuchpreisAlles wie immer im deutschsprachigen Literaturbetrieb: Auf die grosse Aufregung um die Longlist des Deutschen Buchpreises folgte letzten Dienstag die Verkündung der Shortlist – und die ist so stabil, dass sich alle wieder beruhigen können. Zu beliebig und zu viele unbekannte Debütanten: So lässt sich die Kritik an der Longlist in diesem Jahr zusammenfassen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jedes Jahr wird der mit 37 500 Euro dotierte Preis zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels an einen Autor oder eine Autorin verliehen. Wichtiger noch als das Preisgeld sind aber die Einnahmen aus den explodierenden Verkaufszahlen, nachdem im Buchladen der hübsche, runde Gewinneraufkleber auf das Buch angebracht worden ist.Die von der Jury verkündete, aus sechs Titeln bestehende Shortlist ist so ausgewogen, dass man dagegen kaum mehr etwas einwenden kann. Dass erstmals fünf Frauen und ein Mann darauf stehen, dürfte niemanden stören, ausser vielleicht ein paar Männer.Für jeden was dabeiWirklich alle Themen sind abgedeckt: Shida Bazyar zeichnet in «Die Lücken» das Porträt eines fiktiven Dorfes im Hunsrück, das ihrem Heimatort Hermeskeil nachempfunden ist, und zieht darin eine nach Postkolonialismus und Geschichtsrelativierung riechende Linie von der NS-Zeit bis in die Gegenwart. Elias Hirschl erzählt in «Schleifen» von einer Sprachwissenschafterin und einem Mathematiker, die der perfekten Sprache hinterherjagen. Wenig Plot, viel Intertextualität, also eher etwas für Nerds.Das Debüt der Bachmann-Preisträgerin Valeria Gordeev, «Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle», ist ein surreal-grotesker Familienroman, der zwischen Kiew, Moskau und Berlin spielt und langsam an seiner trockenen Sprache erstickt. Mit Peggy Mädlers «Selbstregulierung des Herzens» ist der Themenkomplex DDR abgedeckt. Deshalb haben «Das Wasser im August» von Ingo Schulze und «Sanditz» von Lukas Rietzschel – zwei Favoriten – den Sprung auf die Shortlist nicht mehr geschafft. Franziska Gänslers «Orca» handelt von Freundschaft, Klimawandel, Radikalisierung, Identitätssuche. Also irgendwie von allem. Und Dana Vowinckels Roman «Anton und Alma» ist eine vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts in New York und Berlin spielende Liebesgeschichte zwischen einem Juden und einer Nichtjüdin, die zum Judentum konvertiert. Klassische Konversationsprosa, auf die sich alle einigen können.Debatte um Jury-Mitglied El HissyAlso alles in Ordnung? Nicht ganz. Überschattet wird der Buchpreis dieses Jahr von einer Diskussion um das Jurymitglied Maha El Hissy, die auch in der Jury des Wilhelm-Raabe-Preises sitzt. Der aus Ägypten stammenden Literaturwissenschafterin wird vorgeworfen, in ihren Publikationen extreme antiisraelische und antisemitische Positionen zu vertreten.Von wem? Zum Beispiel von Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. «Die postkoloniale Sprache schlägt bei ihr, wie bei vielen anderen auch, oft in Judenhass um», sagte Knobloch kürzlich der «Jüdischen Allgemeinen».Der Jurist Daniel Neumann warf El Hissy zuvor in derselben Zeitung vor, «die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart» zu verbreiten, nämlich die, dass «die Juden die Nichtjuden vernichten wollen». In der «Süddeutschen Zeitung» fragte sich Claudius Seidl bereits vor einem Monat, warum ausgerechnet El Hissy, die nicht nur das Westjordanland, sondern ganz Israel immer wieder als Unrechtsprojekt bezeichne, in die Jury des Buchpreises berufen worden sei.Der Börsenverein äusserte sich zu den ernsten Vorwürfen bisher nur knapp und sphinxhaft: «Die Berufung von Jurymitgliedern erfolgt bei der Akademie auf Basis fachlicher Expertise in der Literaturkritik und -vermittlung. Maha El Hissy erfüllt die Anforderungen an diese Rolle in vollem Umfang.»Passend zum Artikel
"Sprache schlägt in Judenhass um": Streit um Jurymitglied überschattet Deutschen Buchpreis
Die Shortlist ist ausgewogen, die Themenvielfalt gross. Überschattet wird der Preis allerdings von der Debatte um das Jurymitglied Maha El Hissy und den Umgang des Börsenvereins mit den gegen sie erhobenen Vorwürfen.












