Man kann nicht behaupten, dass es sich die Jury des diesjährigen Deutschen Buchpreises schwergemacht hätte. Dass Shida Bazyars Roman „Die Lücken“ (erschienen bei Kiepenheuer & Witsch) auf der heute bekanntgegebenen Shortlist zur kommerziell wichtigsten deutschsprachigen Literaturauszeichnung steht, darf ebenso wenig als Überraschung gelten wie Valeria Gordeevs „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ (S. Fischer) oder Elias Hirschls „Die Schleifen“ (Zsolnay), die es auch unter die letzten sechs geschafft haben. Die jeweiligen literarischen Qualitäten überzeugen bei diesen drei Romanen ebenso wie die Geschichten selbst.Auch Dana Vowinckels „Anton und Alma“ (Suhrkamp) und Peggy Mädlers „Selbstregulierung des Herzens“ (Galiani) waren jeweils heiß gehandelt worden – zumal wenn man die Zusammensetzung der Jury bedenkt, die auf mindestens einen Titel wetten ließ, der DDR und Wiedervereinigung zum Thema hat. Dass es dann Mädlers Buch geworden ist und nicht auch noch Ingo Schulzes jüngst vielbesprochener Roman „Das Wasser im August“ oder Lukas Rietzschels Bestseller „Sanditz“, ist wohl noch die originellste Entscheidung.Eine kleine ÜberraschungDer einzige zuvor wenig genannte Titel auf der Shortlist ist „Orca“ von Franziska Gänsler (Kein & Aber), eine Frauenfreundschaftsgeschichte, die in der unmittelbaren Gegenwart angesiedelt ist – mit allen Konsequenzen für das kommunikative Miteinander der jungen Protagonisten. Da darin aber auch eine Begegnung an einem sommerlichen See eine wichtige Rolle spielt, hatte Schulze wohl noch weniger Chancen.Zwei Dinge sind auffällig. Mit Hirschl ist nur ein Mann unter den letzten sechs. Und es dürfte wohl noch nie eine Shortlist zum Deutschen Buchpreis gegeben haben, deren Kandidaten im Schnitt so jung waren: Bazyar ist Jahrgang 1988, Gänsler 1987, Gordeev 1986, Hirschl 1994, Mädler 1976 und Vowinckel 1996.Am Montag der Buchmessenwoche, dem 5. Oktober, wird abends im Frankfurter Römer das Gewinnerbuch verkündet. 25.000 Euro Preisgeld sind dann nur die Dreingabe für den langfristigen Aufmerksamkeitsgewinn, den die Auszeichnung bedeutet. Vier Wochen lang dürfen es auch noch die anderen Shortlist-Kandidaten genießen, die zudem jeweils 2500 Euro erhalten.Aus dem Buchhandel war zu vernehmen, dass die Anfang August veröffentlichte Longlist in diesem Jahr wenig Neugier bei der Kundschaft ausgelöst hatte. Das wird sich jetzt bei der Shortlist ändern, denn die Themen der nominierten Bücher sind vielfältig, und vier der sechs Romane sind gerade erst in den Handel gelangt; nur die Bücher von Hirschl und Mädler erschienen schon im Frühjahr. Mein Favorit war und bleibt „Die Lücken“.
Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht fest
Weniger Überraschung war selten: Auf der heute bekanntgegebenen Shortlist des Deutschen Buchpreises finden sich sechs Romane, die ihren Platz jeweils verdient haben. Fünf davon wurden ohnehin als Favoriten gehandelt.







